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Rheinberg
Als St. Michaelis 500 Brüder hatte

Rheinberg: Als St. Michaelis 500 Brüder hatte
Werner Kehrmann, Bürgermeister Frank Tatzel, Sabine Sweetsir, König Meik D'Angelo und Brudermeister Heinz Terschlüsen mit den Protokollbüchern FOTO: Fischer
Rheinberg. Brudermeister Heinz Terschlüsen und König Meik D'Angelo überreichen zwei alte Protokollbücher und zwei Rechnungsbücher an Stadtarchivarin Sabine Sweetsir. Von Peter Gottschlich

"Verhandelt zu Rheinberg im Stammquartir der St. Michaeli-Bruderschaft am zweiten October 1874. Nach uralter Sitte versammelten sich der Vorstand und Mitglieder gegen 5 Uhr im Stammquartir zur Wahl." So beginnt das handschriftliche Protokoll der Rheinberger St.-Michaelis-Schützenbruderschaft von 1874. Darin sind neben Wahlen wichtige Ereignisse der Bruderschaft festgehalten, zum Beispiel Schützenfeste. Jetzt überreichten Brudermeister Heinz Terschlüsen sowie Oberst und König Meik D'Angelo dieses Protokollbuch an Stadtarchivarin Sabine Sweetsir.

Außerdem übergaben die Schützenbrüder, die von Bürgermeister Frank Tatzel begleitet wurden, ihr ein Protokollbuch aus der gleichen Zeit. In dem sind Protokolle handschriftlich kopiert, die ab 1772 verfasst wurden. Ferner händigten sie zwei Rechnungsbücher aus, die 1859 und 1876 beginnen, sowie eine Mappe mit Statuten.

"Bislang lagen diese Dokumente im Waffenraum im Schießkeller, den wir im Kindergarten St. Peter haben", erzählte Heinz Terschlüsen bei der Übergabe. "Als es dort zu einem Wasserschaden kam, haben wir gesagt, sie müssen dringend einen anderen Platz finden. Dieses Lokalkolorit darf nicht verloren gehen." Über den Stadtführer Werner Kehrmann knüpfte der Brudermeister den Kontakt zur Stadtarchivarin. Sabine Sweetsir freute sich über die Dokumente, die sie gleich unter Augenschein nahm. "Darin ist immer von Brüdern und Schwestern die Rede", erzählte sie, was ihr beim ersten Durchblättern aufgefallen war. "Im 19. Jahrhundert war das ganz normal. Dabei konnten die Schwestern nicht König werden", sagte die Archivarin. Damit Interessierte die Dokumente nutzen können, will sie sie über einen Buchscanner, der sich im Stadtarchiv in der Kellnerei befindet, einlesen lassen. Sie sind in Kurrentschrift geschrieben, aus der 1911 die Sütterlinschrift entwickelt worden ist.

In den Rechnungsbüchern befinden sich für die einzelnen Jahre auch Mitgliedslisten, in denen die Mitglieder nach ihrem Eintrittszeitpunkt geordnet sind, der aber nicht genannt ist. Zusätzlich ist der Ort aufgeführt, in dem sie leben, neben Rheinberg zum Beispiel in Walsum, Budberg oder Rossenray. "Eine Adresse ist aber nicht vermerkt", berichtete Werner Kehrmann: "Dadurch lassen sich Familien nicht bestimmten Häusern zuordnen."

Von diesen Mitgliedern hatte die St.-Michaelis-Bruderschaft vor 150 Jahren über 500. "Heute haben wir noch 180", blickte Meik D'Angelo auf die Hochphase der Bruderschaft von 1427 zurück, die mit dem Ersten Weltkrieg endete. "Nachdem dieser Krieg begonnen hatte, finden sich im Rechnungsbuch kaum noch Eintragungen, weil es kaum noch Aktivitäten gab", erzählte Sabine Sweetsir. "Die wenigen Eintragungen sind mit roter Tinte geschrieben."

In den 1920er Jahren wurde die Bruderschaft wieder aktiver, bis sie 1933 mit dem Nationalsozialismus ihre Aktivitäten einstellen musste. Kurz davor endet das Protokollbuch, das jetzt im Stadtarchiv eine dauerhafte Bleibe gefunden hat.

Quelle: RP
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