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Alpen
Beim Barte des Sankt Martin

Alpen: Beim Barte des Sankt Martin
Haben sich für den 90. Martinszug in Alpen etwas Besonderes einfallen lassen (v.l.): Hubert Giesen und Marita Cornelißen-Hendricks vom Martinskomitee und Kurt Verhülsdonk, der seit 31 Jahren als St. Martin aufs Pferd steigt. FOTO: A. Fischer
Alpen. Samstag zieht St. Martin zum 90. Mal durch Alpen. In den Tüten sind Brezeln statt Weckmänner - keiner weiß warum. Von Erwin Kohl

Das Alpener Martinskomitee steht vor einer spannenden Aufgabe. Weil am Samstag um 17.15 Uhr der 90. Martinsumzug startet, sollen am Ende Dutzende, von Kindern der Grundschule Am Wald gebastelte Laternen zur Jubiläumszahl zusammengestellt werden. Die soll dann mitten auf dem Teich hinter dem Marienstift bunt leuchten, wenn Sankt Martin Kurt Verhülsdonk hier hoch zu Ross den Mantel teilt. Das macht der Alpener inzwischen schon im 31. Jahr, und fast genauso alt ist auch der Mantel, den Schneider Jansen ihm genäht hat, weil der alte verschlissen war.

Weniger einfach verhielt es sich da schon mit dem schneeweißen Rauschebart des Bischofs. "Von meinem Vorgänger Heinrich Maas bekam ich einen künstlichen Bart. Der war so muffig, den wollte ich nicht. Außerdem hatte ich ja damals schon einen Vollbart", erinnert sich Verhülsdonk. Der war allerdings pechschwarz und passte nicht zur Rolle. "Deshalb haben sie versucht, den Bart mit Backpulver weiß zu machen. Das hat auch nicht so richtig geklappt. Da haben sie mir im nächsten Jahr einen Bart aus Hanf und Draht gebastelt. Da drunter hat es aber wie verrückt gejuckt. Mein Bart hat also eine richtige Odyssee hinter sich", erzählt Verhülsdonk.

Frisör Gerhard Kohl startete den nächsten Versuch. Er besorgte einen Vollbart aus einem Theaterfundus. Dessen winzige Härchen wanderten aber dauernd in den Rachen und lösten dort beim heiligen Mann Würgereize aus. "Vor zehn Jahren war ich es leid. Seitdem lasse ich meinen inzwischen weißen Bart vom Sommer an auf Sankt-Martin-Länge wachsen", sagt Verhülsdonk.

Das funktioniert. Obwohl in Alpen bekannt wie ein bunter Hund, erkennen ihn die Kinder im Martinskostüm nicht. "Die wundern sich immer, woher Sankt Martin ihre Namen kennt", sagt der Darsteller schmunzelnd. Während der Reiter seit mehr als drei Jahrzehnten derselbe ist, wechseln die Pferde immer mal wieder. An das erste der insgesamt acht Gäule erinnert sich Kurt Verhülsdonk noch ganz genau: "Dem haben sie vorher so eine dicke Dröhnung verpasst, dass ich Angst hatte, der Bock schläft mir unterwegs ein."

Kreativ waren die Alpener auch bei der Umsetzung des passenden Rahmens zur Mantelteilung. Im Lied heißt es: Im Schnee da saß ein armer Mann. Aber woher nehmen bei den milden niederrheinischen Temperaturen? "Also hat die Feuerwehr damals mit einem Schaumteppich den Schnee imitiert. Das ist heute nicht mehr erlaubt", so Verhülsdonk.

Bis Bettler Gerd Verhalen nach dem Jubiläumsumzug am 12. November die wärmende Mantelhälfte erhält, gilt es noch, rund 1300 Martinstüten für Kinder und Senioren ab dem 75. Lebensjahr zu füllen. Neben Äpfeln, Nüssen und Süßigkeiten enthalten die Tüten in Alpen eine Besonderheit. "In allen Dörfern um uns herum ist ein Weckmann in der Tüte, bei uns gibt es traditionell eine Brezel", erzählt Marita Cornelißen-Hendricks vom Martins-Komitee.

Warum das so ist, weiß niemand mehr so recht. "Wer das Mysterium um die Brezel aufklären kann, darf sich gerne bei uns melden", hofft Kurt Verhülsdonk auf sachdienliche Hinweise aus der Bevölkerung. Damit zum Jubiläumsumzug auch alle mitsingen, wird erstmals ein Heftchen mit Noten und Texten der gängigsten Martinslieder verteilt. In Alpen denken sie eben an alles.

Quelle: RP
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