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Rheinberg
Berg- und Talfahrt, wo früher Püttmann war

Rheinberg: Berg- und Talfahrt, wo früher Püttmann war
Fertig! Tino Reminder (oben) und Roman Haid freuen sich, dass der "Musikexpress" ab morgen seine Runde drehen kann. FOTO: RP-Fotos (2). Armin Fischer
Rheinberg. Heute um 14 Uhr wird die Rheinberger Kirmes eröffnet. Es gibt rund 20 Fahrgeschäfte und Stände. Auch der "Disco Dancer" ist wieder da. Von Uwe Plien

Der "Musikexpress" von Tino Reminder steht genau dort, wo die Püttmanns früher leckeren Kuchen verkauft haben - zwischen den Wällen. In diesem Jahr zum ersten Mal nicht verdreht und eingequetscht, sondern mit der Öffnung Richtung Kirmesplatz, weil die Stadt die große Blaufichte gefällt hat: Mehr Platz fürs Vergnügen, dafür ein Baum in der Stadt weniger.

Tino Reminder stammt aus einer alten Duisburger Schausteller-Familie. "Vierte Generation", erzählt der 56-Jährige. "Der Vorgänger unseres Fahrgeschäfts war die Raupe." Jenes Gerät, bei dem sich während der Fahrt ein grünes Stoffdach über den Passagieren ausbreitete. Ganz Mutige standen auf und versuchten, bei vollem Tempo im Stehen einen Ring an der Raupendecke abzuziehen. Wer es schaffte, bekam eine Freifahrt spendiert. Ein großer Moment für Kirmesfreunde. Meistens lief dazu der Rockklassiker "Gamma Ray" von Birth Control.

Das ist 70er Jahre Kirmes-Nostalgie. "Da war die Welt noch in Ordnung", sagt Tino Reminder, der in Rheinberg schon seit mehr als 20 Jahren auf der Kirmes steht. "Heute laufen die Geschäfte eher bescheiden. Wer kann heute noch zwei Millionen Euro für ein Fahrgeschäft wie den Musikexpress bezahlen?" Drei Euro kostet eine Berg- und Talfahrt. 20 bis 25 Mal pro Jahr baut Reminder seine Anlage auf und ab.

"Das Problem für uns Kirmesleute ist, dass sich das Freizeitverhalten total verändert hat. Kirmes ist nur noch eine von vielen Möglichkeiten", erzählt Roman Haid. Der 49-jährige Moerser ist Vorstandsmitglied des Niederrheinischen Schaustellervereins Moers und tingelt seit 23 Jahren von Rummel zu Rummel. An seinem Wagen können Kinder kleine Enten angeln und auf Gewinne hoffen. Auch er merkt, dass es schwieriger wird, die Menschen für einen Kirmesbesuch zu begeistern. Haid: "Wenn uns noch das Wetter einen Streich spielt, können Sie alles vergessen." Optimal seien 25 Grad und Sonne, nicht zu warm, nicht zu kalt und vor allem: kein Regen.

Bei aller Grübelei wollen Tino Reminder und Roman Haid keine schlechte Stimmung verbreiten. Sie freuen sich auf vier Tage Kirmes in Rheinberg. Heute um 14 Uhr geht es mit dem Fassanstich los.

Insgesamt gibt es rund 20 Stände und Fahrgeschäfte auf der Schützenkirmes. Der Autoscooter von Richard Müller aus Essen ist wieder da, und nach Jahren auch mal wieder der "Scheibenwischer" namens Disco-Dancer, den jetzt Familie Smikalla aus Nettetal übernommen hat.

Roman Haid: "Zudem gibt es einen Kinderflieger, ein Kindersportkarussell und eine Schießbude." Dass es auch gebrannte Mandeln, Lebkuchenherzen, Zuckerwatte, Popcorn oder Pommes und Currywurst zu kaufen gibt, versteht sich für eine Kirmes fast von selbst.

Quelle: RP
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