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Rhein-Kreis Neuss
Unternehmer zwischen Trump und Clinton

Rhein-Kreis Neuss. Für die Firmen in der Region sind die USA ein wichtiger Markt. Im Fokus: die Wirtschaftspolitik. Von Andreas Buchbauer

In anderthalb Wochen steht fest, ob das Stehaufmännchen noch einmal aus den Trümmern seiner Kampagne aufsteht. Am 8. November fällt in den USA die Entscheidung, wer als 45. Präsident der Vereinigten Staaten ins Weiße Haus einzieht: Der Republikaner Donald Trump, der während des Wahlkampfs mit derben Tönen so oft den Bogen überspannte, stolperte und als Kandidat für gescheitert erklärt wurde, oder Hillary Clinton, die ungeliebte und umstrittene Kandidatin der Demokraten, die in Umfragen vorne liegt. Ganz gleich, wer das Rennen macht: Beiden wird die Neigung zu einer protektionistischen Wirtschaftspolitik zugeschrieben, und Weltpolitik strahlt aus - natürlich auch von Washington in den 6350 Kilometer Luftlinie entfernten Rhein-Kreis Neuss. "Die USA vor der Präsidentschaftswahl - Stress-Test für die deutsche Wirtschaft" - über dieses Thema diskutierten am Dienstagabend Experten im S-Forum der Sparkasse Neuss.

Organisiert wurde der Themenabend von der Kreiswirtschaftsförderung, der Deutsch-Amerikanischen Gesellschaft Neuss, dem Außenhandelsverband NRW und der Sparkasse Neuss. US-Generalkonsul Michael R. Keller betonte die Bedeutung der transatlantischen Beziehungen. Mehr als 1700 US-Firmen seien in Nordrhein-Westfalen aktiv und schafften rund 200.000 Arbeitsplätze. Etwa ein Drittel der Arbeitsplätze in Deutschland sei vom Exportgeschäft abhängig. Und Keller stellte klar: Für die USA gebe es keinen Ersatz für Europa als gleichberechtigen Partner.

Beim Begrüßungstalk hatte Andreas Mühlberg, Geschäftsführer des Außenhandelsverbandes NRW, betont, dass Unternehmer, die schon im US-Geschäft aktiv sind, zwar eher mit Gelassenheit auf die Wahl blicken. Allerdings gebe es durchaus Sorgen vor einer in Zukunft zunehmend protektionistischen Wirtschaftspolitik der USA. Trump will mit Blick auf die Handelspolitik am liebsten alle Vereinbarungen neu verhandeln, Clinton lehnt das transpazifische Handelsabkommen (TTP) ebenso ab wie das mit der EU (TTIP). Abschottung statt Freihandel - eine Losung, die den Unternehmern durchaus Kopfzerbrechen bereitet.

Laut IHK-Außenwirtschaftsbarometer beträgt der Anteil des Auslandsumsatzes am Gesamtumsatz bei den verarbeitenden Betrieben mit mehr als 20 Beschäftigten im Rhein-Kreis Neuss 55,1 Prozent. Die USA sind ein zentraler Partner und für die auslandsaktiven Unternehmen der wichtigste Zukunftsmarkt neben China. Ebenfalls wichtige Zukunftsmärkte: der Iran und Russland. Vor diesem Hintergrund ist die künftige Außenpolitik der USA für die hiesige Wirtschaft spannend. Andreas Mühlberg spricht von der Sorge vor einer Sanktionspolitik gegenüber dem Iran und Russland.

In einem gut 45-minütigen Vortrag lenkte Markus Feldenkirchen, der knapp zwei Jahre als Korrespondent für den Spiegel in den USA war, den Blick auf die politische und gesellschaftliche Situation in den USA. Dabei legte er die Schwächen der Präsidentschaftskandidaten und das Misstrauen in die Eliten in Washington offen. "Clinton hätte gegen einen seriösen republikanischen Kandidaten kaum eine Chance gehabt", sagte er.

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion mit Feldenkirchen und Axel Hebmüller (Hebmüller SRS Technik), mahnte Frank Sportolari, Generalbevollmächtigter von UPS Deutschland: "Wenn der Export zurückgeht, gehen auch in Deutschland Arbeitsplätze verloren."

Quelle: NGZ
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