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Rheinberg
Brillanter Auftakt der neuen Spielsaison

Rheinberg: Brillanter Auftakt der neuen Spielsaison
Alexander Krichel in Rheinberg am Klavier. FOTO: herbert mertens
Rheinberg. Pianist Alexander Krichel ist bei der Musikalischen Gesellschaft Rheinberg zu Gast und begeistert das Publikum. Von Udo Spelleken

Zum Auftakt der neuen Konzertsaison der Musikalischen Gesellschaft Rheinberg begrüßte deren Vorsitzende Lore Rabe in der Stadthalle den jungen Meisterpianisten und Echo-Klassik-Preisträger Alexander Krichel, der inzwischen auf allen internationalen Konzertpodien zu Hause ist. Sie freute sich, dass es wiederum gelungen ist, für die anlaufende Spielzeit namhafte Künstler, junge Talente ebenso wie Interpreten von Weltruf nach Rheinberg zu holen. Streicher und Bläser werden in dieser Konzertreihe in besonders reizvollen Kombinationen und mit herausragenden Solisten zu hören sein.

Krichel begann sein Konzert mit der Klaviersonate D-Dur KV 284, die wohl zu Mozarts technisch anspruchsvollsten und kompositorisch ambitioniertesten, zudem längsten Kompositionen für Tasteninstrumente gehört.

Der Komponist versah sein Werk mit einer besonders reichen dynamischen Bezeichnung und fand auch in formaler Hinsicht manch ungewöhnliche Lösung, wie beispielsweise das langsame "Rondeau en Polonaise" als Mittelsatz. Die Tremoli im ersten Satz ebenso wie der Unisono-Charakter des Hauptgedankens bearbeitete Krichel fast wie den Klavierauszug eines imaginären Orchester-Tuttis. Bemerkenswert differenzierte der Pianist das zarte, einstimmig beginnende Seitenthema, das eine jener harmonischen Lieblingsformeln beinhaltete, die Barock und Klassik verbinden, nämlich absteigende Sextakkorde. Das Finale dieser Sonate war ein virtuos fröhlicher Variationen-Satz im Gavotte-Rhythmus, der wie das Rondeau tanzartigen Charakter zeigte. Krichel erfreute durch unaufdringliches Spiel und hundertprozentiges Stilgefühl. Das äußerte sich in seiner subtilen Verzierungskunst, die nie über das Maß des guten Geschmacks hinausging. Die Variationen op. 2 über "Là cio darem la mano" aus der Oper "Don Giovanni" von Mozart boten ihm nicht nur ausreichend Virtuosität, sondern zeigten ein bereits sehr starkes eigenes, sehr weit gediehenes musikalisches Idiom.

Chopins pianistisches Komponieren auf neuestem Stand, samt einiger von ihm selbst erfundener pianistischer Neuerungen, verbunden mit einer von polnischer Folklore inspirierten Melodik und Rhythmik, wirkten auf dem Bösendorfer-Flügel in Rheinberg wie eine melancholische Erinnerung an frühere Eindrücke.

Mit "Six Moments musicaux op. 16" von Sergej Rachmaninov bewies Krichel eine erstaunliche Bandbreite an Ausdrucksfähigkeit und weit mehr als technische Brillanz. Glasklar spielte er die schnellen, virtuosen Passagen, verbunden mit einer Mischung von düsterer Schwermut und russischer Leidenschaft. Die begeisterten Zuhörer erlebten einen brillanten und vielversprechenden Auftakt der Spielsaison.

Quelle: RP
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