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Rheinberg
1459 war die Stadt Rheinberg pleite

Rheinberg: 1459 war die Stadt Rheinberg pleite
Sehenswerte Bilder aus alten Zeiten in Rheinberg bewundern Delia Dietze, Monika Hildner und Claudia Hochstein. FOTO: Armin Fischer
Rheinberg. Das Rheinberger Stadtarchiv beteiligte sich gestern am bundesweiten Tag der Archive. "Mobilität im Wandel" lautete das Thema - das Archiv wartete mit kleinen Schätzen auf. Humorvolle Lesung mit Autorin Anja Rupprecht. Von Sabine Hannemann

Der Verband deutscher Archivarinnen und Archivare hatte zum bundesweiten "Tag der Archive" eingeladen. Das Rheinberger Archiv öffnete gestern sein Magazin, zeigte alte Amtsbücher und Dokumente. Umfangreich ist der Bestand der städtischen Akten mit Ratsprotokollen, Zivilstands- und Personenstandsregister ab etwa 1800. "Wir nehmen zum vierten Mal teil", sagt Sabine Sweetsir, Leiterin des Rheinberger Archivs. "Für uns eine gute Gelegenheit, unsere Bereiche und und Arbeitsweisen zu zeigen. Wir sind ein Archiv, arbeiten aber nicht im Verborgenen."

Die Resonanz auf die Stadtgeschichte unter speziellen Gesichtspunkten sei in der Vergangenheit gut gewesen. Auch für das aktuelle Thema "Mobilität im Wandel" konnte das Stadtarchiv Interessantes beisteuern. So durch die jüngste Errungenschaft, ein Verzeichnis aus dem 17./18. Jahrhundert, das den Zuzug nach Rheinberg dokumentiert. "In der Zeit sind Menschen aus den unterschiedlichsten Richtungen nach Rheinberg gezogen, sogar aus Stockholm. Das Thema Mobilität lässt sich umfangreich belegen", erzählt Sabine Sweetsir. Spannend gestaltete sich der Ankauf dieses lange verschollenen Dokuments, das über ein Antiquariat angeboten wurde und dank Sponsoren gekauft werden konnte. Nun steht die Restaurierung an, danach soll es der Öffentlichkeit gezeigt werden. In 15. Jahrhundert führte eine Urkunde mit imposantem Siegel, die der Kölner Erzbischof am 20. April 1459 ausgestellt hatte. Er informierte darin die Rheinberger, dass aufgrund von Zahlungsunfähigkeit die Stadt verpfändet worden sei. Alle Einnahmen stünden van Gemen zu. "Eine damals übliche Maßnahme, um Schulden zu tilgen, und meist von kurzer Dauer war", so die Archivarin. Welche wirtschaftlichen Aktivitäten im 19. Jahrhundert von Rheinberg aus in die Welt gingen, belegt ein Amtsbuch mit Kundendatei der Samenhandlung van Gember. Interessant ist ebenfalls die Geschichte der Moerser Kreisbahn, die laut Fahrplan vom 1. Dezember 1924 über Meerbeck, Baerl und weitere Stationen nach Rheinberg fuhr. Wer morgens um 5.30 Uhr am Moerser Bahnhof einstieg, erreichte 6.14 Uhr den Rheinberger Bahnhof. Auch der Geschichte der Kleinbahn kamen die Besucher auf die Spur. Laut Beschluss von 1913, so die mittlerweile die gut leserlichen Dokumente in Schreibmaschinenschrift, verkehrte eine Kleinbahn auf den Straßen von Rheinberg nach Kamp. Endstation mit Drehpunkt lag in Höhe der Gaststätte "Klosterpforte". Leider existieren im Archiv dazu keine Fotos. "Für uns wären solche Dokumente natürlich sehr interessant", sagte die Archivleiterin, die weitere Etappen zum Thema Mobilität den Gästen vorstellte. Beispielsweise die Einrichtung von Fernsprechern, die in Rheinberg allerdings noch zögerlich umgesetzte wurde, wenngleich es für Unternehmen wie Underberg ein Quantensprung bedeutet hätte.

Für ein Schmunzeln sorgte Autorin Anja Rupprecht, die das Leben vor 100 Jahren unter dem Stichwort Mobilität lebendig werden ließ. "Radfahren verboten" hieß es 1914. "Die Gummibereifung wurde verboten und somit war die Nutzung von Rädern nicht mehr möglich. Die Menschen sind gelaufen", sagt Anja Rupprecht. Ersatz boten im Ersten Krieg dann Räder aus Kork.

Quelle: RP
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