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Rheinberg
Das alte Rheinberg in feinem Federstrich

Rheinberg: Das alte Rheinberg in feinem Federstrich
Foto unten: Paul Feltes (r.), seine Frau Hildegard und Bernhard Evers betrachten das neue Buch. Foto oben: Blick über Holz- und Fischmarkt auf das Underberg-Palais. Foto Mitte: Die alte Wassermühle in Rheinberg. FOTO: Armin Fischer/Zeichnungen: Paul Feltes
Rheinberg. Der Sprookverein Ohmen Hendrek ist 90 Jahre alt geworden und gibt zum 90. Geburtstag von Paul Feltes das Buch "Min liew Rhinberk" heraus. Es zeigt mehr als 100 Zeichnungen des Heimatkundlers. Der Erlös ist für die Amplonius-Statue. Von Uwe Plien

Auch mit 90 Jahren hat Paul Feltes noch einen Wunsch. Er hofft, dass zu seinen Lebzeiten eine Amplonius-Statue auf dem Markt errichtet wird. Den finanziellen Grundstock in Höhe von 5000 Euro hat Feltes selbst gelegt: Zu seinem runden Geburtstag im September hat sich der frühere Bäcker- und Konditormeister Geld gewünscht. Eine Bronze-Statue zu Ehren des in Rheinberg geborenen mittelalterlichen Universal-Gelehrten und Namensgeber des Gymnasiums kostet allerdings rund 30.000 Euro.

Mit dem Heimatverein Rheinberg und dem Sprookverein Ohmen Hendrek hat Paul Feltes einige Unterstützer an seiner Seite. Auch sie setzen sich für Amplonius ein.

Feltes ist seit Jahrzehnten begeisterter Heimatforscher. Reinberg ist dabei stets sein Thema gewesen. Er hat Bücher über die Historie seiner Vaterstadt geschrieben und Zeichnungen angefertigt und ist mittlerweile selbst ein Stück Stadtgeschichte.

Nun erscheint ein neues Werk. "Min liew Rhinberk - Zeichnungen aus dem alten Rheinberg", herausgegeben vom Rhinberkse Sprookverein Ohmen Hendrek, zeigt den Großteil der Feltes-Zeichnungen. Es sind insgesamt 102 Abbildungen. Das gebundene Buch hat 132 Seiten, es gibt textliche Erläuterungen. Bernhard Evers, genannt Oddjob, gelernter Schriftsetzer und seit vielen Jahren kreativer Kopf der Jahresschrift "Rhinberkse Dagwieser", hat sich für das Buch richtig ins Zeug gelegt. Hat die Bilder eingescannt, hat sie mit Photoshop bearbeitet und hat kreiert, editiert, korrigiert. "Ein paar Monate war ich schon mit dem Buch zugange", so Evers. "Aber das habe ich gerne getan. Das hat Spaß gemacht."

Nun liegt das Buch vor. "Es ist das erste Mal, dass nahezu alle Zeichnungen von Paul Feltes in einem Buch vereinigt sind", unterstreicht Bernhard Evers. Die Originale - seit 1990 entstanden - sind mit Tusche gezeichnet, die Schatten meist mit Bleistift nachbearbeitet. Die Originalformate sind überwiegend DIN A 3 und DIN A 4.

"Min liew Rhinberk" mit dem Untertitel "Erlebtes, Erzähltes und Erforschtes" erscheint auch, aber nicht nur zum 90. Geburtstag von Paul Feltes. Evers: "Es erscheint auch im 90. Gründungsjahr des Sprookvereins. Paul Feltes erblickte im September 1926 in Rheinberg das Licht der Welt. Sechs Monate später, im März 1927, gründeten Rheinberger Bürger auf Initiative von Dr. Heinrich Schmitz den plattdeutschen Sprookverein Ohmen Hendrek. Was die beiden verbindet, ist die Liebe zur Vaterstadt Rheinberg und für die Rheinberger Mundart, das Rhinberkse Platt.

Die Zeichnungen sind im Buch sortiert. Ein Kapitel zeigt Szenen "Rund um das alte Rathaus", ein anderes heißt "Wir gehen einmal um alle Wälle". Auch die kurkölnische Festung Berka kommt vor, weil auch sie den Ehrenringträger Feltes fasziniert hat. Die meisten Abbildungen sind schwarz-weiß, einige wenige sind koloriert.

Das Underberg-Stammhaus, der alte Albrechtshof, die Pumpe am Entenmarkt, das Torwärterhaus am Rheintor oder die evangelische Kirche - Paul Feltes hat viele Ecken in der Stadt filigran eingefangen, hat sie mit ganz eigenem Tuschestrich und großer Sorgfalt aufs Papier gebracht. Zu sehen sind auch teils unvergessene Menschen wie das Rheinberger Original "Tekke Pit" - Peter Teck - beim Mühlsteinschleifen.

Bald wird auch eine Ausstellung über Paul Feltes und dessen Werken gewidmet sein. Vom Sonntag, 14., bis zum Sonntag, 28. Mai, stellt der Trägerverein Altes Rathaus Bilder und Dokumente in Rheinbergs guter Stube aus. "Paul Feltes ist ein Ur-Rheinberger, war Karnevalsprinz und Fechter, hat zahlreiche Chroniken geschrieben und Rosenmontagswagen gebaut. Ich weiß gar nicht, ob wir all diese Dokumente im Rathaus unterbringen können", sagte erst vor wenigen Tagen Hans-Theo Mennicken, der erste Vorsitzende des Trägervereins.

Als Bonbon können Besucher einen von Feltes gestalteten Linoleumdruck des Spanischen Vallans im Stadtpark erwerben. Wer Glück hat, darf ihn sich sogar vom Künstler persönlich signieren lassen. Feltes hat zugesagt, die Ausstellung eine Stunde pro Tag zu besuchen.

"Ich freue mich sehr, dass dieses Buch mit meinen Zeichnungen erscheint. Ohne die Hilfe von Bernhard Evers hätte ich das allerdings nie schaffen können", sagt Paul Feltes. Er hofft nun auf einen guten Verkauf der Bücher, damit viel Geld für die Amplonius-Statue zusammenkommt. Mit dem ausgesuchten Standort vor der St.-Peter-Kirche kann Feltes gut leben: "Da stand früher die alte Lateinschule, das passt."

Von "Min liew Rhinberk" sind zunächst 250 Exemplare gedruckt worden. Jedes Buch kostet 19,50 Euro. Der Erlös kommt der Finanzierung der Amplonius-Statue zugute. Das Buch ist erhältlich in der Poststelle an der Orsoyer Straße, in der Geschäftsstele der Sparkasse an der Bahnhofstraße und bei den Mitgliedern des Sprookvereins.

Quelle: RP
 
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