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Rheinberg
Ana Popovic in Bestform

Rheinberg. Die serbische Bluesgitarristin begeistert im "Schwarzen Adler". Nach dem Konzert trinkt sie noch einen Tee mit den Zuschauern. Von Alexander Florié-Albrecht

Irgendwann zwischen den Songs fragte Ana Popovic in den proppvollen "Adler"-Saal: "How long have I been here?" Anschließend erinnerte sie sich selbst daran, dass sie ihr erstes Konzert mit Bernard Allison in Deutschland im "Adler" vor fünfzehn Jahren gespielt hatte und eine große Karriere begründete. "Feels like home" fügte sie leise hinzu.

Jahr für Jahr holt sich die serbische Blues-Ausnahmegitarristin Ana Popovic so um die Weihnachtszeit herum im "Schwarzen Adler" in Vierbaum dieses Heimatgefühl, sorgt immer wieder für ein volles Haus und begeisterte Fans.

Die konnten sich auch diesmal über die unprätentiöse Art freuen, wie die 40-Jährige auch nach dem Konzert entspannt Tee mit Honig trank, Autogramme gab und mit sich Fotos machen ließ.

Dem vorausgegangen war ein über zweistündiges Set, in dem sich die Musikerin mit ihrer Band - dem italienischen Keyboarder Michelle Papadia, dem niederländischen Bassisten Ronald Jonker und dem aus Paris stammenden Drummer Stéphane Avellaneda - vielleicht auf dem Höhepunkt ihres bisherigen Schaffens präsentierte.

Neben dem bereits bekannten Material wie "Can you stand the heat" oder "Rain fall down" aus ihren vorherigen Alben hatte sie auch einige Songs ihres neuen Werks "Trilogy" mit im Gepäck, in dem sie die verschiedenen Spielarten wie Rock, Blues, Funk und Jazz eindrucksvoll zusammenführt.

Und diese intensive Arbeit hat ihrem Sound und ihrem Spiel - das wurde zumindest an diesem Abend ersichtlich - hörbar noch Dynamik, Feuer, Expressivität, Spielfreude und Kontur verliehen. Ganz zu schweigen von dem immer stärker werdenden Gesang, mal bissig-kratzend, mal dezent-gefühlvoll.

Entsprechend variabel fiel die Palette ihrer durchweg sehr melodiösen Songs am Abend aus, meisterhaft-souverän von einer der bedeutendsten Gitarrenstimmen der Welt und ihren Mitstreitern hörbar gemacht.

Mit "Johnnie Ray" präsentierte sie klangmodern-zeitgemäßen Slow Blues, der dezente Rhythmik, einen spannenden Basslauf und das prägende, ungeheuer furiose Spiel von Popovic verband. "Waiting on you" geriet zum lässigen Swing, "Long road down" bot klangklaren, knackigen Funk-Groove, und die Zugabe "Train" über einen One-Night-Stand im Zug eine relaxed-melodische Soulpopnummer.

Und sie verbeugte sich musikalisch vor den großen Helden der Gitarrenwelt, mit denen sie mit ihrer Klasse schon in einem Atemzug genannt wird. Denn wer "Riviera Paradise" von Stevie Ray Vaughan solistisch mit so großer Verve und einer solchen Geschwindigkeit und das zupackende Jimmy-Hendrix-Stück "Can't you see me" mit so viel Feuer und Brillanz auf die Bühne bringt, der benötigt keine Vergleiche dieser Art mehr.

Quelle: RP
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