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Rhein-Kreis Neuss
Wenn Hacker Daten als Geiseln nehmen

Rhein-Kreis Neuss: Wenn Hacker Daten als Geiseln nehmen
Hacker können in schlecht gesicherte Hausnetzwerke von Unternehmen eindringen und Daten verschlüsseln, die sie erst gegen Zahlung von Bitcoins, einer digitalen Geldwährung, wieder freigeben. FOTO: ThinkstockFotos
Rhein-Kreis Neuss. Der Cyber-Angriff auf das Lukaskrankenhaus in Neuss rüttelt viele Unternehmen im Rhein-Kreis wach. IT-Fachleute setzen auf Aufklärung und Prävention. Regelmäßige Datensicherungen und gute Viren-Scanner können helfen. Von Christian Kandzorra

Mitte Februar passierte es: Ein Hacker-Angriff legte das Computersystem des Neusser Lukaskrankenhauses lahm. Der Betrieb in dem Hospital wurde plötzlich auf den Stand von 2006 zurückgeworfen, Operationen mussten verschoben und Patienten in andere Krankenhäuser verlegt werden. Hunderte Rechner waren vom Virus befallen. Um solchen digitalen Katastrophen vorzubeugen, setzen IT-Fachleute wie Dirk Becker und Norman Rieger auf Aufklärungsarbeit. In ihrem Grevenbroicher Systemhaus "Pro Data" informierten sie jetzt 14 Unternehmensvertreter aus dem Rhein-Kreis Neuss und Umgebung - darunter Krankenhäuser und mittelständische Firmen - über Präventivmaßnahmen und darüber, was zu tun ist, wenn doch ein Virus in das System eingespeist wurde.

Der Schutz vor solchen Viren ist ein unbequemes Thema. "Viele Menschen verbinden damit häufig hohe Kosten und jede Menge Aufwand", sagt "Pro Data"-Geschäftsführer Dirk Becker. Aber es sei ein Thema, das zunehmend an Bedeutung gewinnt. "Das Problem ist nicht neu, allerdings zeigen Statistiken im Januar 2016 einen gewaltigen Sprung: Es werden deutlich mehr Fälle von Hacker-Attacken verzeichnet", erzählt IT-Fachmann Norman Rieger.

Aktuell versuchen Hacker mit einem Virus namens "Locky" (oft trägt es auch einen anderen Namen) ganze Firmennetzwerke zu verschlüsseln. Das sei vergleichbar mit einer Daten-Geiselnahme. "Denn wer wieder an seine Daten möchte, muss sie freikaufen. Dieser Freikauf garantiert aber nicht, dass alle Daten wieder freigegeben werden", erklärt Rieger die Masche der Hacker, die oft genug Erfolg damit haben. "Die Beträge, die die Hacker verlangen, liegen umgerechnet zwischen 250 und 500 Euro", berichtet der "Pro Data"-Fachmann.

Dieses Geld müssten die Opfer allerdings nicht normal per Überweisung zahlen, sondern mit sogenannten Bitcoins. "Dabei handelt es sich um eine Internetwährung. Wohin die Coins genau fließen, lässt sich kaum nachvollziehen." Die Hacker, die die Viren nach einer Art Baukasten-Prinzip entwickeln, durchforsten das Internet und suchen gezielt etwa nach E-Mail-Adressen. "Die Viren werden einfach verschickt - und in vielen Fällen bezahlen die Anwender das geforderte Geld", sagt Rieger. Wer genau dahintersteckt, lässt sich in den meisten Fällen nicht ermitteln.

Stark betroffen sind Industrieländer und Zentraleuropa: Grund ist der hohe Lebensstandard. Doch wie kommen die Viren auf den Computer? "Häufig sind sie versteckt in E-Mail-Anhängen, auf Speichersticks oder sie verbergen sich hinter Links, auf die der Anwender klicken soll. Ein falscher Klick kann fatale Auswirkungen haben", warnt Becker. Auch das Virus, das das Lukaskrankenhaus lahmlegte, war womöglich durch einen geöffneten Mailanhang ins Hausnetzwerk gedrungen.

Spezialisten wie Becker wollen für das Thema sensibilisieren. Extrem wichtig sei neben einem guten Viren-Scanner - viele Anwender haben gar keinen auf ihrem Computer installiert - auch ein regelmäßiges "Backup", also eine Sicherung aller Daten beispielsweise auf einer externen Festplatte, die nicht ständig am Rechner angeschlossen ist. "Es gibt zudem auch die Möglichkeit, das Internet auszulagern, sodass im Falle eines Viren-Befalls keine Computerdaten angegriffen werden", erklärt Becker. So ein System ist insbesondere für Unternehmen mit eigenem Netzwerk interessant. "Es hat aber den Nachteil, dass etwa heruntergeladene Dateien erst aus dem isolierten Bereich abgeholt und auf mögliche Viren geprüft werden müssen, ehe sie verwendet werden können."

Normale Anwender sollten so gut es geht informiert sein über die Gefahren, die beispielsweise in Mailanhängen lauern können. "Ich schätze, dass 99 Prozent aller Erstinfektionen aus privaten Bereichen kommen", sagt Becker. Unternehmen sollten sich daher auch die Frage stellen, inwieweit jeder Mitarbeiter Zugriff auf das komplette Internet haben muss. Mit seinem Team präsentierte Dirk Becker jetzt auch Lösungen für Firmen mit eigenen Netzwerken, die plötzlich von Viren befallen werden könnten. "Wichtig ist, dass der infizierte Rechner sofort lokalisiert und vom Netzwerk abgeklemmt wird. Es gibt Systeme, die das vollautomatisch in Gang setzen können."

Quelle: NGZ
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