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Rheinberg
Comedian Hennes Bender hat noch Luft nach oben

Rheinberg. Mit dem Komiker Hennes Bender startete das Kulturbüro der Stadt Rheinberg am Samstag vor rund 250 Besuchern in die Kabarettsaison 2016/17. Der Bochumer gastierte mit seinem aktuellen Programm "Luft nach oben" und zeigte sich bestens auf seinen Auftritt in der "Mailänder Scala vom Niederrhein" vorbereitet. "Man muss schon das Navi nutzen, sonst landet man ganz schnell in Orsoy", erklärte er unter dem Gelächter des Publikums. Das wurde Bender-typisch von Beginn an eingebunden und half dem Künstler über kleinere Pannen hinweg. "Es heißt Orsau und nicht Orseu", verbesserte ihn eine Besucherin gleich mehrfach. Dass Bender danach eine ganze Weile der Frage nachging, welcher Besucher aus welchem Ort angereist war und wer mit ihm im sozialen Netzwerk befreundet ist oder nicht, ließ die Eröffnung recht zähfließend werden. Von Erwin Kohl

Allmählich wurde deutlich, dass die akribische Annäherung ans Publikum offenbar in Ermangelung eines abendfüllenden Programms geschieht. Bender macht daraus auch kein Hehl: "Ich werde oft gefragt, was die Leute aus meinem Programm mitnehmen sollen. Ich sage dann immer: Am besten ihre Jacken." Eine Botschaft habe er ebenfalls nicht, schließlich sei er ja nicht die Schweiz. "Ich bin da eher das Nordkorea unter den Komikern", versichert Bender, der sich in zunehmenden Alter vor der senilen Bettflucht fürchtet: "Man steht nachts auf und weiß nicht mehr warum." Immerhin werde er bald 50. Eine Aussicht, die den 48-jährigen schon in der Formulierung aufregt. "Fragt man eine Mutter nach dem Alter ihres Sohnes, sagt sie: Er ist drei und wird bald vier. Natürlich wird er das. Man sagt doch nicht: Er ist drei und war mal zwei." Ein erster zarter Applaus verstummt im punkt- und kommalosen Redeschwall des Bochumers, der im Anschluss anstelle weiterer Comedy-Einlagen von seinen Auftritten und den damit verbundenen Erlebnissen in anderen Städten berichtet.

So zeige der Hamburger zwar grundsätzliches Interesse an Kultur, habe aber im Grunde nur den Sex danach im Kopf. "Und München ist sowas wie Düsseldorf mit Geld. Die Allianz-Arena sieht aus wie ein aufgeblasenes Pupskissen", erläuterte der Comedian. Wer bis dahin noch auf ein Konzept gehofft hatte, wurde spätestens mit der Bewerbung eines Asterix-Bandes, den Bender in die rustikale Sprache des Ruhrgebietes übersetzt hat, enttäuscht. Die Präsentation von Sprechblasen im Poster-Format mag als Kaufanreiz für Fans des kleinen Galliers ausreichen, ein qualitativ ansprechendes Comedy-Programm kann sie jedoch nicht ersetzen.

Keine Frage: Der Träger des Deutschen Comedypreises 2004 konnte sein Talent in der Vergangenheit oft unter Beweis stellen. Was sein aktuelles Programm betrifft, besteht allerdings noch viel Luft nach oben.

Quelle: RP
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