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Rheinberg
Brandschutzmängel: Flüchtlingsunterkunft in Orsoy geräumt

Rheinberg: Brandschutzmängel: Flüchtlingsunterkunft in Orsoy geräumt
Erst vor vier Wochen zogen 200 Flüchtlinge in das alte Krankenhaus in Orsoy ein. Nun wurde festgestellt, dass unter anderem die Brandmeldeanlage nicht den Vorgaben entspricht. Das Gebäude wurde daraufhin geräumt. FOTO: Ostermann (Archiv)
Rheinberg. Stadt Rheinberg, Kreis Wesel und Feuerwehr stellten im alten St.-Marien-Hospital Orsoy Brandschutzmängel fest. 159 Bewohner wurden in andere Einrichtungen verlegt, eine Familie bleibt wegen einer Windpocken-Erkrankung da. Von Uwe Plien

Vier Wochen nachdem die ersten 200 Flüchtlinge in das ehemalige St.-Marien-Hospital in Orsoy eingezogen sind, ist die Einrichtung überraschend geräumt worden. Die Stadt Rheinberg hat dies per Ordnungsverfügung am Donnerstag veranlasst - aus brandschutztechnischen Gründen. Wann die vom Land betriebene Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) wieder genutzt werden kann, steht noch nicht fest.

In der früheren Reha-Klinik waren zuletzt 165 Flüchtlinge untergebracht. Bis auf eine sechsköpfige Familie sind alle kurzfristig auf andere Einrichtungen, unter anderem in Kerken-Stenden, verteilt worden. Ein Mitglied der Familie sei an Windpocken erkrankt und befinde sich in Quarantäne. "Wir wollten die Familie nicht auseinanderreißen und lassen sie deshalb zunächst weiter in Orsoy wohnen", sagte ein Sprecher der zuständigen Bezirksregierung Arnsberg gestern auf Nachfrage der RP. Den in Orsoy kursierenden Gerüchten, es handele sich bei der erkrankten Person um einen Ebola-Fall, erteilte der Behördensprecher eine klare Absage. Es liege ein eindeutiger ärztlicher Befund über die Diagnose "Windpocken" vor.

Dass eine Flüchtlingseinrichtung dieser Art aus Gründen des Brandschutzes geräumt wurde, sei ein in Nordrhein-Westfalen bisher einmaliger Fall, so der Sprecher der Bezirksregierung Arnsberg. Am Donnerstag hatte es in Zusammenhang mit dem eingereichten Brandschutzkonzept für das Gebäude einen Ortstermin in Orsoy gegeben.

Fotos: Wo Flüchtlinge wohnen können FOTO: dpa, rwe jai

Die Feuerwehr, die Bauordnung der Stadt Rheinberg und der Leitende Brandschutzingenieur des Kreises Wesel seien nach einer Untersuchung einvernehmlich zu dem Schluss gekommen, dass der vorbeugende Brandschutz nicht in ausreichendem Maße gewährleistet sei. Das sagte gestern Dieter Paus, Technischer Beigeordneter der Stadt Rheinberg, auf Nachfrage der Rheinischen Post. Es seien unter anderem Mängel an der Brandmeldeanlage festgestellt worden, auch seien Feuerwehrzufahrten nicht zugänglich gewesen. Die Stadt habe keine andere Möglichkeit gehabt, als die ZUE per Ordnungsverfügung räumen zu lassen.

Für die Investorengesellschaft IPG und den Eigentümer des Krankenhauses, Jörg-Richard Lemberg, kam die Nachricht aus heiterem Himmel. "Wir haben im Vorfeld alles, was den Brandschutz angeht, mit der Stadt abgesprochen und wundern uns, dass diese Mängel nicht früher festgestellt wurden", sagte er. Anfang November waren die ersten 200 Flüchtlinge nach Orsoy gekommen. Anfang 2016 sollen nach erfolgter Sanierung des früheren Schwesternheims 300 weitere Menschen dort einziehen. Er sei davon ausgegangen, dass der Brandschutz in einem Gebäude, das bis vor kurzem noch als Reha-Klinik in Betrieb gewesen sei, in Ordnung sein müsse.

Die Frage, ob die Schließung der zentralen Landeseinrichtung nun wieder Zuweisungen von Flüchtlingen an die Stadt zur Folge hat, konnte gestern noch nicht beantwortet werden. Aber es gibt bereits Stimmen, die berichten, es seien bereits 50 neue Flüchtlinge für Rheinberg angekündigt.

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Quelle: RP
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