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Alpen
Der alte Dorf-Sheriff ist jetzt Pensionär

Alpen: Der alte Dorf-Sheriff ist jetzt Pensionär
Will Küppers (62) hat seine Polizeiunform an den Nagel gehängt. Doch Alpen lässt ihn auch im Ruhestand nicht ganz los. Er bring den Grundschülern weiter das ABC des Fahrrad-Fahrens auf den Straßen des Ortes bei. FOTO: Armin Fischer
Alpen. Willi Küppers war 13 Jahre lang Bezirksbeamter der Polizei in Alpen. Er sagt: "Die Zeit hat mir viel Freude gemacht." Von Erwin Kohl

"Die Alpener sind richtig tolerant und für eine Landbevölkerung sehr offen. Viele Dinge, die hier passieren, wären in der Stadt undenkbar", sagt Willi Küppers. Der 62-jährige muss es wissen, denn immerhin hatte er fast 13 Jahre lang als Bezirksbeamter der Polizei mit allen Belangen der Bürger unmittelbar zu tun. Knapp vier Wochen ist Alpens alter "Dorf-Sheriff" im Ruhestand. Sein Nachfolger Andreas Schlicht ist nun der Chef auf der Wache im Rathaus. Küppers denkt mit ein wenig Wehmut zurück: "Die Zeit in Alpen hat mir richtig Freude gemacht. Das hätte ich damals, als ich hier angefangen habe, so nicht erwartet. Schließlich kannte ich den Ort kaum. Dass hier so viel gefeiert wird, hat mir damals keiner gesagt."

Ein bis zwei Jahre habe er gebraucht, da kannte er sie alle: Die Schützen und Karnevalisten, die Schüler, Lehrer und Politiker - aber auch so manch einen schrägen Vogel. Klar, das Küppers nach all den Jahren etliche Anekdoten erzählen kann, wie etwa die von den ominösen Strahlenangriffen. "Eine Dame hat mich angerufen, weil angeblich aus einem Turm gegenüber gefährliche Strahlen kommen. Ich habe zwei Funkgeräte aneinander gerieben und den Raum damit entstrahlt. Dann war sie zufrieden."

Die Arbeit als Dorfpolizist verlangt vor allem Fingerspitzengefühl. Da ist die persönliche Ansprache oft wirkungsvoller als hartes Durchgreifen. Wie im Falle des Schulleiters, dessen Haus Schüler in der Nacht mit Eiern und Mehl verunziert hatten. Anstatt Anzeigen zu schreiben, hat er die Täter dazu verdonnert, den Schaden eigenhändig zu beseitigen. "Am nächsten Tag war das Haus wieder blitzblank. Das wirkt viel mehr als eine langwierige Strafverfolgung", so Küppers, der nach der Polizeiausbildung in Duisburg lange Zeit in seiner Heimatstadt Kamp-Lintfort tätig war.

Aber auch da gibt es Grenzen. Nicht immer kann der Polizist ein Auge zukneifen. "Einerseits wird Bürgernähe erwartet, andererseits unterliege ich als Polizist aber auch der Strafverfolgungspflicht", beschreibt Küppers den Grat.

Nicht nur das Engagement der Bevölkerung - "die Dorfwerkstätten und die Flüchtlingshilfe sind klasse" - hat er schätzen gelernt, auch der Umgang mit Rat und Verwaltung sei vorbildlich gewesen. "Wenn irgendwas umgesetzt werden sollte, wurde die Polizei sofort beteiligt. Das sparte oft lange Dienstwege und ein neues Verkehrsschild stand ganz schnell", lobt Küppers.

Dass auch in einem eher beschaulichen Dorf wie Alpen eine durchaus ernste Lage entstehen kann, hat Küppers vor zwei Jahren erlebt, als einen Steinwurf von der Wache entfernt eine Frau niedergeschossen wurde. Küppers bekommt noch heute eine Gänsehaut, wenn er daran denkt, dass alles viel schlimmer hätte kommen können. "Ich kannte das Mädchen und den Täter. Ich wusste genau, wenn es nicht an diesem Tag passiert wäre, hätte er am nächsten Tag beim Straßenfest um sich geschossen. Das wäre eine Katastrophe geworden."

Alpen lässt Küppers aber auch im Ruhestand nicht ganz los. Zum einen wird er weiter die Fahrrad-Schulung an der Grundschule Zum Wald übernehmen und zum anderen selber hin und wieder mit dem Rad in die Gemeinde strampeln - in Zivil, ganz entspannt.

Quelle: RP
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