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Rheinberg
80 Kinder aus aller Welt erleben Ferien

Rheinberg. Zum neunen Mal veranstalten Diakonie und Caritas mit Hilfe von zahlreichen Sponsoren eine erlebnisreiche Woche für Kinder aus Familien, die kein Geld für den Urlaub haben. Im Haus der Generationen trifft sich ein buntes Völkergemisch. Von Bernfried Paus

Gestern war Tag eins der Sommerferien. Viele Kinder sind bereits mit ihren Eltern ab in den Urlaub - der Sonne entgegen. Andere müssen sich noch ein wenig gedulden. Viele aber leben im Schatten. Ihren Familien fehlt schlichtweg das Geld für Tapetenwechsel. Auch in Rheinberg. Die Zahl der Ein-Elternfamilien wird auf rund 600 geschätzt. Damit diese Kinder am Ende der Sommerferien nicht verschämt in der Ecke stehen, wenn ihre Mitschüler auf dem Pausenhof von ihren Urlaubserlebnissen erzählen, organisieren die Grafschafter Diakonie und die Caritas Moers-Xanten zum 9. Mal eine Ferienwoche mit Spiel, Spaß und Abenteuer zum Nulltarif. Gewinn: ein unschätzbarer Erfahrungsschatz für alle, die dabei gewesen sind.

Basis für gut 80 Kinder - darunter acht aus der Zentralen Unterbringungseinheit (ZUE) Orsoy - von fünf bis 13 Jahre ist das Haus der Generationen am Annaberg. Ein Regenbogen spannt sich am Eingang symbolisch über das bunte Völkergemisch aus fast 20 unterschiedlichen Nationen. "Wir haben beim Programm darauf geachtet, dass es nicht so sehr auf die Sprachfähigkeit ankommt", sagt Diakonie-Chef Bernad Bauguitte. Im Liederkurs wird mehr gesummt als gesungen. Bei der Pantomime funktioniert Kommunikation über Körpersprache.

An den Tischen, auf denen Flüchtlingsmädchen Wimpel für die große Girlande der Freudschaft bemalen, wird kaum gesprochen. Doch die in einigen Fällen erstaunlich kunstvoll gemalten Botschaften sind eindeutig: "Love" schreibt ein Mädchen mit Buntstiften mehrfach auf seinen Wimpel. Draußen spielen Jungs und Mädels, einige mit Kopftuch, ausgelassen Völkerball. Aarman lässt auf der Terrasse Hula-Hoop-Reifen gekonnt um seine Hüften Kreisen. Nebenan in der Küche wird derweil das Mittagessen gekocht. Nudeln mit Tomatensoße steht auf dem Speiseplan. Zur Küchencrew zählt auch eine Frau aus Marokko. "Für sie eine ideale Gelegenheit zu ihren anderen Sprachen, die sie beherrscht, auch ihr Deutsch zu verbessern", so Bauguitte.

Rund 20 Helfer gehören zum Betreuerteam, darunter einige, die als Kinder an der wertvollen Ferienaktion teilgenommen haben und nun etwas zurückgeben möchten von der Freude, die sie hier erfahren haben. Zum Team gehören auch vier Azubis der Volksbank Niederrhein. "Wir versprechen uns davon, ein Zuwachs an sozialer Kompetenz unserer Mitarbeiter", sagt Personalmanagerin Viviane Prohl. Die Erfahrungen seien positiv, das Interesse groß. "Wir müssen die Plätze unter unseren Azubis verlosen. Nicht alle können mitmachen", so Viviane Prohl. Auch für die youngcaritas sei das Ferienprojekt "ideal", so Manuel Kutz. Die Caritasjugend wolle junge Leute an ehrenamtliches soziales Engagement heranzuführen.

Dafür, dass Geld keine Rolle spielt beim Ferienprogramm für Kinder, die nicht nur in bescheidenen Verhältnissen, sondern auch vergleichbar arm an Kontakten aufwachsen, sorgen Sponsoren: Firmen, Vereine, Verbände. Die Tafel stiftet frisches Obst und Gemüse und bietet Kochkurse an. Der Heimatverein macht Stadtführungen und veranstaltet ein Boule-Turnier. Die Polizei schickt Fahrradtrainer. Eine Puppenbühne erzählt die Geschichte "Ein Gnuddel kommt selten allein". Ein Ausflug zum Elvericher Hof in Wallach rundet die Woche ab, die am Samstag mit einem großen Fest endet. Dann zeigen die Ferienkinder ihren Eltern, was sie bei ihrer "imaginären Weltreise" erlebt haben. Sie gehen dann gestärkt in ihren Alltag zurück und können mitreden, wenn wieder Schule ist.

Quelle: RP
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