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Rheinberg
Amazon verteidigt Boni für gesunde Mitarbeiter

Rheinberg: Amazon verteidigt Boni für gesunde Mitarbeiter
FOTO: Marcus Schlaf
Rheinberg. Die Gewerkschaft Verdi ruft vor Ostern wieder zu Arbeitsniederlegungen auf. Am Standort Rheinberg beteiligen sich im Schnitt 20 Prozent der knapp 2000 Mitarbeiter, sagt Standortleiter Karsten Frost. Von Uwe Plien

Wirklich überraschend kommen die Streik-Ankündigungen von Verdi nicht mehr. Schon seit Jahren setzt sich die Gewerkschaft beharrlich für die Einführung eines Tarifvertrags beim weltgrößten Online-Versandhändler Amazon ein. Immer dann, wenn das Geschäft anzieht, ruft Verdi zu Arbeitsniederlegungen auf. Stets vor Weihnachten und nun auch wieder vor Ostern. Denn auch zu Ostern stellt Amazon einen Anstieg der Bestellungen fest.

"Die Beschäftigten setzen die Streiks in dieser Härte fort, weil sie und ihre Anliegen von Amazon nicht respektiert werden", so die Landesfachbereichsleiterin für den Handel in Nordrhein-Westfalen, Silke Zimmer. "Anders kann man die starre Haltung des Unternehmens nicht interpretieren. Über eine Anerkennung des Tarifvertrags des Einzelhandels will dieser Global Player noch nicht einmal verhandeln. Amazon verweigert generell Gespräche mit Gewerkschaften und will keine Tarifverträge unterschreiben. Das ist für uns kein hinnehmbar Umgang mit den Beschäftigten", erklärt Zimmer.

Um Punkt 12 Uhr kam das Signal zum Streiken auch im Rheinberger Logistikzentrum. Nicht wenige der rund 2000 Beschäftigen verlassen ihre Arbeitsplätze, plötzlich sieht es an den Fließbändern und zwischen den Regalen verwaist aus. Im Schnitt beteilige sich ein Fünftel der Belegschaft an den Streiks, sagt Standortleiter Karsten Frost. Am Montag seien es 450 gewesen. "Aber wie Sie sehen, läuft der Betrieb ganz unaufgeregt weiter", so Frost beim Rundgang mit der RP. "Unsere Arbeitsfähigkeit wird dadurch nicht beeinträchtigt. Vor allem bedeutet Streik keine Mehrbelastung für die Kollegen, die sich nicht daran beteiligen."

Frost sieht keinerlei Annäherung zwischen dem Unternehmen und der Gewerkschaft: "Da bewegt sich nichts." Amazon werde immer wieder bestätigt, dass das Unternehmen auch ohne einen Tarifvertrag gute Arbeitsbedingungen biete. Immerhin liege der Stundenlohn für Einsteiger knapp einen Euro über dem derzeitigen, gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn von 8,84 Euro.

Verdi kritisiert auch das von Amazon eingeführte Bonus-System für Mitarbeiter, die nicht krankheitsbedingt fehlen (wir berichteten). "Das sind keine Lösungen zur Gesunderhaltung der Beschäftigten, das macht sie eher noch kränker", sagt Verdi-Sprecherin Zimmer.

Karsten Frost sieht das anders. "Mich haben schon vor mehr als zehn Jahren Mitarbeiter angesprochen und die Einführung eines solchen Systems vorgeschlagen. Mit der Zielrichtung, dass die Gesunden belohnt und nicht die Kranken be-straft werden. Wer krank ist, soll sich erholen."

Ein Gruppenzwang sei nicht gegeben, betont auch Amazon-Pressesprecherin Antje Kurz-Möller. Ein Bonus beziehe sich zwar auf Gruppen (zu denen wegen der Ausgeglichenheit auch Verwaltungsmitarbeiter gehören), doch seien die bei Amazon um die 100 Frauen oder Männer stark, so dass sich finanzielle Nachteile nur selten einstellen. Eine bestimmte Krankenstandshöhe sei betriebsintern geregelt und mit dem Betriebsrat abgestimmt. Erst wenn dieser Satz überschritten werde, werden Gutschriften nicht ausgezahlt. Bewertet werden auch Qualität und Zuverlässigkeit.

Quelle: RP
 
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