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Alpen
Der Kapitän sorgt sich jetzt ums Gemüse

Alpen: Der Kapitän sorgt sich jetzt ums Gemüse
Lothar Bode hat sich als "Dienstleister der Kinder" gesehen, der dafür Sorge trug, dass sich "alle wohlfühlen und gut entwickeln". FOTO: Armin Fischer
Alpen. 18 Jahre hat Lothar Bode die Grundschule in Veen geleitet. Morgen wird er offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Die Kinder sagen ihm in der nächsten Woche Tschüss. Von Bernfried Paus

In seiner Schule dürfen Kinder Fehler machen. So steht es ausdrücklich an der Wand, an der jeder vorbei muss, der zum Büro von Lothar Bode (63) möchte. Den Rektor der Veener Grundschule findet man hier nur noch bis zum Beginn der großen Ferien. Der mutmachende Lehrsatz wird ihn bestimmt überdauern. Der Pädagoge verabschiedet sich nach vier Jahrzehnten Schuldienst in den Ruhestand - statt um die Kinder will er sich künftig vor allem um das Gedeihen der Pflänzchen in seinem Garten kümmern und "ein paar Reihen Kartoffeln mehr setzen".

Der Garten ist eine weitere Leidenschaft, die er mit seiner Frau Angela teilt. Damit sich hier das vorhandene Potenzial voll entfalten kann, herrscht Arbeitsteilung: Sie kümmert sich um die Blumen, er um das Gemüse. Die Rheinbergerin, die der Mann aus Erntebrück im Studium in Siegen kennengelernt hat, war ebenfalls Grundschulleiterin - im gemeinsamen Wohnort Menzelen. Sie ist ihm vor drei Jahren in die Pension vorangegangen.

18 Jahre war Lothar Bode Leiter der kleinen Schule in Veen, die er mit einem Schiff vergleicht, dass er als "Kapitän mit einer kompetenten Mannschaft und Weitsicht durch alle Winde sowie sämtliche pädagogischen und politischen Untiefen" gesegelt hat. Nun geht der erfahrene Kapitän von Bord in der guten Gewissheit, dass das Schiff auch ohne ihn Kurs hält - egal, wie es heißt oder wer auf der Kommandobrücke steht. Er freue sich, dass die Schule im Krähendorf bleibt. Die Veener Grundschule mit ihren rund 100 Schülern wird vom neuen Schuljahr an Filiale der Wilhelm-Koppers-Schule Menzelen.

Der scheidende Rektor hat auf seinem Törn viele Klippen erfolgreich umschifft, ist pädagogischem Reformeifer stets mit gebotener Skepsis begegnet, ohne sich neuen Dingen zu verschließen. Im Gegenteil. Die Richtschnur des Praktikers hieß Bodenhaftung und die Überzeugung, "dass ich als Dienstleiter für das Wohl der Kinder da bin".

So hat das Tablet längst Einzug gehalten in den Unterricht. "Damit lassen sich tolle Sachen machen. Mit den Geräten kann man viel individueller, abgestimmt auf die persönlichen Bedürfnisse und Fähigkeiten arbeiten als mit einer digitalen Tafel, die eigentlich ein Rückfall in die Zeit des Frotalunterrichts bedeutet", so Bode, der Naturwissenschaften und evangelische Religion studiert hat. Als Mann mit Visionen habe er sich bemüht, pädagogisch über den Tellerrand hinauszublicken. "Es ist gut, zu schauen, wie's andere machen", erzählt der Mann, der zwischenzeitlich am Studienseminar vier Jahre lang Lehrernachwuchs ausgebildet hat.

In diesem "Durchlauferhitzer" musste er sich mit Dingen auseinandersetzen, die die jungen Lehramtsanwärter von der Uni mitbrachten. Der so ruhige Lothar Bode gerät ins Schwärmen, wenn er vom Comeniusprojekt erzählt, das ihn unter anderem nach England führte. Auf der Insel habe er erlebt, wie Kinder am Ende der Woche in der Vollversammlung aller Klassen wie selbstverständlich vortrugen, womit sie sich zuletzt befasst hatten. Das habe ihm so gut gefallen, dass er seine Kollegen in Veen überzeugt hat, das Modell in abgewandelter Form zu übernehmen.

"Ich habe mich bemüht, mit dem Feuer, das in mir brennt, andere anzustecken." Nicht immer sei der Funke übergesprungen. Aber die Kinder, die im Krähendorf zur Schule gegangen sind, können nicht nur lesen, schreiben und rechnen. "Sie haben auch gelernt, wie selbstverständlich vor vielen Zuhörern zu sprechen", so Bode. "Das hätte ich mir in dem Alter nie getraut."

Er ist dankbar, dass das Team - mit Kollegen, Ganztags-Leuten, Ehrenamtlichen insgesamt mehr als 20 Köpfe stark - so engagiert und kompetent mitgezogen hat, "um gemeinsam das umzusetzen, was wir uns vorstellen konnten". Die Kinder, findet Bode, hätten sich in den vier Jahrzehnten, in denen er an Bord des Schiffes mit der wertvollen Fracht mitgesegelt ist, nicht verändert - nicht wesentlich jedenfalls. "Jedes Kind ist sowieso anders", sagt er nach kurzem Nachdenken. Im Grunde seien die Kinder auch in einer Zeit, in der Kreide in der Schule auf dem Rückzug ist, "Kinder geblieben, die sich begeistern lassen für die Dinge des Lebens". Gut so.

Quelle: RP
 
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