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Rheinberg
Bäderplanung ganz ohne Scheuklappen

Rheinberg: Bäderplanung ganz ohne Scheuklappen
Das Solvay-Hallenbad ist ab morgen früh um 8 Uhr wieder geöffnet. FOTO: Christoph Reichwein (Archiv)
Rheinberg. Der Sportausschuss robbt sich mit einer unorthodoxen Methodik an eine Lösung für die Schwimmbäder heran. Dabei rückt das Finanzielle zunächst in den Hintergrund. Von Uwe Plien

Angelika Sand (CDU) und Jürgen Bartsch (Grüne) sind zwei altgediente, erfahrene Lokalpolitiker. Im Laufe ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit in Rheinberg haben sie eines verinnerlicht: Träume zu haben ist schön, aber am Ende geht es immer darum, sie auch bezahlen zu können. Bei der in aller Regel klammen finanziellen Lage der Kommunen zeigt sich meistens, dass rosarote Theorie schnell zu mausgrauer Realität wird.

Vielleicht taten sich Sand und Bartsch auch deswegen mit dem Vorgehen gestern Abend in der Sondersitzung des Sportausschusses schwer. Da ging es um das Bäderkonzept; speziell um die Frage, was aus Solvay-Hallenbad und Underberg-Freibad werden soll. Und bei diesem Konzept wird das Pferd ganz bewusst von der anderen Seite aufgezäumt. Die Ausschussvorsitzende Claudia von Parzotka-Lipinski (SPD) machte das mehrfach deutlich: "Wir dürfen nicht gleich alles beiseite schieben, weil das Geld fehlt. Wir sollen uns ganz bewusst keine Scheuklappen aufsetzen." Die CDU-Frau und der Grünen-Mann glaubten aber (ebenso wie FDP-Kollege Ralf Vogel übrigens), dass man die finanzielle Betrachtung nicht außen vor lassen könne.

Umdenken ist angesagt. Denn wer den Ausführungen Rainer Kuschs genau lauschte, verstand die Intention dieses Vorgehens. Kusch, ehemaliger Mitarbeiter des Landessportbundes, ist von der Stadt angeheuert, um das Bäderkonzept (und auch den Pakt des Sport) fachlich zu begleiten und zu entwickeln.

Dieser Prozess läuft schon eine ganze Weile und allmählich wird es konkret. Die zentrale Frage lautet "Wie viel Bad braucht Rheinberg?" Immerhin ist ein Punkt erreicht, an dem klar ist: Die Kleinschwimmhalle Borth ist raus aus der Diskussion, denn dort ist der Fortbestand durch die erfolgten Investitionen und die fürsorgliche Betreuung durch den Trägerverein "Wasserfreunde Rheinberg" gesichert. Was Solvay-Hallenbad und Underberg-Freibad angeht, ist zumindest eines klar: Niemand will auch nur eines der Bäder schließen. Ebenso klar ist aber auch: In beide Einrichtungen muss dringend investiert werden.

Rainer Kusch hat ein Thesenpapier zu Leitlinien weiterentwickelt. Und Bestandteil dieser Leitlinien sind verschiedene Szenarien, die nun behandelt werden müssen. Ein Szenario sieht vor, das Hallenbad technisch aufzumöbeln und bedarfsgerecht auszubauen. Analog dazu gibt es ein zweites für das Freibad. Ein drittes Szenario sieht ein Kombi-Bad vor, möglicherweise der Bau eines neuen Hallenbades am Freibad. Das wäre - so gab Bürgermeister Frank Tatzel die Einschätzung seines Technischen Beigeordneten Dieter Paus weiter - trotz des mit Denkmalschutz belegten Bades im Stadtpark nicht ausgeschlossen. Überlegt werden muss nun, welche Lösung welche Vor- und welche Nachteile bringt. Die Politik muss nun handeln wie eine Familie, die ein neues Auto kaufen will. Erst überlegen, was man möchte. Dann schauen, was man braucht. Dann gucken, was es gibt und was es kostet. Zuletzt sehen, was bezahlbar ist und wo man Abstriche macht.

Die Fraktionen gehen nun noch einmal in sich, am 10. Oktober soll der Rat dann entscheiden, wie weiter verfahren wird.

Quelle: RP
 
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