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Alpen
Dem Meister über die Schulter geschaut

Alpen: Dem Meister über die Schulter geschaut
Die Gewinnergruppe bekam am Samstag eine Sonderführung durch die interaktive Schmiede an der Birtener Straße in Menzelen-Ost. FOTO: Armin Fischer (arfi)
Alpen. Einige Gewinner des RP-Rätsels der Silvesterausgabe bekamen in der Menzelener Dorfschmiede an der Birtener Straße eine Sonderführung. Der Ausflug in die Geschichte des Handwerks war rundum gelungen. Von Sabine Hannemann

Gelernt ist gelernt: Nur wenige Hammerschläge braucht Schmiedemeister Johannes Peters, um aus dem glühenden Arbeitsmaterial einen "Überwurfhaken" zu machen. "Der passt auf jedes Scheunentor", sagte der erfahrene Schmied nach vollbrachter Arbeit, die ihm spontanen Applaus einbrachte. Ihm über die Schulter schaute eine Besuchergruppe, die eines verbindet. Die Teilnehmer sind alle Gewinner des RP-Silvester-Rätsels, die eine Führung in der historischen Dorf-Schmiede in Menzelen-Ost erlebten.

Die Schmiede Peters an der Birtener Straße, die mit vereinten Kräften, Engagement und viel Herzblut restauriert wurde, fasziniert auf ihre Weise. Wer die Schmiede betritt, nimmt den typischen Geruch dieses alten Handwerks wahr und taucht in längst vergangene Zeiten ab. Für Wissenswertes über die Esse, den "Herd des Metallschmieds", sorgt Fritz Nühlen, zunächst in Prosa, später in Reimform. Er berichtet über die generelle Entscheidung der Restaurierung bis hin zu den aufwändigen Arbeitsschritten, den verschiedenen Auflagen der Denkmalbehörde. Langen Atem bewiesen die Macher, "weil wir entdeckt hatten, dass die Schmiede erhaltenswert ist", sagt Nühlen.

Schmied Johannes Peters ließ das Feuer im alten Ofen lodern. Ohne große Mühe hat der Menzelener aus dem glühenden Arbeitsmaterial einen "Überwurfhaken" hergestellt. FOTO: Armin Fischer

Die Schmiede der Familie Peters mit ihren Fenstern, Toren und der kompletten Innenausstattung bis zum Werkzeug galt als Besonderheit. Dazu zählte auch der Pferdebeschlagstand, der Notstall, in den die Kaltblüter geführt wurden. Nühlen: "Damals gab es in Menzelen noch 200 Pferde. Ende der 1960er Jahre waren es gerade mal sechs Pferde." Trecker verdrängten die Vierbeiner, auch Karren- und Wagenräder mit Eisenringen verschwanden allmählich aus der Landwirtschaft.

Wie penibel die Denkmalbehörde auf die originalgetreue Wiederherstellung achtete, lässt sich beispielsweise an den Dachziegeln wie auch am Lehmboden vor der Esse festmachen. Auch der Tritt vor der Tür, die nach draußen führt und im Winter für viel kalte Luft sorgt, "ist nach Vorgaben der Denkmalbehörde so geblieben", sagt dazu Irmgard Gräven, die im Verein für Geschichte und Brauchtum das Projekt mit begleitete. Alle Mühen zum Erhalt von Dorfgeschichte haben sich gelohnt, wie auch Nühlen feststellt. "Heute sind wir stolz darauf, dass wir die Schmiede erhalten konnten."

Die Resonanz auch von anderen Besuchergruppen ist gegeben, nicht nur, wenn zu größeren Veranstaltungen der niederländische Schmied Cees Pronk anreist, um seinen Kollegen Peters zu unterstützen. Desweiteren besteht eine Kooperation zum Alpener Betrieb Lemken. "Wir überlegen gerade, für die handwerklichen Vorführungen weitere Personen ausbilden zu lassen", sagt Dr. Robert Moog, Vorsitzender des Vereins für Geschichte und Brauchtum Menzelen. Besucher zeigten sich nämlich zunehmend interessiert, selber ihr "heißes Eisen" zu schmieden.

"Ich finde es total gut, dass altes Handwerk überhaupt noch so gezeigt wird. Junge Leute kennen das nicht mehr", sagt Kfz-Mechaniker Friedhelm Janßen aus Xanten. Für die Sonsbeckerin Karola Lemken ist der Besuch der Schmiede zugleich eine Zeitreise. Ihr Vater, Jahrgang 1924, ist Schmied. "Vieles kenne ich aus seinen Erzählungen. Jetzt erlebe ich es noch so, wie er es noch gelernt hat." Neben dem Handwerklichen ist die Geschichte der Schmiede, dem Eintrag 1903 ins Gewerberegister wie den Meisterbriefen der Familie Peters dokumentiert.

Quelle: RP
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