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Rheinberg
Blumen Thelen schließt nach 70 Jahren

Rheinberg: Blumen Thelen schließt nach 70 Jahren
Schließen ihr Traditionsgeschäft: Klaus , Andrea (v.l.) und Hedwig Thelen (re.) mit der langährigen Mitarbeiterin Kerstin Treude (3.v.l.). FOTO: Armin Fischer
Rheinberg. Klaus und Andrea Thelen geben das Traditionsgeschäft an der Römerstraße 28 auf. Gesundheitliche Gründe und die wachsende Konkurrenz haben dazu geführt. Auch Magier David Copperfield orderte bei Thelen Rosen im großen Stil. Von Uwe Plien

Der Gedanke daran, dass es das Blumengeschäft bald nicht mehr gibt, sei schon irgendwie komisch, gestehen Andrea und Klaus Thelen. Und auch Klaus Thelens Mutter Hedwig gibt zu erkennen, dass sie sich so richtig noch nicht mit dem Gedanken angefreundet hat. Aber Fakt ist: Das Blumengeschäft Thelen schließt am 23. Dezember dieses Jahres. Dann endet eine fast 70-jährige Firmengeschichte. Drei Generationen Thelen führten das Familienunternehmen.

"Im Januar 1948 haben meine Großeltern Wilhelm und Johanna Thelen das Geschäft eröffnet", so der heute 57-jährige Klaus Thelen. "Damals noch an der Kiefernstraße." Zwar waren auch damals schon Schnittblumen und Pflanzen im Angebot, aber nach dem Krieg erwiesen sich besonders Obst und Gemüse die Verkaufsschlager.

1952 folgte der Umzug in das Haus Römerstraße 28, wo sich das Geschäft bis heute befindet. Es entwickelte sich gut. In den sechziger Jahren kam die Friedhofsgärtnerei dazu - die Grabpflege. Bis Anfang der sechziger Jahre hatten die Thelens noch einen großen Garten an der Straße Zu den Stationen. "Ein paar Bäume aus dieser Zeit stehen heute noch dort", sagt Klaus Thelen. Er verlagerte die Gärtnerei später an die Kewerstraße, wo er selbst auch mit seiner Frau wohnt. Sieben Glasgewächshäuser stehen dort, sie werden bald abgebaut.

1972 kam die zweite Generation in gärtnerische Verantwortung. Herbert und Hedwig Thelen übernahmen den Betrieb. 15 Jahre später folgte der nächste Wechsel. Gärtnermeister Klaus Thelen (Fachrichtung Blumen- und Zierpflanzenbau) und seine Frau Andrea, gelernte Einzelhandelskauffrau, übernahmen den Staffelstab. Das Geschäft lief gut, wenn es manchmal auch herbe Rückschläge gab. So etwa vor 30 Jahren, als die Lineg das Fossa-Bett mit Folie auskleidete. Die Thelens wässerte die Pflanzen in ihren Gewächshäusern mit Brunnenwasser. Das Grubenwasser aus der Fossa war allerdings so salzhaltig, dass sämtliche Pflanzen eingingen. "Zum Glück hat die Lineg den Schaden bezahlt", so Klaus Thelen.

Gut bezahlt hat auch ein höchst prominenter Zauberkünstler, wie sich Andrea Thelen erinnert. "Irgendwann meldete sich David Copperfield bei uns am Telefon und ich dachte nur: Da will mich jemand hopsnehmen. Aber er war es wirklich." Der damalige Lebensgefährte von Claudia Schiffer orderte 250 rote Rosen für seine Liebste und einen weiteren Super-Strauß für Claudias Mutter Gudrun gleich mit. "Das war schon aufregend", so Andrea Thelen.

In Spitzenzeiten hatte Blumen Thelen zwölf Mitarbeiter. Teilweise arbeiteten vier Auszubildende gleichzeitig im Betrieb, der für seine Schnittrosen, die schönen Alpenveilchen und auch für besondere Orchideen bekannt war. Das war in den achtziger Jahren. Klaus Thelen: "Damals gab es im Rheinberger Stadtgebiet noch 19 Blumengeschäfte und Gärtnereien. Gucken Sie heute mal, was davon übrig geblieben ist. Nicht viel."

Die Konkurrenz wuchs. Große Firmen investieren heute deutlich weniger in Blumendekorationen. Discounter wie Aldi ziehen jede Menge Kundschaft ab, denn auch dort gibt es frische Blumen zu kaufen. "Wie an jeder Tankstelle auch", so Klaus Thelen, der vor sieben Jahren schwer erkrankte. "Damals hatte ich 350 Gräber in Pflege, die musste ich innerhalb von vier Wochen an Kollegen abtreten. Dadurch hatten wir schlagartig auch im Laden weniger zu tun." Ins Bergfreie fallen die Thelens nicht, wenn es das Blumengeschäft nicht mehr gibt. Klaus Thelen: "Zum Glück haben wir mit unserem Schießstand in Millingen seit fast zehn Jahren ein zweites Standbein." Sohn Markus (31), von Beruf Elektrotechniker, betreibt die Anlage, vor allem sein Vater wird nun verstärkt dort mitarbeiten.

Es gibt also eine Perspektive. Der letzte Tag im Blumengeschäft werde trotzdem ein trauriger sein. Denn am 23. Dezember, einen Tag vor Heiligabend, endet eine 70-jährige Firmengeschichte, die auch ein Stück Annaberger Geschichte ist.

Quelle: RP
 
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