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Rheinberg
Deichverband ist in Alarmbereitschaft

Rheinberg: Deichverband ist in Alarmbereitschaft
Ein Blick von der Fähre auf Orsoy mit der Evangelischen Kirche im Hintergrund. Das Wasser reicht schon fast bis ans Rheintor. Dort legt die Orsoyer Fähre momentan an. Sollte der Pegel bis auf 10.20 Meter ansteigen, kann die Fähre die Anlegestelle in Walsum nicht mehr erreichen und müsste ihren Betrieb einstellen. Aber soweit ist es noch nicht. FOTO: Christoph Reichwein
Rheinberg. Gestern lag der Rheinpegel Ruhrort bei 8,25 Meter, morgen sollen 9,41 Meter erreicht sein. Der Deichverband Duisburg-Xanten wird voraussichtlich am Montag die Hochwasserwarnstufe 1 erklären. Die Deichgänger sind regelmäßig auf Tour. Von Uwe Plien

Keine Nervosität, aber eine erwartungsvolle Anspannung und alle verfügbaren Kräfte in Habachtstellung - so könnte man die Lage im Deichverband Duisburg-Xanten in Anbetracht des steigenden Hochwassers beschreiben. Gestern Vormittag lag der entscheidende Rheinpegel Ruhrort bei 8,25 Meter. Bis Sonntagvormittag soll das Wasser des größten deutschen Flusses auf 9,41 Meter ansteigen. "Wir werden voraussichtlich am Montag die Hochwasserwarnstufe 1 erklären", sagte Viktor Paeßens, Deichgräf des Deichverbands Duisburg-Xanten, gestern auf Anfrage. Kritisch werde es aber erst, wenn der Pegel 11,50 Meter erreicht - und damit sei momentan nicht zu rechnen.

Viktor Paeßens erinnerte an das Jahrhunderthochwasser von 1926; damals habe der Rheinpegel bei 13,06 Meter gelegen. Ein Wert, der danach nicht annähernd erreicht wurde. Auch nicht bei den bereits bedrohlichen Hochwassern 1988, 1993 und 1995. Auch da habe man noch unter zwölf Meter gelegen.

Der Anfang 2017 aus den Verbänden Orsoy und Poll hervorgegangene Deichverband Duisburg-Xanten ist für 38 Kilometer linksrheinische Deichstrecke zuständig. Von Baerl-Binsheim an der Duisburger Stadtgrenze bis Xanten. Aufgeteilt ist das Gebiet in 16 Abschnitte, für jeden Abschnitt gibt es zwei ehrenamtliche Deichgänger. "Sie laufen den Deich schon im Normalfall einmal im Monat ab, suchen nach Schäden und dokumentieren und melden diese", sagt Paeßens. "Steht der Pegel Ruhrort bei 9,50 Meter, sind unsere Leute alle drei Tage unterwegs, ab 10,50 Meter täglich." Die Schleuse Ossenberg sei bereits bei einem Stand von 7,30 Meter geschlossen worden. Und Solvay schließt seinen Bahndurchlass. Paeßens: "Das kommt auch nicht so oft vor." Ungewöhnlich sei diesmal, dass die zuständigen Stellen wie die Hochwasserschutzzentrale in Mainz keinen zu erwartenden Scheitelpunkt für das Rheinhochwasser mitteilt. Jeden Morgen um 10 Uhr komme zwar eine Mitteilung aus der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt, aber diese wichtige Information fehlte bisher. Der Deichgräf: "Die Lage ist bisher offenbar zu unübersichtlich, um den Scheitelpunkt berechnen zu können." Nervös sei er nicht, versicherte Viktor Paeßens. "Nervös bin ich bei anderen Dingen. Wenn wir Hochwasser haben wie jetzt, dann weiß ich, dass wir alles Menschenmögliche für den Hochwasserschutz getan haben."

Und die Rheinfähre? Die pendelt ungeachtet des Hochwassers weiterhin zwischen Orsoy und Walsum, wie Fährmann Dirk Nowakowski gestern ausführte. Erst wenn der Pegel bis auf 10.20 Meter ansteigt, kann die Fähre die Anlegestelle in Walsum nicht mehr erreichen und müsste ihren Betrieb einstellen. Aber soweit ist es noch nicht.

"Ein Teil unserer Stammkunden ist noch gar nicht aus dem Urlaub zurück", so Nowakowski. "Auf der anderen Seite kommen jetzt deutlich mehr Familien mit Kindern, die gerade wegen des Hochwassers mit der Fähre übersetzen. Und am Wochenende sind eh Touristen unterwegs."

Der Anleger auf Orsoyer Seite steht bereits unter Wasser, die "Glück Auf" legt inzwischen vor dem Orsoyer Rheintor an.

Quelle: RP
 
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