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Alpen
Alpener vergeht sich an Patientinnen in Pflegeheim

Alpen. Der Angeklagte (68) räumt die Vorgänge größtenteils ein, gibt ab an, er habe "nur kuscheln" wollen. Er ist laut Gutachten vermindert schuldfähig.

Ein Mann aus Alpen soll versucht haben, sich in Pflegeheimen an wehrlosen Frauen zu vergehen. Seit gestern muss sich der Mann wegen versuchten schweren sexuellen Missbrauchs vor Gericht verantworten.

Der 68-Jährige, der den Gerichtssaal mit unsicheren Schritten betritt, ist an Parkinson erkrankt. Zum Teil kann man das, was er sagen will, kaum verstehen. Immer wieder wippt er mit dem Oberkörper vor und zurück. Er selber lebt seit einigen Jahren in Pflegeheimen, dort lebten auch die mutmaßlichen Opfer. In drei Fällen soll er versucht haben, Frauen in ihren Zimmern zu vergewaltigen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm drei Taten in Kamp-Lintfort und Alpen vor. Die Frauen waren jeweils bettlägerig und schwerstkrank. In einem Fall lag eine Patienten sogar im Wachkoma. Durch Kontrollgänge von Mitarbeitern konnte er gestoppt werden. Gestern sagten mehrere Zeugen aus. Ein Kriminalbeamter berichtete aus den Ermittlungen in Kamp-Lintfort, dass der Mann laut Zeugenaussagen über der Patientin kniet. Die Pflegerin einer Einrichtung in Alpen erzählte, dass sie im April 2014 eine demenzkranke Patientin suchte, um ihr beim Umziehen zu helfen. Die Frau entdeckte sie auf dem Bett, der Angeklagte habe vor ihr gestanden und sie zu sich gezogen. Es handele sich um eine Patientin, die gar nicht in der Lage war, die Situation einzuschätzen oder sich zu wehren. Eine weitere Altenpflegerin schilderte, dass sie beim nächtlichen Kontrollgang in Alpen im April den nur mit einer Unterhose bekleideten Mann im Zimmer einer hilflosen Patientin entdeckt habe. Sie sei entsetzt gewesen und habe ihn sofort hinausgeschickt. Die Schwestern riefen dann die Polizei.

"Das meiste ist richtig", räumte der Angeklagte ein. Allerdings habe er "nur kuscheln" wollen. Zum Fall in Kamp-Lintfort führte er weiter aus: "Ich hab ihr nicht wehgetan, nur gestreichelt." Er habe in keinem Fall den Eindruck gehabt, dass die Frauen abgeneigt waren. Trotzdem habe er ein schlechtes Gewissen gehabt und wisse, dass das nicht ganz richtig war. Als Ursache für sein Verhalten gab der 68-Jährige an, dass er seine Triebe aufgrund der Medikamente nicht richtig steuern könne. Das bestätigten beide Sachverständige in ihren umfangreichen Gutachten. Das Mittel, mit dem der Mann behandelt werde, setzte Kontrollfunktionen außer Kraft.

Allerdings gebe es keine anderen Medikamente, mit denen seine Krankheit behandelt werden könne. Einer der Gutachter bestätigte, dass der Mann vermindert schuldfähig ist. Er sehe eine Möglichkeit darin, neben Medikamenten auch triebhemmende Mittel einzusetzen.

Der Alpener ist vorbestraft, weil er eine Autofahrerin mit einem Messer bedroht hatte.

(BL)