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Alpen
Das Projekt Alpen startet im Sonnenlicht

Alpen: Das Projekt Alpen startet im Sonnenlicht
Baustelle Alpen: Die Fachleute wurden beim Dorfrundgang von ortskundigen Leuten begleitet. Die Chinesin Linfei Zhang vom Düsseldorfer Büro GTL war offensichtlich angetan von den Ausführungen Günter Helbigs. FOTO: Armi Fischer
Alpen. Beim Auftakt zum Architekten-Wettbewerb haben sich gestern die Experten von sechs Fachbüros einen Eindruck vom Dorf gemacht und viel mit Bürgern gesprochen. Nun haben sie zunächst bis Anfang April Zeit, ihre Ideen auszuarbeiten. Von Bernfried Paus

Die Anspannung ist greifbar. Stadtplanerin Anne Casprig hat ihr kleines Schwarzes angezogen und die Haare hochgesteckt. Freundlich lächelnd nimmt sie am Eingang des Ratstraktes die eintreffenden Teams in Empfang, die beim Stadtumbau im Dörfchen Alpen einen Preis gewinnen möchte. Ihr Chef Walter Adams gibt freimütig einen Einblick in sein Seelenleben: "Nervös." Die Mitglieder der sechs nominierten Mannschaften nehmen an den für sie vorgesehenen Tischen Platz.

Drei Männer des Büros mit dem Respekt einflößenden Namen "Felixx und de Zwarte Hond" aus Rotterdam haben schon mal mal was vorbereitet, um mit den Alpenern, von denen knapp 40 gestern Morgen zum Auftakt des Architektenwettbewerbes ins Rathaus gekommen waren, ins Gespräch zu kommen - einen Plan vom Dorfkern, auf den sich die Planspiele konzentrieren werden. An Fotos von markanten Ecken kann jeder mit grellen grünen, roten oder blauen Punkten markieren, ob er mit der Stelle "zufrieden", "unzufrieden" oder hier Chancen sieht für reizvolle Akzente.

Auf Planskizzen konnte jeder mit Aufklebern an der Vision mitarbeiten. FOTO: Fischer, Armin (arfi)

Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Thomas Ahls und der Anmoderation von Projektmanager Claudio Steege geht's raus in den Ort. Die "hochkarätigen" Fachleute wollen sich in Begleitung von Ortskundigen ein erstes Bild machen von dem Dorf, für das sie einen Gesamtentwurf machen sollen, der das Lebensgefühl von Bewohner wie Besuchern nachhaltig steigert.

Die Sonne taucht Alpen an diesem Morgen Mitte März ins beste Licht. Baustellen wie Perlen an der Kette auf dem gut 90-minütigen Rundgang machen den Planungsfachleuten deutlich: Hier ist schon ohne Gesamt-Entwurf eine ganze Menge im Fluss: Ein Telekom-Trupp zieht in Höhe der Ampelkreuzung Strippen, die Burgstraße offenbart an der fast fertigen Amaliengalerie die Großwunde der Operation Alpsche Ley mit einem einmaligen Einblick in den Untergrund. Ein Stück weiter zeigt ein Bagger auf der freien Fläche neben Burgschänke seine Zähne. Die Baugenehmigung für das geplante Hotel sei da, verrät Walter Adams. Im Hinterhof hat der Parkplatz an der Haagstraße Gestalt angenommen. Hier fehlen nur noch Schranken, Bäume und Laternen.

Auf der Fußgängerbehelfsbrücke am Durchlass für die Alpsche Ley skizziert Adams, der ein paar Meter zuvor Spuren früherer, wenig taugliche Umbauversuche wie die weißen Orientierungshilfen für Sehbehinderte erläutert hatte, seine Gedanken von einer einladenden Platzgestaltung. Die könnte dem "recht dominanten Ärztehaus" ein wenig die Wirkung nehmen. "Wir müssen und wollen uns der geschaffenen Situation stellen", so Adams.

Unterdessen sind einige Dorfplaner dabei, mit Smartphones Fotos zu machen, andere machen Notizen auf dem gedruckten Luftbild von Alpen. Andere vertiefen sich ins Gespräch mit lokalen Experten, um ein Gefühl für Alpen zu entwickeln. Die junge Chinesin Linfei Zhang beispielsweise vom Büro Gnüchtel Triebswetter Landschaftsarchitekten (GTL) heftet sich an die Fersen von CDU-Fraktionschef Günter Helbig, der bereitwillig und gewohnt munter erzählt, woher der Ort kommt und wohin er marschiert. GTL-Kollegin Yvonne Lütker spürt Geschichte(n) des Dorfes mit Ortsvorsteherin Karin von der Horst auf. "Es hilft schon, die Einmaligkeit eines Dorfes zu kennen, um sich über die künftige Gestalt Gedanken zu machen", findet sie.

Die Burgstraße hoch kommt es an einer "neuralgischen Engstelle" zu angeregten Debatten über Raserei. Die Vokabel "totfahren", die ein älterer Herr unter dem mittäglichen Glockenspiels der Evangelischen Kirche vorträgt, ist Adams ein Stück zu dramatisch. Sammelstellen für "Pferdekutschen", wie Günter Helbig die Blechkarossen am Kurfürstin-Amalie-Platz umschreibt, bieten gestalterisches Potenzial.

Bei Netto, wo rote Pflastersteine auf dem Parkplatz die ehemalige Stadtmauer zwischen grauem Beton nachzeichnet, meldet sie alte Wut über vermeintliche Bausünden auf historischen Grund. Die Motte, wo die Reste der Burg liegen und im Krieg Menschen in einem von Bergleuten gegrabenen Stollen unter schlimmsten Bedingungen Schutz fanden, kommt in den Blick. Aus dem Entree zum Dorf ließe sich mehr machen. Hildegard Roggendorf fasst am Ende des Weges ihre Erwartung mit drei großen B's zusammen: Bäume, Blumen, Bänke.

Nach dem Rundgang ging's zurück in die Rathaus-Werkstatt. Am Ende des Tages wurden erste Ergebnisse präsentiert und diskutiert. Da war die Nervosität längst verflogen und die Sonne über Alpen untergegangen. (wird fortgesetzt)

Quelle: RP
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