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Rheinberg
Bluesiges Riff lauert unter dem Bierschaum

Rheinberg. Das "Martin Schulte Quartett" zeigte im "Raum der Stille", wie hochwertig die MI-Jazz-Konzerte sind. Von Uwe Plien

Gitarristen sind in der Reihe MI-Jazz unterrepräsentiert. Umso erfreulicher ist es, dass mit dem Martin-Schulte-Quartett diesmal eine Band im "Raum der Stille" an der Lützenhofstraße auftrat, die von einem Klasse-Gitarristen und ebenso guten Komponisten geleitet wird. Zusammen mit dem Tenorsaxophonisten Peter Ehwald, dem Kontrabassisten Matthias Akeo Nowak und dem Drummer Mirek Pyschny verzauberte der 1979 geborene Gitarrist das Publikum mit zeitgenössischem Jazz.

Nach mehr als zwei Stunden gab es viel Applaus für die Musiker. Ohne eine Zugabe kamen sie nicht davon. Den Wunsch nach einem Extra-Stück erfüllte das Quartett den Zuhörern gerne. Und zwar mit McCoy Tyners "Search for peace". Das war nicht nur die einzige Fremdkomposition an diesem Abend, sondern auch ein sehr balladeskes, zerbrechliches Stück. Die Band spielte es angemessen und würdevoll.

Ansonsten dominierten in der ehemaligen Konvikt-Kapelle von Martin Schulte kreierte Stücke. Der Musiker versteht es, ganz unterschiedlichen Jazz zu komponieren. Werke wie das schnelle, treibende "Walking Distance" gleich zu Beginn, oder "Curiosity", benannt nach dem rollenden Mars-Computer-Vehikel. "Curiosity" bot Raum für Assoziationen, glaubte man doch an einigen Stellen herauszuhören, wie sich das Mars-Mobil von Hügel zu Hügel schleppt. Mal schneller, mal langsamer.

Gelungen auch "Lights", dessen Strukturen sich auf einem schweren Riff Bahn brechen. Oder "Brooklyn Lager" - benannt nach jener Biersorte, die Martin Schule kennenlernte, als er ein Jahr in New York verbrachte. Da verbarg sich auch eine vorzügliche Blues-Figur unter dem Schaum im Glas. Und rhythmisch Vertracktes gab es ebenfalls, etwa in "On a silent day". Diesen stillen Tag hatte Schulte in einen Fünfvierteltakt gepackt.

Bei "The Team" zeigte das Quartett, dass es tatsächlich wie ein Team agiert. Hier war allen vier Musikern ein ausführlicher Spaziergang gestattet. Und alle vier warfen ihre persönliche Jazz-Maschine an. Der Bandleader nicht nur mit linearen Soli, sondern oft und gerne auch mit flächigen Umspielungen. Peter Ehwald ließ seine Kanne mal in tiefen Sphären kreisen, entlockte seinem Tenor aber auch höchste Töne sicher und mit faszinierend sattem Ausdruck. Matthias Akeo Nowaks Finger tanzten mit schlafwandlerischer Sicherheit über das Griffbrett seines Standbasses, das bei ihm zu einer Schnellstraße der Jazz-Läufe wurde. Mirek Pyschny präsentierte sich als Meister der Reduktion. Er tupfte seine Beats zuweilen in die Arrangements anstatt sie zu schlagen. Vor allem sein zurückgenommenes Spiel sorgte dafür, dass der Jazz des Martin-Schulte-Quartetts im Raum der Stille mit seiner halligen, unangenehmen Akustik akzeptabel und nicht zu laut rüberkam.

So erlebte das Rheinberger Publikum wieder ein tolles Jazz-Konzert. Am Donnerstag, 21. April, 20 Uhr, geht es weiter in der MI-Jazz-Reihe. Dann tritt das Matthias-Goebel-Quartett im "Raum der Stille" auf. Auch diesen Termin sollte man sich schon vormerken.

Quelle: RP
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