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Alpen
Bürgerbus muss Fahrgäste stehen lassen

Alpen. Acht Fahrgäste kann der Bürgerbus transportieren, dann ist Schluss. Zu Stoßzeiten ist das zu wenig: In letzter Zeit wollten so viele Menschen das Angebot nutzen, dass der Bus voll war. Vor allem die erste Fahrt am Nachmittag ist beliebt. Von Bernfried Paus

Der Bürgerbus brummt. So sehr sogar, dass es inzwischen knirscht und er an Grenzen stößt. Vornehmlich zu Stoßzeiten. "Es kommt leider öfter mal vor, dass wir nicht alle Fahrgäste mitnehmen können und welche an den Haltestellen stehen lassen müssen", berichtete gestern Jan Höpfner, Vorsitzender des Bürgerbusvereins. Er bedauert das ausdrücklich. "Darüber sind die betroffenen Fahrgäste natürlich verärgert", sagte Höpfner, "aber auch unsere ehrenamtlichen Fahrer sind darüber alles andere als glücklich."

Vornehmlich die erste Tour nach der Mittagspause, die um 13.56 Uhr am Bahnhof in Alpen startet, ist kritisch. Gerade in dieser Zeit versammeln sich oft mehr Leute an den Haltestellen, als Plätze im Bus frei sind. Der hat nur Sitze für acht Passagiere, darüber hinaus geht nichts mehr. "Anders als die großen Busse im öffentlichen Personennahverkehr dürfen wir keine stehenden Gäste transportieren", erläutert Höpfner. Alle Passagiere müssten sitzen und sich anschnallen, "damit bei einem etwas heftigerem Bremsmanöver keiner durch den Gang schießt", so Höpfner weiter.

Den Fahrern bleibe nichts Anderes, als die Tür zu schließen, wenn acht Leute im Bus Platz genommen hätten. Lassen sie mehr rein, verstoßen sie nicht nur gegen die Auflagen, sondern riskieren neben der amtlichen Erlaubnis zur Personenbeförderung auch ihren privaten Führerschein.

Der Run auf den Bus führt somit bisweilen zu Konflikten beim Einsteigen. Dann, wenn die Fahrer darauf drängen müssen, dass sich die Wartenden darauf verständigen, wer nun rein darf und wer den nächsten Bus nehmen muss. Das kann schon mal schnell dazu führen, dass die Ellbogen eingesetzt werden. Das überfordert bisweilen selbst den Mann oder die Frau am Steuer: Eine Fahrerin habe aufgrund der leidigen Situation inzwischen ihren Dienst quittiert, sagte Höpfner.

Hintergrund für den Boom im Bürgerbus ist die hohe Zahl der Flüchtlinge in der Gemeinde. Sie sind dezentral in den Ortschaften untergebracht und nehmen daher das Angebot zur besseren Mobilität gerne an. Vor allem freitags, wenn die Tafel und die Kleiderkammer ihre Pforten öffnen und auch noch Marktzeit am Rathaus ist, sind bei der 14-Uhr-Tour häufig alle Plätze belegt. "Wer die Möglichkeit dazu hat, sollte auf eine Stunde später ausweichen", rät Höpfner.

Unterdessen ist er dabei, mit der Niag und der Bezirksregierung nach Lösungen zu suchen. "Das dauert aber", sagt der Vorsitzende. Kurzfristig hat er schon mal, wenn absehbar war, dass Andrang herrscht, zwischen den Schichten eine Zusatztour eingeschoben, um die Spitze abzufedern.

Auch die Verwaltung hat vor diesem Hintergrund inzwischen reagiert. Bisher hatten alle Flüchtlinge einen Freifahrtschein. Seit Monatsbeginn aber fahren nur noch einige ausgewählte Flüchtlinge zum Nulltarif. "Jungen Leuten ist mit Beginn des Frühjahres sicher zuzumuten, sich im Gemeindegebiet mit dem Fahrrad zu bewegen, das ja alle haben", sagte Ludger Funke, Fachbereichsleiter Soziales. Wenn sie trotzdem mit dem Bürgerbus fahren wollen, müssen sie, wie alle anderen auch, eine Fahrkarte lösen. Ältere unter den Flüchtlingen oder Eltern mit kleinen Kindern dürfen weiter gratis den Bus nehmen.

Quelle: RP
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