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Rhein-Kreis Neuss
Wirtschaft blickt mit Sorge auf die Türkei

Rhein-Kreis Neuss: Wirtschaft blickt mit Sorge auf die Türkei
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Rhein-Kreis Neuss. Die Türkei ist ein starker Handelspartner für Unternehmen in der Region. Wirtschaftsförderung braucht Geduld bei Standortmarketing. Von Andreas Buchbauer

In der "Außenpolitik" der Kreiswirtschaftsförderung ist mitunter ein langer Atem gefragt. Schließlich geht es darum, Firmen aus dem Ausland für einen Standort im Kreis zu gewinnen - und das geht nicht von heute auf morgen. Mit Blick auf die Türkei macht es die aktuelle Lage nicht einfacher. Nur zu gerne hätte Kreisdirektor Dirk Brügge in der jüngsten Jahresbilanz der Kreiswirtschaftsförderung die Neuansiedlung von vier Unternehmen aus der Türkei im Rhein-Kreis Neuss vermeldet. "Wir haben sehr gute Gespräche geführt - aber aufgrund der jüngsten Entwicklung steht eine Entscheidung erst einmal aus", sagt Brügge. "Vom Tisch aber ist das Thema keinesfalls."

Vier durchaus namhafte türkische Unternehmen hätten ihr Interesse am Standort Rhein-Kreis Neuss nachhaltig hinterlegt. Zu Namen schweigt der Kreisdirektor. Aber am grundsätzlichen Interesse der Geschäftsleute ändere sich erst einmal nichts - wohl aber am Zeitplan. Dass die politische Entwicklung in der Türkei den Aufbau neuer Geschäftsbeziehungen nicht eben erleichtert, liegt auf der Hand. Geduld ist gefragt, "Außenpolitik" eben. Aber auch die bestehenden Geschäftsbeziehungen gilt es zu pflegen - und da besteht die Befürchtung, dass das Miteinander dauerhaft schwieriger werden könnte. Die hiesige Wirtschaft verfolgt das, was derzeit am Bosporus passiert, ganz genau. "Die Situation in der Türkei bereitet allen Sorgen", erklärt Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein.

Die Unternehmen in der Türkei sind für die Wirtschaft in der Region ein wichtiger Handelspartner. 23 Prozent der auslandsaktiven Unternehmen am Mittleren Niederrhein exportieren laut einer IHK-Umfrage in das Land am Bosporus. In der Industrie liegt der entsprechende Anteil sogar bei 39 Prozent. "Damit gehört die Türkei zu den 15 bedeutendsten Exportzielen der Betriebe am Mittleren Niederrhein", erklärt Steinmetz. "Schaut man nur auf die Zahl der von der IHK während der letzten anderthalb Jahre ausgestellten Ursprungszeugnisse, so ist die Türkei sogar achtwichtigstes Exportziel."

Auch für den Import von Gütern spielt das Land laut Steinmetz eine wichtige Rolle. Neun Prozent aller auslandsaktiven Unternehmen in der Region Mittlerer Niederrhein importieren Güter aus der Türkei. "Nur für neun andere Staaten ist dieser Anteil höher." Und es gelte, dass nahezu sämtliche auslandsaktiven Branchen in der Region Wirtschaftsbeziehungen mit der Türkei unterhalten.

Die Bedeutung der Türkei für den Rhein-Kreis Neuss betont auch die Kreiswirtschaftsförderung - nicht nur mit Blick auf die erhofften Neuansiedlungen. 2015 führte eine Unternehmerreise nach Istanbul - ein Mix aus "Außenpolitik" und Standortmarketing. Insgesamt sind 462 türkische Kleingewerbetreibende sowie 14 türkische, im Handelsregister eingetragene Firmen im Kreis angesiedelt.

Quelle: NGZ
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