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Alpen
Alpens schickes neues Feuerwehrhaus

Alpen: Alpens schickes neues Feuerwehrhaus
Präsentieren das Modell für das neue Gerätehaus (von rechts): die Architekten Bettina Kempen und Martin Kleinheyer, Gemeindebrandinspektor Michael Hartjes und Fachbereichsleiter Walter Adams FOTO: Armin Fischer
Alpen. Entwurf des Architektur-Büros Kempen/Kleinheyer will auch ästhetisch überzeugen als "gemauerte Wertschätzung". Von Bernfried Paus

Das Modell lässt eine Kunsthalle vermuten oder ein futuristisches Kongresszentrum. Die Fotografien aus unterschiedlichen Perspektiven unterstreichen den ersten Eindruck. Doch der geht in eine völlig falsche Richtung. Er handelt sich bei dem vieleckigen Gebäudekomplex um den Entwurf für das neue Feuerwehrgerätehaus, das für 4,8 Millionen Euro an der Ecke von-Dornik-/Burgstraße entstehen und Mitte 2018 seiner Bestimmung übergeben werden soll.

Obwohl es sich bislang nur um das vorläufige, farblos "abstrahierende Modell" handelt, das noch keine Aussage über die beim Bau verwendeten Materialien macht, hat es im Rathaus und vor allem bei der Feuerwehr selbst schon Begeisterung ausgelöst. Dabei bricht der Entwurf aus dem Architekturbüro von Bettina Kempen und Martin Kleinheyer (Krefeld) jede konventionelle Vorstellung von einem Feuerwehrgerätehaus - das in der Regel eher schmucklos, allein an der Funktionalität ausgerichtet ist.

Vieleckiger Bruch mit der Konvention: Der Sozialtrakt "legt" sich über die Fahrzeughalle. Dritter Baukörper ist der rund 15 Meter hohe Übungsturm. FOTO: Kempen/Kleinheyer

Das allein war und ist dem Architekten-Ehepaar schlichtweg zu wenig. Die beiden wollen eine Formsprache finden, die die Menschen, für die sie planen, in den Mittelpunkt, ja in den Blickpunkt rückt. Dabei, so unterstreicht Bettina Kempen, "muss Architektur funktionieren". Aber: "Funktionalität und Ästhetik schließen sich nicht aus." Und sie sagt es noch mal mit den Worten des großen Baumeisters Walter Gropius: "Gestalten heißt: In Fesseln tanzen."

So weit zum theoretischen Überbau. Wozu das am Ende führen kann, haben sich die seit zwei Jahren in Alpen mit dem Projekt betrauten Akteure in Krefeld-Hüls angeschaut, wo die beiden Architekten sich für die Feuerwehr "ausgetanzt" haben. Das Haus hat mächtig Eindruck gemacht. "Da hat's gefunkt", sagt Walter Adams, Cheftechniker im Rathaus. Aus drei Gründen: Das Haus ist super chic, es entspricht dem Stand der Technik und es kostet nicht mehr als die übliche Zigarrenkiste mit Rolltoren.

Das all das auch in Alpen gelingt, daran lässt der Entwurf wenig Zweifel. Den Planansatz für Alpen bringt die Architektin so auf den Punkt: "Es geht um gemauerte Wertschätzung fürs Ehrenamt, für diejenigen, die hier für Sicherheit sorgen." Das dreisteilige, teils ineinander verschränkte Haus soll nicht "l'art pour l'art", sondern "eindeutig Feuerwehr" sein, deren Tugenden abbilden, einen "eigenen Charakter" zu erkennen geben, sich von der Umgebung abheben - kurzum ein "Lichtblick sein, der Mut macht und einlädt zum Mitmachen".

Die ambitionierte Architektensprache soll keineswegs zu Lasten des Steuerzahlers gehen. "Clevere Lösungen" sollen die Ressourcen schonen - finanziell und auch klimatisch. Klar.

Schon zum jetzigen Zeitpunkt, da die ersten Planungsaufträge auf dem Weg und der Bauantrag in Vorbereitung sind, scheint die Rechnung aufzugehen. "Unsere Leute freuen sich riesig", sagt Alpens Feuerwehrchef Michael Hartjes. Der Gemeindebrandinspektor ist überzeugt, dass es das moderne Haus leichter machen wird, junge Menschen für den traditionellen Dienst am Nächsten zu gewinnen.

Gewonnen hat sie Gemeinde allein durch die Anordnung der beiden Hauptgebäude, wobei sich der zweigeschossige Sozialtrakt schräg auf den Ausläufer der Fahrzeughalle (neun Fahrzeuge, ein Waschplatz) legt. So sind mehr als 400 m2 Fläche frei geworden, die nun anders überplant werden können. Zum Ensemble gesellt sich als Solist ein rund 15 Meter hoher Turm, an dem Rettungseinsätze in Höhenlagen geübt werden können.

Und der große Schulungsraum im Obergeschoss bekommt im Vorbau eine ausladende Dachterrasse. Das steigert die Aufenthaltsqualität. Sicher. Nichts ist Selbstzweck. Auch nicht der Fitnessraum. Der stählt gezielt für den Einsatz mit schwerem Atemschutzgerät, für dessen Wartung eine eigene Werkstatt vorgesehen ist.

Trotz alledem stehe der Aspekt Sicherheit als Profit für alle Bürger ganz oben auf der Anforderungsliste, betont auch Gemeindebrandinspektor Michael Hartjes. Durch "optimale Abläufe" vom Eintreffen der Kräfte bis zum Ausrücken in zentraler Lage in unmittelbarer Nachbarschaft zu den großen Firmen Lemken und IMI sei die Feuerwehr schneller da, wo's brennt.

Weil die Kapazität da sei, könnten auch Wehrleute aus den Löschzügen in Veen oder Menzelen, die nebenan arbeiten würden, im Alarmfall von hier ausrücken. "Das hilft uns bei der Erfüllung der Norm für die Tagespräsenz enorm", sagt Hartjes. "Das neue Haus erhöht unsere Schlagkraft spürbar und erfüllt die heutigen Anforderungen an den Feuerwehrdienst zu 95 Prozent." Das lässt die ehrgeizige Architektin nicht ruhen: "Die restlichen fünf Prozent schaffen wir auch noch."

Quelle: RP
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