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Rheinberg
Blaue Engel helfen in der Nachbarschaft

Rheinberg: Blaue Engel helfen in der Nachbarschaft
An den T-Shirts mit der Aufschrift "Nachbarschaftshilfe" sind die blauen Engel zu erkennen. Die Projektteilnehmer Birgit Stürmer, Linda Bruns, Detlef Dittrich, Brigitte Rolke, Marcel Urselmann, Miranda Llubaci und Dirk Laas (v.l.). FOTO: A. fischer
Rheinberg. In einem Projekt von "FachWerk", Jobcenter und Quartiersbüro unterstützen 30 Teilnehmer, die den Anschluss an den Arbeitsmarkt verloren haben, Menschen in und rund um die Reichelsiedlung beim Einkauf oder bei Behördengängen. Von Erwin Kohl

Nette Nachbarn nehmen das Paket entgegen, wenn man gerade nicht zu Hause ist, gießen im Urlaub die Blumen oder räumen den Schnee beiseite. Aber längst nicht jeder hat einen solch' netten Nachbarn. In Rheinberg bietet die FachWerk.Kreis Wesel gGmbH deshalb professionelle Nachbarschaftshilfe an. Unterstützt vom Jobcenter des Kreises nehmen 30 Teilnehmer an dem Projekt teil, die schon längere Zeit den Anschluss an den Arbeitsmarkt verloren haben. Gestern besuchten Vertreter des Jobcenters und der FachWerk gGmbH das Quartierbüro Reichelsiedlung an der Buchenstraße, in der das Projekt angesiedelt ist.

Zur Begrüßung servierten die in blauen Nachbarschaftshilfe-Shirts gekleideten Helfer ihren Gästen heiße Waffeln. Gastgeberin Anke Sczesny, die Quartiersmanagerin, betonte, dass die Dienstleistungen keineswegs auf die ehemalige Reichelsiedlung beschränkt sind, sondern von allen Rheinbergern in Anspruch genommen werden können.

Längst habe sich gezeigt, dass dieses Projekt für beide Seiten gewinnbringend ist. Während sich die Klienten über Unterstützung bei Behördengängen, Einkaufshilfen und die Begleitung zum Arzt freuen, erfahren die Nachbarschaftshelfer eine neue Perspektive. "Es geht zunächst darum, Struktur zu schaffen und den Menschen das Gefühl zu geben: Du schaffst das. Ziel ist die Integration in den Arbeitsmarkt", sagt Stefanie Albert vom Jobcenter.

Während ihrer halbjährigen Tätigkeit werden die Helfer von Henry Janzon vor Ort unterstützt. "Ich bin eine Art Mentaltrainer und Mädchen für alles", erklärt der Arbeitspädagoge. Aber auch als Moderator ist er gefragt, beispielsweise dann, wenn Menschen die Nachbarschaftshilfe über Gebühr in Anspruch nehmen möchten. "Wenn jemand fragt, ob wir ihm die Fenster putzen, muss ich ihm eine Absage erteilen. Aber das kommt eher selten vor", so Janzon.

Stabilisierung und Aktivierung sowie die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben sind erste wichtige Schritte für die Jobsuchenden. Mit weitergehenden Qualifizierungsmaßnahmen sollen die Teilnehmer dann fit gemacht werden für den Arbeitsmarkt. "Infrage kommen häufig Berufe im Pflege- und Dienstleistungsbereich, aber auch im Verkauf", berichtet FachWerk-Betriebsleiterin Beate Schnitzler. Einer der "blauen Engel" ist Marcel Urselmann. Der 28-Jährige ist seit dem Sommer dabei und kennt die ganze Palette der nachbarlichen Hilfeleistungen: "Manchmal brauchen die Menschen einfach nur Trost. Dann nehmen wir sie in den Arm." Ein Service, den professionelle Dienstleister nicht anbieten können. "Es kann sich auch kein Pflegedienst leisten, den Menschen drei Stunden zuzuhören", sagt Projektleiterin Stefanie Metzner. Am Beispiel von Marcel Urselmann zeigt sich, dass diese Art der zwischenmenschlichen Hilfe für beide Seiten fruchtbar sein kann. Der Rheinberger möchte sich künftig beruflich um die Pflege von Menschen kümmern.

Quelle: RP
 
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