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Alpen
Der Dialog für Ausbildung hat begonnen

Alpen. Volksbank Niederrhein und Kreishandwerkerschaft bringen Unternehmer, Schulleiter und Lehrer an einen Tisch. Von Sabine Hannemann

Dieser Aufschlag wurde schon während der Veranstaltung als gut platziert bezeichnet. Eingeladen hatten zu so genannten Werkstattgesprächen ins Handwerkliche Bildungszentrum die Kreishandwerkerschaft Wesel und die Volksbank Niederrhein. Mit Gästen, zu denen Handwerker, Schulleitungen und Lehrerschaft gehörten, entwickelte sich schnell das Gespräch.

Im Kern drehte sich alles um die Frage, wie Schüler die verschiedenen Handwerksberufe besser kennenlernen können, und wie Vermittlerpositionen in dem Gefüge Schule, Lehrer, Eltern und örtliches Handwerk aussehen könnten, um gut und erfolgreich zu funktionieren. Klar formulierte der Moerser Günter Bode, Obermeister der Maler- und Lackierer-Innung des Kreises Wesel, das Dilemma, in dem sich aktuell das Handwerk befindet: Nachwuchskräfte fehlten, Betriebe fänden keine Nachfolger. Guido Lohmann, Vorstand der Volksbank Niederrhein, ergänzte: Die Zahl der Studenten liege bundesweit bei 2,7 Millionen, die der Auszubildenden bei 1,35 Millionen. 60 Prozent der Abiturienten nähmen ein Studium auf, die Abbrecherquote liege bei 40 Prozent. Günter Bode: "Diese Abbrecher finden aber nicht den Weg zum Handwerk." Verantwortlich für den Trend der Nivellierung auf dem Ausbildungsmarkt sei eine Schieflage im Bildungssystem und der Gesellschaft, sagte Lohmann. Das Abitur setze automatisch die Aufnahme des Studiums voraus. Ein weiterer Fehler im System Ausbildung sei, dass viele Betriebe nur Abiturienten nehmen. "Ich spreche von einem Akademisierungswahn und einer Fehlleitung", so Lohmann.

Während der Veranstaltung wurden die Schnittstellen zwischen Schule und Betrieb ausgemacht. Handwerker äußerten sich zu den Erfahrungen mit dem NRW-Schulprojekt "Kein Abschluss ohne Anschluss". Bemängelt wurde von Bode und anderen, dass der vorgesehene Praktikumstag im Handwerk völlig unzureichend sei und am Berufsalltag vorbeigehe. Knackpunkt: Schule bereite nicht genügend vor, ebenso kämen alternative Berufswege zu wenig zur Sprache. "Schule und Handwerk sind zu weit auseinander", hieß es.

Gemeinsam entwickelten die Anwesenden für unterschiedliche Zielgruppen nächste konkrete Schritte. Die differenzierten Sichtweisen von Schule und Handwerk sollen durch weitere Werkstattgespräche abgearbeitet werden. Eingeladen werden nach den Ferien auch die schulischen Elternvertreter und interessierte Eltern. Netzwerke und Kommunikation seien Dreh-und Angelpunkte, um die Jugend etwa über Apps und Facebook zu erreichen. Im Juli geht unter www.dialog-fuer-ausbildung.de eine neue Homepage an den Start, die Schülern berufliche Chancen mit Praktikums- und Ausbildungsplätzen anbietet.

Nach der Diskussion ging der rege Austausch weiter. Glasmeisterin Iris Büscher, Geschäftsführerin Glas Janssen in Moers, packte die Gelegenheit beim Schopf, und sprach mit Schulleitungen. "Wir haben alle das Problem, geeignete Kandidaten zu finden, so dass viele Möglichkeiten im Handwerk einfach ungenutzt bleiben. Die Idee, sich auf regionaler Ebene auszutauschen und zu arbeiten, finde ich total gut."

Infos bei Michael Passon, Volksbank Niederrhein, Telefon 02802 9101220.

Quelle: RP
 
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