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Rheinberg
Der lange Weg zu sauberem Wasser

Rheinberg: Der lange Weg zu sauberem Wasser
Millionen von Bakterien ernähren sich vom Schmutz im Abwasser - und reinigen es dabei. FOTO: Fischer
Rheinberg. In drei Stufen wird das Wasser in der Kläranlage gereinigt. Wie das geht, erfuhren Teilnehmer einer Führung durch die Anlage an den Momm. Von Alexander Florié-Albrecht

Wie funktioniert eigentlich unsere heimische Kläranlage? Damit befassten sich die Teilnehmer einer Veranstaltung der Volkshochschule. Wolfgang Kühn von der Lineg und Veit Bücken führten die Teilnehmer über das Gelände der Kläranlage an den Momm. Die Veranstaltung hatte Elisabeth Keggenhoff organisiert, Fachbereichsleiterin für Umweltbildung und Verbraucherfragen an der VHS.

Auf einer Karte zeigte Kühn den Weg des Mischwassers, das über die verschiedene Zubringerpumpanlagen in Alpen, Ossenberg und dem Sodawerk Rheinberg sowie dem Regenüberlaufbecken in Rheinberg ankommt. "Die Solvay hat eine eigene Kläranlage", erläuterte er.

Die Abwasser würden über das Zulaufschneckenpumpwerk zunächst einem Filterbandrechen zugeführt, um die Feststoffe aus dem Schmutzwassser zu entfernen. "Das Ende eines Fußballspiels, das kann man hier sehen", ergänzte Bücken an dem Pumpwerk. "Und bei Starkregen ist hier wirklich Kirmes."

Danach durchfließe das Abwasser einen belüfteten Sandfang. "Am Boden der Rinne wird es schmaler, da wird Luft eingeblasen, dadurch verringert sich das Gewicht und der Auftrieb, der Sand und ähnliche Stoffe fallen runter", sagte Kühn. Über ein Rohr werde der Sand dann abgeleitet, Fett und andere Stoffe würden von der Oberfläche der Fettfangkammer entfernt, gesammelt und entsorgt.

Anschließend ging die Führung weiter zum biologischen Reinigungsprozess an den großen Klärrundbecken, wo "40 bis 50 Prozent der Schmutzstoffe durch Bakterien entfernt werden", sagte Kühn. Über Belüftungsteller komme der Sauerstoff, den die Bakterien zum Leben bräuchten. "Das ist dieser schleimige Film auf dem Wasser - Millionen oder sogar Milliarden von ,Arbeitern', die sich vom Schmutz des Wassers ernähren", zeigte er anhand von großen Reagenzgläsern den Unterschied von verschmutztem und gereinigtem Wasser. Im zweiten Rundbecken vollziehe sich dann die biologische Feinreinigung mit Nachklärung, sagte der Lineg-Experte.

Die Gefahr, dass durch den Eintrag toxischer Stoffe die Bakterien geschädigt werden könnten, bestehe immer, so Kühn. "Im schlimmsten Fall kippt die Anlage um, und die Bakterien sind tot."

Vor acht Jahren habe mal jemand einen Dieseltank-Reststoff in den Kanal geleitet, so Bücken. Aber man kriege das über Benzolmessgeräte und Störungsanzeigen mit, könne die Anlage stoppen. "Und dann müssen wir mit Tankwagen neue Bakterien holen."

Auch der Aspekt des Eintrags von Stoffen wie Parfüm, Umweltchemikalien oder Fahrbahnabrieb wurde thematisiert. "Das sind verschwindend kleine Konzentrationen - so viel wie ein Stück Zucker im Bodensee", relativierte Kühn das Risiko für den Menschen und das Trinkwasser. Für Mikroorganismen in einem Bach sehe das aber anders aus, und bei Fischen habe man schon eine "Verweiblichung" durch die Anti-Baby-Pille nachgewiesen. "Eine vierte Reinigungsstufe wird da sicherlich irgendwann kommen", prognostizierte er.

Anschließend zeigten die beiden Experten den Gästen noch die beiden großen Faultürme, wo der überschüssige Rohschlamm 28 Tage aufgeheizt wird, dann entwässert und in einer externen Verbrennungsanlage thermisch entsorgt wird, und das Blockheizkraftwerk, dessen Generatoren auch durch das bei der Faulung entstehende Gas angetrieben werden.

Die Besucher zeigten sich von dem Vortrag beeindruckt. Der elfjährige Cedric aus Ossenberg hatte das Thema in der Schule. "Jetzt weiß ich mehr", fiel ihm leicht zu sagen, was ihn am meisten fasziniert hatte. "Die Sache mit den Bakterien."

Quelle: RP
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