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Rheinberg
Ausstiegshilfen für Gully-Opfer

Rheinberg: Ausstiegshilfen für Gully-Opfer
Großes FOTO: Gullys werden für Kröten schnell zum tödlichen Gefängnis.
Rheinberg. Dank einer Spende der Stiftung der Sparkasse Rheinberg hat die Ortsgruppe des Nabu Rheinberg eine Lösung für Amphibien in Budberg realisiert.

Die Rheinberger Nabu-Ortsgruppe freut sich über 30 neue Ausstiegshilfen: Sie sollen Kröten helfen, aus Gullys herauszuklettern, in die sie hineingefallen sind. Die Ausstiegshilfen wurden in Absprache mit dem Rheinberger Tiefbauamt gemeinsam mit der Werkstatt für psychisch erkrankte Menschen W8ZIG konstruiert, einer Einrichtung der Caritas Wohn- und Werkstätten Niederrhein. Es handelt sich um biegsame schmale Alublechstreifen mit grobem Kunststoffgewebe. Mit Hilfe der sogenannten Krallmatten können neben Amphibien auch andere Kleintiere das ganze Jahr über eigenständig aus Gully-Senken oder Schlammeimern der Mischwasserkanäle klettern. Mit dieser Konstruktion wird die Funktion der Kanalisation nicht beeinträchtigt.

Das Problem ist deutschlandweit bekannt, da sich die Wohnbebauung und die damit verbundene Kanalversorgung immer näher an Landschaftsschutzgebiete rücken. Diese Art der Ausstiegshilfe funktioniert in den Niederlanden und der Schweiz schon seit vielen Jahren.

Die Tiere orientieren sich bei ihren Wanderungen oft an den unüberwindbaren Bürgersteigkanten und fallen durch die breiten Gully-Öffnungen. Aus denen kommen sie ohne Hilfe nicht mehr heraus. Auf der Von-Büllingen-Straße nahe der Budberger Seen befinden sich auf nur 400 Metern 32 Gullys, aus denen in den vergangenen zehn Jahren immer mehr Tiere mühselig von Hand befreit werden mussten.

Im Zuge der Bürgersteigsanierung wurden neben der Absenkung von drei hohen Bordsteinkanten auch sechs neue Senkenaufsätze mit schmalerer Schlitzweite im Hauptwanderbereich angebracht, die grundsätzlich das Hineinfallen von Kleintieren verhindern. Gefördert hat diese Maßnahme das Land NRW, die Stadt Rheinberg hatte dies beantragt. Die abgesenkten Bordsteinkanten bewirken zudem, dass nicht nur die Tiere ungehindert weiter ins freie Land laufen können; auch Spaziergänger mit Kinderwagen und Rollatoren können so leichter die Straße wechseln.

In diesem Jahr wanderten die geschlechtsreifen Amphibien aufgrund der anhaltend warmen Temperaturen in nur vier Wochen sehr zügig. Die 20 ehrenamtlichen Nabu-Helfer waren während der Wanderzeit seit Mitte März mehrmals abends und teilweise auch nachts für jeweils ein bis anderthalb Stunden unterwegs.

Die Vergleichszahlen von 1475 gezählten Erdkröten, davon 48 tote in vier Wochen, im Vergleich zum Vorjahr mit 1926 in sechs Wochen, deuten auf eine Stabilisierung der Population hin. Im Gegensatz zum Vorjahr waren in diesem Jahr sehr viele Weibchen und Paare unterwegs. Erstmals wurden neben den zahlreichen kleinen Teichmolchen auf der Rheinkamper Straße auch Bergmolche in den anderen Straßenabschnitten gefunden. Eine erfreuliche Entwicklung, deren Verlauf weiter beobachtet wird, gilt diese Art doch als gefährdet.

Auf der Von-Büllingen-Straße wandern die Tiere von den Wohnhäusern beziehungsweise dem Wäldchen aus in Richtung Laichgewässer. Auch dort zeigten in diesem Jahr die abgesenkten Borsteinkanten und die provisorisch eingesetzten Drahtmatten unterhalb der Gully-Öffnungen Erfolge. Die Zahl der gesammelten Tiere im Straßenabschnitt sank von 242 im vergangenen Jahr auf 103 in diesem Jahr.

Quelle: RP
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