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Alpen
Damit das alte Feuer weiter glüht

Alpen: Damit das alte Feuer weiter glüht
Besuch von Gönnern: Schmiedemeister Johannes Peters (2.v.links) erläuterte an der Biegemaschine Volker Oppers (Sparkasse am Niederrhein), Klaus Karmann, Fritz Nühlen, Dr. Robert Moog, Irmgard Gräven (alle Brauchtumsverein), Bernd Zibell und Wilhelm van gen Hassend (beide Sparkassen-Stiftung), wie früher das Eisen geschmiedet wurde. FOTO: Arfi
Alpen. Die alte Dorfschmiede in Menzelen wird am 1. August offiziell als lebendiger Ort der Handwerksgeschichte eröffnet. Von Bernfried Paus

Was sind schon 39 Grad Celsius im Hochsommer am Niederrhein gegen mehr als 1000 Grad im Feuer der Esse der alten Schmiede in Menzelen-Ost, die Eisen glühen lassen und formbar machen. Johannes Peters (79), Schmiedemeister in der dritten Generation, hat das Feuer in dem schmucken Baudenkmal entfacht, um einer Delegation der Sparkasse am Niederrhein anschaulich zu demonstrieren, dass hier alles noch so funktioniert wie in alten, längst vergangenen dörflichen Zeiten. Die Förderer zeigten sich beeindruckt von dem, was der Verein für Geschichte und Brauchtum hier am Dorfeingang in Menzelen in nur vier Jahren auf die Beine gestellt hat. Sie sahen, dass alles gut ist. Am Samstag, 1. August, wird das traditionsreiche Haus, das weit mehr sein möchte als ein kleines Museum, offiziell eröffnet.

Mehr als 2000 ehrenamtlich geleistete Stunden an 163 Arbeitstagen sind im Bautagebuch vermerkt. Motor der dörflichen Bewegung zur Bewahrung dörflicher Handwerkstradition waren einige Herren der Dorfwerkstatt, aber auch andere Vereine und Einzelpersonen leisteten ihren Beitrag zum Gelingen des ehrgeizigen Projektes.

Doch ohne die finanzielle Unterstützung von Förderern ging auch hier nichts. Die Sparkasse - nur eine von zahlreichen Gönnern - half dabei, die Elektroinstallationen zu realisieren. Beispielsweise die Standbohrmaschine (anno 1926) wurde mit dem Original-Motor und dem Transmissionsriemen wieder flott gemacht. Zum Anfachen des Feuers gibt's neben dem Handblasebalg auch ein funktionstüchtiges elektrisches Original-Gebläse. Die Schmiede will schließlich kein staubtrockenes Heimatmuseum sein, sondern Schülern und anderen Besuchern lebendig, das heißt, praktisch vor Augen führen, wie auf dem Lande in der Hufbeschlag- und Wagenschmiede vor der Maschinisierung der Landwirtschaft gearbeitet wurde.

Der Weg ist bereitet. Vorm Backsteinhaus mit gemauerten Rundbögen über gusseisernen Sprossenfenstern und Holztoren, das sich bis vor der Rodung im November 2011 in einem ruinösen Dornröschenschlaf befand, ist ein helles Kiesbett angelegt worden - als einladender Parkplatz vor einem sehr modernen Haupteingang - einen Quader aus milchig weißem Glas mit dem schwarzen "Brandzeichen" Dorfschmiede. Ein gelungener architektonischer Brückenschlag von der Moderne hinein in die bäuerliche Vergangenheit, wo Ackergäule beschlagen und Eisenbänder auf hölzerne Karrenräder gezogen wurden.

Das vom Zahn der Zeit arg zermalmte Mauerwerk der Schmiede ist nachhaltig ausgebessert worden, der Dachstuhl wurde komplett erneuert und mit in einem Erdofen traditionell gebrannten Ziegeln in alter Form eingedeckt. Auch der Fußboden aus gestampftem Lehm liegt originalgetreu da, ohne Gebrauchspuren von drei Schmiedemeistern, von denen Johann Theodor Peters Ende des 19. Jahrhunderts der Erste war. Sein Enkel Johannes hat mit geschulten Mitgliedern des Brauchtumsvereins die Aufgabe übernommen, das Feuer immer wieder neu zu entfachen, damit seine alte Handwerkskunst so schnell nicht in Vergessenheit gerät. Dabei hilft auch Schmiedemeister Pronk aus dem niederländischen Ulft, mit dem ein Kooperationsvertrag geschlossen worden ist.

Neben den örtlichen Geldinstituten und der Firma Lemken haben die NRW-Stiftung sowie die Euregio Rhein-Waal das heimatgeschichtliche Projekt finanziell unterstützt.

Quelle: RP
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