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Rheinberg
Am Montag kommen die Flüchtlinge

Rheinberg: Am Montag kommen die Flüchtlinge
Jede Menge Stühle und Spinde: Erst gestern wurde wieder neues Einrichtungsmaterial angeliefert. FOTO: Ostermann, Olaf (oo)
Rheinberg. Erst Krankenhaus, dann Reha-Klinik, künftig Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) für bis zu 500 Menschen: Im früheren St.-Marien-Hospital in Orsoy wird noch kräftig gearbeitet. 40 Zimmer sind schon weitgehend hergerichtet. Von Uwe Plien

Es ist so wie auf jeder Baustelle. Es sieht chaotisch aus, und man kann sich nicht wirklich vorstellen, dass die Arbeiten im ehemaligen St.-Marien-Hospital in Orsoy bis Sonntag fertig werden. Louis Lemberg, Geschäftsführer der Lemkor Facilities GmbH und Sohn des neuen Eigentümers Jörg Richard Lemberg, sieht jedoch keine Veranlassung, pessimistisch zu sein: "Das schaffen wir", sagt der junge Mann zuversichtlich. Tatsächlich legen sich die 20 Handwerker im Haus voll ins Zeug. In einem Raum werden die Wände gestrichen, in einem anderen werden die gerade erst angelieferten Matratzen auf die Etagenbetten gepackt, von denen mal zwei, mal drei in einem Raum stehen.

Rund 40 Zimmer - alle mit Badezimmern ausgestattet - werden im alten Krankenhaus nach und nach eingerichtet. Erst gestern rollte wieder ein 40-Tonner mit Stühlen und Spinden vor. Sogar Fernseher bekommen die Menschen, die bald aus Syrien, aus dem Irak und aus afrikanischen Ländern für zwei, drei Wochen nach Orsoy kommen. "Wir wissen nicht, wie viele Flüchtlinge am Montag kommen. Wir haben zunächst Platz für 200 Menschen", so Lemberg. Weitere 300 sollen später ins frühere Schwesternheim einquartiert werden. Das muss allerdings erst noch renoviert werden. Das wird bis Anfang nächsten Jahres dauern.

So sehen die Zäune rund um das Gebäude aus. FOTO: Ostermann, Olaf (oo)

"Wir haben teilweise noch Wände eingezogen und die Räume anders zugeschnitten", erzählt Louis Lemberg beim Rundgang durchs Haus. Dabei ist auch zu erfahren, dass jetzt mit Hochdruck daran gearbeitet wird, die Funktionsräume fertig zu bekommen. Die Küche werde erst Ende des Jahres soweit sein, während die Büros für die Mitarbeiter der Bezirksregierung (das Land ist Träger der Einrichtung) und des DRK-Landesverbandes Nordrhein (die Rot-Kreuzler betreuen die Bewohner) rasch mit Computern, Internet und Telefonanlagen ausgestattet werden müssen.

Louis Lemberg ist vom guten Zustand des Marien-Hospitals begeistert. Besser hätte man es kaum antreffen können, sagt er - auch wegen der Struktur der Gebäude mit dem großen, rundlichen Mittelbau, der als Speisesaal für bis zu 165 Menschen dienen wird. Froh ist er, dass die medizinische Abteilung inklusive Röntgen-Technik in einem Top-Zustand erhalten ist. Zwei- bis dreimal pro Woche wird ein Arzt im Haus sein und die medizinische Versorgung der Flüchtlinge sicherstellen. Sogar eine Isolierstation gibt es im Haus, so dass nicht gleich das komplette Haus unter Quarantäne gestellt werden muss, wenn es Bewohner mit ansteckenden Krankheiten geben sollte. Eine Überbelegung des Hauses werde es mit der Investorengesellschaft IPG (die ebenfalls zur Lemberg-Gruppe gehört) nicht geben, so der Lemkor-Chef: "Die Menschen sollen hier vernünftig leben, das ist uns wichtig. Deshalb gibt es auch einen Billardraum, eine Kinderbetreuung, und es werden Deutschkurse angeboten." Und: Eine ZUE sei kein Gefängnis - darauf legen alle Beteiligten großen Wert. Es handelt sich nicht um Kriminelle, deshalb können sie die Einrichtung auch verlassen. Damit man aber einen Überblick darüber hat, wer sich innerhalb und wer sich außerhalb der Gebäude aufhält, gibt es einen Wachdienst und Kontrollen. Dazu wird jeder Bewohner mit einer "Büma" ausgestattet. "Büma" steht für Bescheinigung über die Meldung als Asylsuchender mit einem Strichcode für alle relevanten Daten.

Wer gedacht hatte, das Krankenhaus würde hoch und undurchsichtig eingezäunt, sieht sich getäuscht. Tatsächlich nimmt man den 2,05 Meter hohen Stabzaun auf den ersten Blick kaum wahr. Am Montag sollen nun die ersten Flüchtlinge kommen. Wann genau das sein wird, steht noch nicht fest. "Das erfahren wir erst kurzfristig", sagt Einrichtungsleiter Iurie Chiriacov vom Deutschen Roten Kreuz.

Mateusz Paradiuk stellt einen Spind in einem der Wohnräume im alten Krankenhaus auf. Die Menschen werden in Etagenbetten schlafen, zu den Räumen gehören Badezimmer und auch ein Fernseher. FOTO: Olaf ostermann
Quelle: RP
 
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