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Alpen
Bruderschaft diskutierte über Tradition

Alpen: Bruderschaft diskutierte über Tradition
Brudermeister Andreas Költgen (hinten li.) hat treue St.-Heinrich-Schützenbrüder geehrt. FOTO: Olaf Ostermann
Alpen. St.-Heinrich-Schützen geht die Liberalisierung des Bundes der Deutschen Schützenbruderschaften nicht weit genug. Von Erwin Kohl

Glaube, Sitte, Heimat - drei Leitmotive aller Schützenbruderschaften unter dem Dach der katholischen Kirche, die auch für klare Regularien stehen. Geschiedene, Ungläubige und Homosexuelle hatten es bislang schwer in dieser Tradition. Mit seiner Strenge stößt der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften auf immer weniger Verständnis - auch in den eigenen Reihen. Nun will er seine grundsätzliche Ausrichtung überdenken, Er hat ein Thesenpapier erarbeitet, zu dem die Basis Stellung beziehen soll.

Johannes Heilen von der St.-Heinrich-Schützenbruderschaft in Bönning-Rill, die bei ihrer Herbstversammlung über das Papier diskutiert hat, sagt dazu: "Respektvoller Umgang miteinander, und zwar mit allen Menschen, ist für uns selbstverständlich. Aber wenn man seine Meinung nicht sagt, bleibt alles, wie es ist." Wie zaghaft die Bundesschützen ihre Strukturen öffnen, wird am Beispiel Wiederverheirateter deutlich. Die durften bislang kein Vorstandsamt ausüben. Künftig soll dies möglich sein, solange sie durch erneute Heirat kein "Ärgernis in der Bruderschaft erregen", entscheidend sei die "Lebens- und Verhaltenswirklichkeit". Formulierungen, die bei den Schützen in Bönning-Rill auf Unverständnis stoßen. "Auch Mitglieder einer christlichen Kirche können ein erhebliches Ärgernis darstellen. Wir lehnen eine Diskriminierung von Geschiedenen und Wiederverheirateten ab", sagte Johannes Heilen. Eine neue Ausrichtung scheint sich auf einem anderen Feld abzuzeichnen. "Die sexuelle Orientierung eines Menschen gehört zu seiner Persönlichkeit und Identität und ist für die Aufnahme in eine Bruderschaft unerheblich", heißt es im Thesenpapier, dessen Ergebnisse in die neue Grundausrichtung einfließen sollen. So dürfen homosexuelle Schützenbrüder künftig König werden und mit dem Lebenspartner am Umzug teilnehmen. Der Bund der Schützenbruderschaften schränkt dies im Schlusssatz aber ein, der die Anwesenheit von Majestäten auf Bezirks-, Diözesan- oder Bundesebene beschreibt. Dort sei es "gelebte Tradition, dass ein Königspaar, bestehend aus Mann und Frau, auftritt". Im Schützenhaus am Römerweg arrangieren sich die Schützen mit der Formulierung, auch wenn sie ihnen nicht weit genug geht. "Wir würden uns eine liberalere Haltung wünschen. Traditionen können sich wandeln", sagte Brudermeister Andreas Költgen.

Vorm Martins-Zug sammeln die Bönning-Riller Schützen Sachspenden wie Kleidung und Möbel für Flüchtlinge. Für Kinder haben sie sich etwas Besonderes ausgedacht: Neben der Tütenausgabe stellen sie einen Korb, in den Kinder einen Teil ihrer Leckereien für Altersgenossen spenden können, um mit denen zu teilen, mit denen es das Schicksal nicht so gut gemeint hat.

Geehrt wurden für 40 Jahre Mitgliedschaft Wilfried Scheffers, Günter Venne, Theodor Lindemann, Siegmund Raczkowski, Fritz Schneider, Reinald Hermanns und Adalbert Schülke, für 50 Jahre Friedhelm Altenhövel, Ludger Verhülsdonk. Ehrenmitgliedschaft sind Gerd Brinkhoff, Theo Nühlen, Leo Raskopp, Heinrich Zahren und Manfred Hussmann.

Quelle: RP
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