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Rheinberg
Ärger mit der abknickenden Vorfahrt

Rheinberg: Ärger mit der abknickenden Vorfahrt
Wer aus dem Kattewall (rechts) auf die Orsoyer Straße abbiegen will, sollte klugerweise gut aufpassen. Nicht selten wird die abknickende Vorfahrt nicht beachtet - und das, so eine Leserin, sogar mit viel zu hoher Geschwindigkeit. FOTO: Christoph Reichwein.
Rheinberg. Leserin bemängelt zu schnelles Fahren und die Kreuzungsregelung am Kattewall in Rheinberg. Von Bernfried Paus

Raserei in der Innenstadt - das ist ganz offensichtlich ein Buch mit vielen Folgen. Nachdem Anfang des Monats im "RP-Bürgermonitor" der Abschnitt zwischen Holz- und Fischmarkt mit der Einmündung zum Großen Markt im Fokus gestanden hat, richtet RP-Leserin Genoveva Angermund nun den Blick auf die abknickende Vorfahrt in Höhe Drogerie Rossmann. Hier hat der Kattewal, eine funktionale Zufahrt zu einem Parkplatz im Hinterhof, Vorrang vor der Hauptverkehrsader im Herzen der Stadt, der die City von Nord nach Süd schnurgerade durchzieht.

"Ich bin neulich wieder mal aus dem Kattewall gekommen und musste zwei Autos hintereinander vorbeilassen, die bestimmt mit 30, 40 Sachen stadtauswärts unterwegs waren. Und dann folgte noch ein Motorrad", erzählte Genoveva Angernmund im RP-Gespräch. "Ich gehe schon von vorneherein davon aus, dass hier kein Schritttempo gefahren wird, wie es eigentlich vorgeschrieben ist. Doch das weiß keiner." Sie müsse mit ihren Automatikgetriebe schon immer auf der Bremse stehen, um nicht schneller als Schritt zu werden. Und dabei werde sie dann nicht selten von weniger geduldigen Fahrern überholt. Nur durch die aus Erfahrung gebotene Vorsicht könne sie es vermeiden, in Unfälle verwickelt zu werden. Allein auf sein Vorfahrtsrecht zu pochen, könne Blechschäden und somit Ärger nicht vermeiden.

Wilhelm Weihofen von der Straßenverkehrsbehörde im Stadthaus weiß sofort, wovon die RP-Leserin spricht. Ihre Realität an der Stelle, sei damals, als über die Verkehrsberuhigung der innerstädtischen Achse diskutiert worden sei, ein Hauptargument gewesen, dass die Gegner dieser Lösung ins Feld geführt hätten. "Rein optisch kommt die abknickende Vorfahrt für den Geradeausverkehr ziemlich unvermittelt", räumt der Verkehrsexperte ein.

Doch die Entscheidung fiel vor drei Jahren für die Ausweisung der innerstädtischen Achse als verkehrsberuhigten Bereich. Übergeordnetes Ziel sei es nun mal, die innerörtlichen Verkehrsströme auf die Wälle oder noch besser auf die Umgehung zu leiten.

Da sei nach der Entscheidung für Schrittgeschwindigkeit in der City nun mal die geltende Vorfahrtsregelung am Kattewall wie auch die an der Ecke Goldstraße/Entenmarkt die zwangsläufige Folge, die die Straßenverkehrsordnung zwingend vorschreibe. "Wie bei einer Spielstraße gilt auch, dass die Fahrbahn wie eine Hofzufahrt untergeordnet ist", so Weihofen. Um die Aufmerksamkeit der Autofahrer zu schärfen, die sich durchaus nachvollziehbar gefühlt im Vorteil sähen, habe die Stadt zusätzlich Schilder "Vorfahrt achten" aufgestellt. Die Polizisten-Atrappen, die bei der Änderung der Vorfahrtsregel zunächst aufgestellt worden sind, seien verschwunden.

Weihofens Eindruck ist, dass sich die allermeisten Autofahrer weitgehend vernünftig verhalten. "Man kennt die neuralgischen Ecken und richtet sich drauf ein. Und auch wenn man Vorfahrt habe, sollte man immer auch mit den Fehlern der andern Verkehrsteilnehmern rechen. Vorsicht ist halt die Mutter der Porzellankiste."

Und die Erfahrung zeige, dass das geltende Prinzip funktioniere. "Ich kann nicht ausschließen, dass es hin und wieder Mal zu Blechschaden gekommen ist", so Weihofen. "Aber eine signifikante Unfallhäufigkeit ist nicht erkennbar." Das hatte auch vor nicht allzu langer Zeit ein Sprecher der Polizei so formuliert.

RP-Leserin Genoveva Angerhausen mag sich damit nicht begnügen. Sie schlägt vor, die abknickende Vorfahrt auf der Fahrbahn farblich zu markieren. "In leuchtendem Rot wie die Überführung über die Alte Landstraße ein Stück vor dem Arrata", so Angermunds Anregung. Alternative: Das Spielstraßenzeichen auf die Fahrbahn pinseln. Besser sei es noch, wenn vor dem Knick die Fahrbahn einen Huckel bekäme, der dazu zwinge, den Fuß vom Gaspedal zu nehmen.

Unterdessen laufen bereits Überlegungen, die City-Achse für Autofahrer noch unattraktiver zu gestalten. Beim Umbau von Holz- und Fischmarkt könnten Busse künftig auf der Fahrbahn halten und somit die Ader beim Ein- und Aussteigen verstopfen. Das könnte weitere Autos veranlassen, eine Alternative zu wählen und auch einen Umweg nicht länger zu scheuen. Das könnte, so der mögliche Hintergedanke, Missverständnisse bei der abknickenden Vorfahrt zurückdrängen.

Quelle: RP
 
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