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Alpener am Kopf verletzt
Brütender Bussard attackiert Jogger

Alpen: Mann beim Joggen von Bussard angegriffen
Auf Facebook postete Tobias Schweitzer ein Bild von der Wunde an seinem Kopf. FOTO: Tobias Schweitzer
Alpen. Tobias Schweitzer aus Alpen wurde beim Joggen von einem Bussard angegriffen. Zweimal stürzte sich das Tier auf den Mann herab und verletzte ihn am Kopf, bevor der sich mit einem Stock schützen konnte. Vogelexperten kennen das Phänomen. Von Laura Sandgathe und Stefan Gilsbach

"Das war, als hätte man mir mit einem Brett auf den Hinterkopf geschlagen. Zuerst wusste ich gar nicht, was das war", erinnert sich Tobias Schweitzer. Erst, als ihn die Krallen ein zweites Mal am Kopf streifen, wird dem 28-Jährigen aus Alpen klar, dass er gerade von einem Greifvogel angegriffen wird. "Aus heiterem Himmel, völlig ohne Vorwarnung", beschreibt er die Situation. 

Schweitzer war am Montag gegen halb 8 am Abend auf seiner typischen Joggingrunde in einem schmalen Waldstück am Höhenweg in Alpen unterwegs. Er trainiert gerade für einen Wanderurlaub. Er ist allein und völlig unvorbereitet, als ihn der Greifvogel, vermutlich ein Bussard, angreift. "Ich habe ihn vorher nicht gesehen oder gehört", sagt Schweitzer. Das Tier fügt ihm mit seinen Krallen Wunden am Kopf zu. "Das Blut lief mir am Hals herunter", sagt der 28-Jährige.

Die Bussarde brüten zwischen Ende April und Mitte Juli. In dieser Zeit wollen sie ihre Jungen beschützen - und attackieren auch Menschen, wenn sie sich bedroht fühlen. FOTO: RPO

Nachdem der Vogel ihn ein zweites Mal erwischt hat, greift sich Schweitzer einen Stock und hält ihn hoch über seinen Kopf. Und tut damit intuitiv genau das, wozu Birgit Königs, Sprecherin von Nabu NRW, rät: "Die Vögel stürzen sich immer auf den höchsten Punkt ihres Opfers, beim Menschen also auf den Kopf", sagt sie. Deshalb helfe es, einen Stock, eine Tasche oder eine Mütze über den Kopf zu halten. Danach sollte man sich ruhig, aber zügig aus dem Wald herausbegeben, rät Königs.

Schweitzer bringt seine Joggingrunde trotz Verletzungen zu Ende. Zuhause reinigt er die Wunde, zum Arzt geht er aber nicht. "Ich habe heute schon keine Schmerzen mehr", sagt er am Tag nach dem Vorfall. Aber in seinem Impfausweis habe er überprüft, ob sein Tetanusschutz noch aktuell sei.

Vögel wollen ihre Jungen schützen

Nabu-Sprecherin Königs dagegen rät, nach einem Angriff von einem Greifvogel vorsichtshalber einen Arzt aufzusuchen. Dass Vögel wie Bussarde oder, in selteneren Fällen, auch Habichte einen Menschen angreifen, komme gerade in dieser Jahreszeit immer wieder vor, sagt sie. Zwischen Ende April und Mitte Juli brüten die Tiere in höheren Bäumen an Waldrändern. Wenn dann Menschen in der Nähe des Horstplatzes vorbeikommen, kann es sein, dass sich die Tiere bedroht fühlen und die Menschen angreifen, um ihre Jungen zu schützen. 

"Meist hört man die Tiere schon vorher, denn sie kündigen ihren Angriff mit Rufen an", sagt Königs. Sie rät dringend dazu, nicht nach den Tieren zu schlagen, sondern ruhig zu bleiben und den Rückzug anzutreten. "Wenn man weiß, wo sich ein Horst befindet, sollte man diese Stelle noch die nächsten vier bis sechs Wochen meiden", sagt Königs. Einige Gemeinden hätten bereits Hinweisschilder aufgestellt.

Bussard-Angriffe auch in Neukirchen-Vluyn

Auch in anderen Teilen der Region sind bereits aggressive Bussarde aufgefallen. Wenn die Mitglieder des Ausdauer-Sportvereins Neukirchen-Vluyn in der Nähe der Ortschaft Vluynbusch trainieren, schauen sie in diesen Tagen häufiger mal nach oben. Immer wieder hat es in diesem Bereich Attacken von Bussarden auf Läufer gegeben, am Wochenende wurden erneut Angriffe der Greifvögel beobachtet.

Hans-Günther Zeutzius ist der Lauf-Instructor des Vereins. Auch er hat mit den Attacken aus der Luft schon Erfahrungen gemacht. "Mir ist es bislang drei Mal passiert, dass die Bussarde mich angeflogen haben. Allerdings waren es nur Scheinangriffe." Doch auch von Verletzungen bei Vereinskollegen habe er schon gehört. Meist komme es zu den Vorfällen bei Vluynbusch oder am Littardweg, an der Grenze von Neukirchen-Vluyn und der Gemeinde Rheurdt.

Tobias Schweitzer aus Alpen will sich zum Joggen für die nächste Zeit eine andere Strecke suchen. Mittlerweile kann er über die Vogelattacke aber schon wieder lachen. "Jetzt weiß ich, wie sich ein Hase fühlen muss, wenn der Vogel von oben kommt", sagt er.

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