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Alpen
Aufrüsten gegen Einbrecher

Alpen: Aufrüsten gegen Einbrecher
Polizist Michael Kootz-Landers gibt Tipps, wie man sich gegen Wohnungseinbruch schützen kann. FOTO: Christoph Reichwein
Alpen. Die Mitarbeiter der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle wissen genau, wo es beim Einbruchschutz besonders hakt. Auf Wunsch kommen sie auch ins Haus. Besondere Schwachpunkte sind Fenster und Eingangstüren. Von Peter Kummer

Beim Gang zur Haustür registriert Michael Kootz-Landers schon erste wichtige Informationen: typisches Reihenhaus, jüngeres Baujahr, eine Hecke als Sichtschutz, Rollläden vor den Fenstern, Gegensprechanlage mit Video, Kellerlichtschächte mit Gittern. Der 49-Jährige ist Kriminalhauptkommissar. Normalerweise ist die Polizei in der Wohnung mit Ärger verbunden, oft mit einem Einbruch, mit Schrecken oder schlimmerem. Michael Kootz-Landers hingegen ist ein gern gesehener Gast, denn der Eigentümer hat ihn eingeladen, das Haus einem Sicherheitscheck zu unterziehen. Der Polizeibeamte gehört zum Bereich Kriminalprävention/Opferschutz in Wesel. Seine Dienststelle berät unentgeltlich, wie eine Immobilie am besten gegen Einbrüche geschützt werden kann.

"Wir sind hier in einem recht jungen Neubaugebiet", beginnt er seine Analyse. "Doch wir erleben immer wieder, dass auch bei diesen Häusern elementare Sicherheitsaspekte nicht beachtet wurden." Immerhin, die Haustür hat eine Mehrfachverriegelung. Schon mal ein Punkt für den Bauträger. Dann kommt der Abzug: Der Schließzylinder steht vor. "Nicht gut", urteilt der Fachmann. "Er sollte möglichst bündig und durch eine Schutzrosette gesichert sein." Denn der Schließzylinder kann schnell aufgebohrt, aufgebrochen oder herausgezogen werden. Und das Türblatt selbst sollte mindestens 30 Kilogramm wiegen. Schwachpunkte sind zudem Schließblech und Scharniere an der Zarge. Das lässt sich alles nachrüsten. Oder alternativ von innen einen Panzerquerriegel aufsetzen, der je nach Ausführung sogar von außen verschlossen werden kann. Hierfür wie auch für die anderen Investitionen gilt: "Wir raten immer dazu, geprüfte und zertifizierte Produkte zu nehmen."

Weitere Schwachpunkte in Wohnungen, stellt Kootz-Landers immer wieder fest, sind die Fenster. Mit einem großen Schraubendreher sind sie sekundenschnell und leise aufgehebelt. In diesem Haus allerdings würde ein Täter dank eines Pilzkopfbeschlages an allen vier Seiten auf Granit stoßen. "Für einen Bauträger sind sie oft in der Anschaffung eine Kleinigkeit." Trotzdem werden oft normale Rollzapfenbeschläge verarbeitet, die kein Hindernis darstellen. Ebenso wirksam ist eine Teleskopstange, die rechts und links in der Laibung fest verankert ist. Schon mal gut: abschließbare Fenstergriffe. Diese allein nutzen jedoch nur bei Angriffen auf die Verglasung.

Weiter bei der "Hausbesichtigung": In der unteren Führungsleiste der Terrassentür liegt eine Riegelstange. Sie verhindert, dass die Tür aufgeschoben werden kann. Ein normales Vierkantholz tut´s auch. Banal, aber effektiv. "Der Stock muss auf Spannung zugeschnitten sein. Um hier reinzukommen, müsste der Einbrecher schon die Scheibe einschlagen." Rollos hingegen stellen für einen Täter kaum ein Problem dar. Michael Kootz-Landers: "Sie können einfach aus der Führung herausgerissen werden." Dämmerungsgesteuert und in Verbindung mit einer Zeitschaltuhr für Lampen suggerieren Rollos zumindest, dass sich jemand im Haus aufhält und erschweren die Sicht in die Wohnung. Inzwischen gibt es auch kleine Geräte, die das Flimmern eines TV-Bildschirms vorgaukeln.

Zum Schluss der Rundgang durch den Garten. Zaun oder Hecke schützen zwar die Privatsphäre der Bewohner, aber eben auch das Vorgehen eines Einbrechers. Weniger ist also mehr. "Keine Dauerbeleuchtung im Außenbereich", ergänzt der Kriminalhauptkommissar. "Bewegungsmelder sind besser. Im Idealfall drei Meter oder höher, damit man sie nicht wegschlagen kann."

Obere Wohnungen in Mehrfamilienhäusern sind nur bedingt besser geschützt als die in Parterre. Irgendjemand wird schon die Haustür per Knopfdruck öffnen und so ungewollt den Täter hineinlassen. Oder er kommt von außen über den Balkon. Eine herumliegende Leiter, die Abfalltonne oder eine halbhohe Mauer zum Nachbargarten hin sind gerne genutzte Kletterhilfen.

Nach einer Stunde ist der Rundgang mit der Polizei durchs Haus vorbei. Einen 100-prozentigen Schutz gibt es nicht, aber man kann den Tätern das Leben schwer machen. Immerhin hat Michael Kootz-Landers noch eine gute Nachricht im Gepäck: Eine Reihe von Schutzmaßnahmen ab 500 Euro fördert der Staat mit einem zehnprozentigen Zuschuss, maximal 1500 Euro je Wohneinheit.

Info: Kriminalpolizeiliche Beratungsstelle, Schillstraße 46 in Wesel, Telefon: 0281 1074411.

Quelle: RP
 
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