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Rhein-Kreis Neuss
Wohnungsbau: Idee des Landrats in der Politik umstritten

Rhein-Kreis Neuss. Das Ziel ist unstrittig, der Weg dorthin ist es nicht: Die Idee von Landrat Hans-Jürgen Petrauschke, mit einer Kreis-Wohnungsbaugesellschaft mehr preiswerten Wohnraum zu schaffen, stößt auch im Kreisausschuss auf Widerstand.

Nachdem der Neusser Bürgermeister Reiner Breuer bereits Ablehnung signalisiert hat, meldeten gestern im Kreisausschuss vor allem die Grünen und auch die SPD, Bedenken an. "Die SPD-Bürgermeister im Rhein-Kreis legen gar keinen Wert auf die Initiative des Landrates", sagte Hans Christian Markert (Grüne). Sein Fraktionskollege Erhard Demmer ging noch weiter: "Eine Kreis-Wohnungsbaugesellschaft ist überflüssig wie ein Kropf." Der Kreis, so die Argumentation, verfüge selbst über keine Grundstücke. Außerdem greife er in die Hoheit der Kommunen ein.

Petrauschke verteidigte seinen Vorstoß mit dem Verweis auf unterschiedliche Situationen im Kreisgebiet: Neuss sei mit dem Bauverein als städtischer Tochter ganz anders aufgestellt als kleinere Kommunen wie Jüchen oder Korschenbroich, die nicht über eine eigene Wohnungsbaugesellschaft verfügten. Letztlich, so Petrauschke gehe es um die Sache und nicht um die Gründung einer neuen Gesellschaft. "Und das heißt: Wir brauchen schnell bezahlbaren Wohnraum", sagte Petrauschke. Davon würden nicht nur Flüchtlinge profitieren, die untergebracht werden müssen, sondern auch junge Familien, die ins Kreisgebiet ziehen. Auch Menschen, die von Hartz IV leben, kämen Investitionen in günstigen Wohnraum zugute. "Das wiederum", so Bijan Djir-Sarai (FDP), entlaste letztlich auch den Kreishaushalt, denn der Kreis komme für Unterkunftskosten aus.

Dieter Welsink (CDU) unterstützt den Kurs des Landrats: Eine kreisweite Koordinierung des sozialen Wohnungsbaus könne auch verhindern, dass in Containerdörfer investiert werde, die nach zehn Jahren nicht mehr nutzbar seien. Der CDU sei an nachhaltigeren Lösungen gelegen. Die forderte auch Rainer Thiel (SPD), der auf einen Nachholbedarf des Kreises bei günstigem Wohnraum verwies. Weniger wichtig als die Frage nach einer Gesellschaft sei die nach schnellen Lösungen, mit denen die Kommunen von der derzeit hohen Förderung für entsprechende Projekte profitieren könnten: "Das Land gibt für sozialen Wohnungsbau 35 Prozent Zuschüsse bei der Tilgung", so Thiel, das sei "enorm". Udo Bartsch (SPD) forderte deshalb kurzfristig einen Austausch zwischen Kommunen und Wohnungsbaugesellschaften im Kreis, um die Chance nicht zu vergeben: "Ob dann letztlich Gesellschaften des Kreises oder der Kommunen tätig werden, ist einerlei."

(ki-)
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