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Alpen
Begegnung mit Flüchtlingen baut Ängste ab

Alpen: Begegnung mit Flüchtlingen baut Ängste ab
Kümmern sich um Flüchtlinge (v.l.): Pfarrer Helmut Grauten, Wolfgang Burgbacher, Astrid Kummer, Karl-Heinz Theberath, Hans Helmut Gammerschlag und Johannes Burchartz. FOTO: Olaf Ostermann
Alpen. Auf Einladung der Alpener Alten- und Rentnergemeinschaft beschäftigte sich mit der Situation der Flüchtlinge. Von Erwin Kohl

287 Flüchtlinge leben derzeit in 19 Alpener Unterkünften, Tendenz steigend. Fast ebenso viele engagierte Bürger kümmern sich mit Patenschaften, durch Spenden oder Sprachunterricht ehrenamtlich um die Neuankömmlinge. Um die aktuelle Lage zu erörtern und Wege zur Integration aufzuzeigen, hatte die Alpener Alten- und Rentnergemeinschaft (ARG) interessierte Bürger für gestern zu einem Referat mit dem Titel "Asylanten und Integration" ins katholische Pfarrheim an der Ulrichstraße eingeladen. Dass unter den rund 30 Besuchern überwiegend Senioren waren, kam dem ARG-Vorsitzenden Karl Heinz Theberath nicht ungelegen: "Ältere Menschen sind für uns die besten Multiplikatoren; sie geben unsere Philosophie und unsere Motivation an ihre Kinder und Enkelkinder weiter", sagte Theberath.

Ein primäres Ziel müsse es sein, Flüchtlingen die deutsche Sprache zu vermitteln, um sie möglichst schnell in den Arbeitsmarkt integrieren zu können, sagte Dr. Wolfgang Burgbacher vom Alpener Verein für Flüchtlingshilfe. Dass gesetzliche Rahmenbedingungen den Anliegen der vielen Helfer oftmals noch im Wege stehen, entmutigt Burgbacher nicht: "Egal, was die Politik macht, unser Ziel ist der menschliche und christliche Umgang mit den Flüchtlingen. Sie sollen sich bei uns in Alpen wohlfühlen."

Dass gerade ältere Menschen gewisse Berührungsängste beim Umgang mit Fremden zeigen, ist Burgbacher bekannt. Der Alpener wünscht sich, Räume wie das Pfarrheim künftig für gemeinsame Treffen zu nutzen: "Begegnung ist das beste Mittel, um Ängste abzubauen."

Astrid Kummer vom Caritasverband Moers/Xanten als hauptamtliche Koordinatorin der Flüchtlingshilfe für Alpen zuständig, berichtete aus dem täglichen Umgang mit Menschen, die nicht mehr haben, als die Kleidung an ihrem Leib: "Wenn wir wissen, morgen kommt eine Familie, suchen wir als erstes einen Paten und arrangieren am nächsten Tag ein Treffen", erklärte Astrid Kummer. "Dann versorgen wir die angekommene Familie mit dem Nötigsten. Zum Glück wird in Alpen sehr viel gespendet."

Eine dieser Paten ist die Familie Krause aus Menzelen-West. Monika Krause machte deutlich, welche Schicksale sich hinter den nackten Zahlen verbergen. "Wir haben einen jungen Mann, der gefoltert wurde und vor Schmerzen kaum laufen kann. Vor Kurzem hat er erfahren, dass seine Frau und seine Tochter bei einem Bombenangriff schwer verletzt wurden. Ein Vater von drei Kindern hat bei der Flucht seine Frau ertrinken sehen." Monika Krause: "Das sind Menschen, die unsere Hilfe brauchen."

In der anschließenden Diskussion wurde vor allem die Art mancher öffentlichen Berichterstattung gerügt, die darauf abziele, Vorurteile zu schüren. "Es gibt sehr viele positive Beispiele, die aber medial keine große Rolle spielen, erklärte Karl Julius. In Alpen herrsche insgesamt eine freundliche Atmosphäre. Das gelte auch für Rheinberg, Xanten und Sonsbeck", so Karl Julius weiter.

Einen Grund, weshalb die Integration von Flüchtlingen im ländlichen Raum besser funktioniert, sieht Karl Heinz Theberath in der Unterbringung in vielen kleinen Einheiten, die über den gesamten Ort verteilt sind. "Das vermeidet Ghettobildung und eingefahrene Strukturen. Wir müssen den Großstädten signalisieren: So kann es bessergehen."

Quelle: RP
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