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Alpen
Alpener will nächsten Rekord knacken

Alpen: Alpener will nächsten Rekord knacken
Klaus Peter Beier lässt auch andere jubeln. Elisa Hemmers, Leiterin des Kindergartens St. Michael in Menzelen, freute sich über die Kugelbahnteile. Beiers Tochter Nadja hat als Praktikantin mit den Kindern damit gespielt. FOTO: Beier
Alpen. Klaus Peter Beier will innerhalb von 24 Stunden die längste Papierkette der Welt tackern und damit ins Guinnessbuch. Von Bernfried Paus

Höher, schneller, weiter - Weltrekorde sind höchst selten für die Ewigkeit. Auch nicht, wenn sie als Eintrag im Guinnessbuch der Rekorde festgehalten sind. Da dienen sie dem Rekordhalter als Beleg und zur Verklärung der Erinnerung an einzigartige Leistungen. Anderen ist die Bestmarke stete Herausforderung und so starker Antrieb, es noch besser zu machen. Klaus Peter Beier (47) aus Alpen hat bereits mehrere Bestmarken aufgestellt und damit Schlagzeilen produziert. Die längste Kugelbahn der Welt hat der Industriemechaniker gleich drei Mal montiert und die Kugel mehr als einen Kilometer weit rollen lassen.

Zuletzt war er auf Papier umgestiegen. Sein Mega-Faltboot ereilte nach dem gelungenen Rekordversuch aber ein eher betrübliches Schicksal. Der Ruhm verging schnell. Das Boot landete vergessen im Altpapier. Jetzt unternimmt der Rekordjäger einen neuen Anlauf. Wieder ist Papier der Rohstoff, der ihm einen weiteren Eintrag ins Guinnessbuch bescheren soll. Doch der 47-Jährige musste zunächst erfahren, dass die Regeln der Briten verdammt streng sind.

Dabei hatte Klaus Peter Beier innerlich schon gejubelt. Denn er hatte da schon mal was vorbereitet. So sollte die längste Papierkette der Welt, wie man sie vom selbstgebastelten Weihnachtsschmuck aus Kindertagen kennt und die er am 9. und 10. April im Wissenschaftszentrum Phänomenta in Lüdenscheid präsentieren will, nur noch reine Formsache sein. Doch der ehrgeizige Alpener hatte die Rechnung ohne die Guinness-Redaktion gemacht.

Reset. Nun steht alles wieder auf neu. Die Zuversicht des unerschrockenen Weltrekordsammlers ist ungebrochen: "Wir schaffen das." Unterstützt wird er von seinem Arbeitskollegen Henning Hügen aus Rheinberg.

Nachdem er den Antrag auf den Rekordversuch an die Guinness-Verantwortlichen abgeschickt hatte, hat er knapp 16 000 bunte Papierstreifen zu ineinandergreifenden Ringen getackert. Die Maße der Streifen hat er im Kopf: 22 Zentimer lang, 2,5 Zentimeter breit - Durchmesser 6,4 Zentimeter. Machen fast einen Kilometer Kette, deutlich länger als die aktuelle Rekordhalterin, die in den USA auf eine Länge von 779 Meter zusammengetackert worden ist. 900 Meter hatte Beier schon in Kartons bereitliegen. Als ihm aber nun nach vielen Wochen die Regeln des Rekordversuchs zugeschickt wurden, machte er ein langes Gesicht. Beier "was not amused".

Die Weltrekord-Kette muss binnen 24 Stunden zusammengetackert werden, die einzelnen Streifen mehr als doppelt so lang sein wie sie Beier bislang verwendet hatte. Der mehrfache Weltrekordler hat Alternativen überlegt, wie er trotzdem ein spektakuläres Ketten-Event hinkriegt. Doch letztlich hat er sich dazu entschlossen, seine Vorbereitung als Lektion "Übung macht den Meister" abzuhaken und sich den strengen Regeln der Guinnessbuch-Redaktion zu unterwerfen.

Der Alpener lässt sich so leicht nicht entmutigen: "Das bin ich schon denjenigen schuldig, die von meinen Aktionen profitieren sollen". Seine Rekordversuche sind immer als Benefiz-Show angelegt. Das Science Center Phänomenta in Lüdenscheid kümmert sich darum, dass während des Aufbaus der Kette in seinem Altbau, Spenden für das Zentrum für jugendliche Diabetiker zusammenkommen, das dringend einen neuen Bus benötigt.

Mit seinem Papier-Sponsor hat der Rekordmann eine Einigung erzielt. Der rüstet ihn für den Weltrekordversuch mit 4,5 x 46 cm langen Papierstreifen aus, die zu fast 7000 Kettengliedern - Durchmesser 14,1 Zentimeter - zusammengetacket werden müssen, ehe die Zeiger zwei Mal rum sind ums Ziffernblatt. Es muss am Ende genug Zeit bleiben, das papierne, 980 Meter lange Monstrum im Technikmuseum auszustellen. In einem großen Raum, das schreibt der Brandschutz vor. Klaus Peter Beier ist top-top-top-zuversichtlich, dass er es wie mit der Kugel auch mit der Kette ins Buch der Rekorde schafft. Ihm zur Ehre und der guten Sachen zum Gewinn - die 58 Kinder im Diabetiker-Zentrum drücken ihm die Daumen.

Freuen kann sich schon der Kindergarten St. Michael in Menzelen. "Coasterman", so nennt sich der Rekordjäger Beier, hatte nach einer Präsentation bei der jüngsten Audi-Sparknight in Berlin noch eine große Kiste mit Kugelbahnteilen der Firma Hubelino im Wert von 500 Euro übrig. Damit haben die Kinder in Menzelen nun ihren großen Spaß und lernen ganz spielerisch noch etwas über Antrieb und Haftung. Das ist doch was.

Quelle: RP
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