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Alpen
Alpen zeigt "Verbotene Liebe in Kabul"

Alpen. Ratsaal wurde zum Kinofilm umfunktioniert. Mehr als 100 Leute wollten den Film des Syrers Sayed Omid Sami sehen. Von Eva Karnaofsky

Der Ratssaal, zum Kino umfunktioniert, platzte aus allen Nähten. Mehr als hundert Menschen waren gekommen, um "Verbotene Liebe" zu sehen. Veranstalter Patrick Depuhl von der Flüchtlingshilfe Alpen war überrascht über den Andrang. Doch eigentlich hätte er damit rechnen müssen - schließlich lebt Sayed Omid Sami, Hauptdarsteller, Drehbuchautor und Produzent des Spielfilms, seit eineinhalb Jahren in Alpen und hatte damit sozusagen ein Heimspiel. Der Film war der Grund dafür, dass er damals aus seiner Heimat Afghanistan hatte fliehen müssen.

Auf den ersten Blick ist "Verbotene Liebe" ein trauriger Liebesfilm. Der junge Bankangestellte und Moslem Samir, verkörpert von Sayed Omid Sami, verliebt sich in die Schülerin Simran, eine junge Hindu aus Indien. Und das geht gar nicht im heutigen Kabul. Die beiden sind trotzdem entschlossen, sich über die religiösen Schranken hinwegzusetzen. Doch sie haben die Rechnung ohne Simrans Familie gemacht. Einen Moslem zu ehelichen, wäre eine Schande.

Also beschließt der Vater kurzerhand, nach Indien zurückzukehren, um Simran mit einem Vetter zu verheiraten. Simran entzieht sich der Zwangsheirat - durch Selbstmord. Eigentlich, so Drehbuchautor Sayed Omid Sami in der anschließenden Diskussion mit dem Publikum, hatte er sich ein glückliches Ende für die beiden erdacht, weil er die religiösen Schranken und Vorurteile durchbrechen wollte. Doch er wollte kein Verbot des Films riskieren, und so entschied er sich für ein tragisches Finale.

Kaum war der Film in einer nichtöffentlichen Vorführung für Filmschaffende in Kabul gezeigt worden, bekam Sayed trotzdem so viele Drohungen, dass er aus Angst um sein Leben sein Land verließ. Die Liebesgeschichte bricht zwar Tabus, doch der zweite Handlungsstrang des Films ist noch um einiges brisanter, und da wundert es fast nicht, dass einflussreiche Kreise des Landes den Drehbuchautor und Produzenten am liebsten mundtot gemacht hätten. Sayed Omid Sami zeigt nämlich Afghanistan als ein durch und durch korruptes Land, in dem die Bürger hilflos krimineller Gewalt ausgesetzt sind.

Die Polizei steht auf der Gehaltsliste einer steinreichen Drogenmafia, die obendrein bis zum Hals im Waffenhandel steckt. Der Mob, im Film großartig dargestellt durch den nicht sonderlich intelligenten Sohn eines solchen Mafiabosses und dessen Gang, regiert in Kabul. Auch Samir wird zufällig Opfer der Bande, die in einem Einkaufszentrum aus Lust an der Gewalt wahllos Menschen angreift.

Als Samirs Arbeitskollege Ramesh sich dann noch mit der Gang zusammentut, weil er auf Samirs Posten spekuliert, landet Samir schließlich im Gefängnis und wird wegen eines Mordes angeklagt, den er nicht begangen hat. Ihm gelingt es zwar, aus dem Gefängnis auszubrechen, er wird aber von der Mafiagang erwischt und erstochen. Das Böse hat gesiegt und kommt straflos davon. Das mögen Politik, Justiz und Polizei des Landes wohl kaum gern hören.

Die Alpener aber geizten nicht mit Applaus für "Verbotene Liebe". Sayed Omid Sami war sichtlich gerührt. Und bat seinerseits um Applaus - für die Alpener Flüchtlingshilfe sowie für die Bürger, die sie mit Spenden unterstützen. In inzwischen fließendem Deutsch schilderte der junge Filmemacher, wie schwierig es ist, ein Flüchtling zu sein. "Du verlierst alles, was du hast, und kommst in eine neue Welt.

Manche hassen dich, manche haben Angst. Aber viele fragen auch: "Wie kann ich dir helfen?" Nun hofft er darauf, dass "Verbotene Liebe" auch in anderen Gemeinden Zuschauer findet.

Quelle: RP
 
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