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Rhein-Kreis Neuss
Willy Wimmer öffnet "Akte Moskau"

Rhein-Kreis Neuss: Willy Wimmer öffnet "Akte Moskau"
Weltpolitischer Mahner aus Jüchen: Willy Wimmer. FOTO: L. Berns
Rhein-Kreis Neuss. Der ehemalige Staatssekretär, der in Jüchen lebt, hat sein neues Buch vorgelegt. Von Ludger Baten

Furcht hat Hoffnung abgelöst. 25 Jahre brauchte es dafür. Noch auf dem Flug zum Weltjugendtag nach Krakau sprach Papst Franziskus jetzt vom Krieg der Interessen, des Geldes, der Ressourcen. Die Welt habe den Frieden verloren. Wie anders hatte sich das vor 25 Jahren angehört. Auch damals gab es einen Weltjugendtag, auch damals in Polen, in Tschenstouchau mit Johannes Paul II. Willy Wimmer beschreibt die damalige Stimmung in seinem neuen Buch: "Deutsche Soldaten in Uniform an der Spitze ihrer wallfahrenden Kameraden aus aller Herren Länder, und das auf polnische Bitte hin dort, wo Polens Seele zu Hause ist! Das muss für eine Gruppe französischer Nonnen und nicht nur für diese das erste Wunder an diesem Tage gewesen sein."

Damals, so erinnert sich Wimmer, sei er wie viele andere nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und nach dem Ende des Kalten Krieges voll ungeheurer Hoffnung gewesen, eine neue Situation in Europa zu gestalten - "und heute heißt das Motto: Krieg". Vielleicht brauche es den Verlauf einer Generation, denkt der ehemalige Staatssekretär im Verteidigungsministerium und langjährige CDU-Bundestagsabgeordnete aus Jüchen laut nach, "um die Dinge beurteilen zu können". Für den altgedienten sicherheits- und außenpolitischen Experten, der auch Vizepräsident der OSZE war, "geht es wieder in die falsche Richtung. Wir verspielen unser Erbe. Es geht in Richtung Krieg."

Willy Wimmer schied 2009 aus der aktiven Politik aus: "Ich war froh, zu Hause zu sein." Dass er sich dann doch wieder öffentlich äußert, begründet er mit dem "Putsch westlich gesteuerter Kräfte gegen eine legitime Regierung in der Ukraine". Er wolle nicht schweigen. Keiner solle später behaupten können, "man habe es nicht bemerkt".

So beschreibt Willy Wimmer, wie in 25 Jahren nach dem Kalten Krieg der Frieden in Europa fragil geworden ist. Er tut dies als Zeitzeuge, der beim Prozess hin zur deutschen Einheit mitgestaltet hat und einer, der bis heute ein viel gefragter Gesprächspartner der Mächtigen in aller Welt ist.

Info Willy Wimmer: "Die Akte Moskau", Verlag zeitgeist; 325 Seiten; 24,80 Euro

Quelle: NGZ
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