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Rheinberg
Begegnung ohne Scheu oder Ressentiments

Rheinberg: Begegnung ohne Scheu oder Ressentiments
Das erlebt man als Rheinberger Jugendlicher auch nicht alle Tage: Volkstanz mit den polnischen Schülern beim Besuch in Kreisau. FOTO: Schule
Rheinberg. Rheinberger Schülergruppe besucht Jugendbegegnungsstätte in Kreisau. Freundschaften mit Ukrainern und Polen geschlossen. Von Sabine Hannemann

Die Schüler der Gruppe des Rheinberger Amplonius-Gymnasiums geraten ins Schwärmen, wenn sie an ihre Austausch-Begegnungen im niederschlesischen Kreisau denken. Dort, wo die Familie von Moltke 1998 in Sachen Völkerverständigung und Friedensarbeit ein Zeichen gesetzt hat. Der ehemalige Gutsbetrieb dient seither als Begegnungsstätte. "Die Schulung der interkulturellen Kompetenz" ist das erklärte pädagogische Ziel, das auch die Rheinberger Jugend zu erreichen wusste.

Bereits zum vierten Mal besuchte eine Schülerdelegation der Jahrgangsstufe 10 Kreisau, das gut 60 Kilometer von Breslau entfernt liegt. "Die Idee, die dahinter steckt, ist, Europa ein Gesicht zu geben", fassen Kathrin Schibon und Fatih Yangin, die begleitenden Lehrkräfte die Zielrichtung zusammen. Rheinberger Jugendliche begegnen Ukrainern und Polen ohne Scheu oder Ressentiments. Die Gastgeber bereiten Tanzvorführungen in traditionellen Trachten vor, sie verbringen gemeinsame Zeit miteinander.

Die Gespräche drehen sich um die Freizeit, den Alltag, das andere Schulsystem und ein junges europäisches Leben mit all den Chancen. Jugendliche verständigen sich mit Händen und Füßen und mit ein wenig Englisch, es klappt. Auch die neuen Medien machen die weitere Kontaktpflege möglich, wie Marie (15) berichtet. Sogar Freundschaften wurden geschlossen. "Wir schreiben uns über Facebook."

Polen von seiner touristischen Seite zu erfahren, ist für die jungen Rheinberger eine durchaus neue Erfahrung. Polen als Urlaubsort bleibt jedoch unbekannt. "Wir wissen sehr wenig über Polen und wie es dort aussieht", sagt Franziska (16). Breslau gehört zu den Ausflugszielen.

Die kleinen Zwerge aus Bronze sind bei den Jugendlichen sofort wieder präsent. Sie sind heute eine Touristenattraktion, erinnern aber an die Aktion "Orange Initiative" in den 80er Jahren. Gemeinsam hatte man gegen das kommunistische Regime in Zwergkostümen protestiert.

In den begleitenden Workshops wird für die Rheinberger deutsche Geschichte erlebbar und aufgearbeitet. Der deutsche Widerstand, der auch über die Familie von Moltke und dem sogenannten Kreisauer Kreis geleistet worden ist, wird eingehend thematisiert. Widerstand als Vermächtnis, die Intention der Internationalen Jugendbegegnungsstätte "Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung", so der offizielle Name, kommt bei der Jugend an.

Auch wenn das Kapitel deutscher Geschichte mit all den geschichtlichen Daten und Fakten aus dem letzten Jahrhundert stammt, die Woche der Begegnung und die interkulturellen Erfahrungen geben Rüstzeug und helfen, Ängste vor Fremden abzubauen und aus der deutschen Geschichte zu lernen, wie auch Paula (15) bestätigt.

Seit 1994 veranstaltet die Begegnungsstätte jährlich für etwa 5000 Jugendliche mehr als 100 mehrtägige Bildungsseminare, die unter den Leitmotiven Toleranz, Verständigung und Frieden stehen.

Quelle: RP
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