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Rheinberg
Der Kämpfer gegen wilde Müllkippen

Rheinberg: Der Kämpfer gegen wilde Müllkippen
Blumenkübel, blaue Säcke, Autoreifen, Picknickrückstände, manchmal sogar das komplette Mobiliar einer Haushaltsauflösung - Hermann-Josef Heuvel hat bei seinen Streifzügen durch die Natur rund um Orsoy schon einiges erlebt. FOTO: Armin Fischer
Rheinberg. Hermann-Josef Heuvel ist land- und forstwirtschaftlicher Mitarbeiter der Steag und zuständig für den Raum Orsoy. Woche für Woche sammelt er wild entsorgte Hinterlassenschaften anderer ein. Seine Beobachtung: "Es wird schlimmer." Von Nicole Maibusch

Andere an seiner Stelle hätten vielleicht schon das Handtuch geworfen. Aber Hermann-Josef Heuvel will sich vom Frust nicht auffressen lassen. Jede Woche entfernt der land- und forstwirtschaftliche Mitarbeiter der Steag GmbH säckeweise Müll aus der Natur, den Mitmenschen dort wild entsorgt haben. Auf 510 Hektar Gelände zwischen Orsoy und Budberg, auf 728 Hektar Naturschutzgebiet Rheinaue Walsum und 468 Hektar am Kraftwerk Voerde ist Heuvel unterwegs. Und es gebe kaum ein Fleckchen, wo er keine Hinterlassenschaften findet, betont er.

Kleine Mengen Müll nimmt er mit dem Fahrrad mit, immer öfter aber muss er seinen Pickup einsetzen. "Das geht schon seit Jahren so, aber es wird schlimmer", so Heuvel. Von Schranken oder Verbotsschildern lassen sich die Leute schon lange nicht mehr aufhalten. Im Gegenteil: "Hinweisschilder wurden vor kurzem abgesägt, das habe ich sofort beim Dienstleistungsbetrieb der Stadt gemeldet", schildert der 61-Jährige. Die Antwort der Mitarbeiter sei allerdings ernüchternd gewesen: Dafür habe man kaum noch Zeit.

Autoreifen, Paintball-Kugeln oder Picknickrückstände - alles keine Seltenheit in der Natur rund um Orsoy. Sogar das komplette Mobiliar einer Haushaltsauflösung hat Heuvel hier schon gefunden. Den Verursacher hätte man sogar ausfindig machen können, ist der Land- und Forstwirt überzeugt. Denn in den Schränken fanden sich unzählige Kontoauszüge sowie diverser Schriftverkehr. "Deshalb bin ich direkt zur Polizei gegangen", erinnert sich der gelernte Berufsjäger. Passiert sei daraufhin nichts. Seine Anzeige habe sich allerdings nur wenig später als Boomerang erwiesen. "Prompt lag meinem Chef eine Anzeige auf dem Schreibtisch, weil wir den Müll nicht entsorgt haben, den andere dort abgelagert haben - das ist doch eine verkehrte Welt", berichtet Heuvel kopfschüttelnd. Er mag nicht verstehen, dass die zuständigen Behörden vielfach untätig bleiben. "Die Umweltsünder haben schlicht keine Konsequenzen zu befürchten", sagt Hermann-Josef Heuvel. Dennoch wird er nicht müde, entsprechende Delikte zur Anzeige zu bringen.

"Umweltschutz ja, aber bitte nur nach meinen Vorstellungen", fasst der Steag-Mitarbeiter das Verhalten mancher Zeitgenossen zusammen. "Wenn alle über ihr eigenes Verhalten nachdenken würden und ein bisschen darauf achten, was in der unmittelbaren Umgebung passiert, gäbe es weniger Müll in der Natur und uns wäre schon viel geholfen."

Quelle: RP
 
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