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Rheinberg
Der Mann, der die Vögel erklärt

Rheinberg: Der Mann, der die Vögel erklärt
Karl-Heinz Gaßling ist ein begeisterter Erzähler und profunder Kenner der Vogelwelt. FOTO: RP-Foto. Armin Fischer
Rheinberg. Karl-Heinz Gaßling hat 41 Jahre lang VHS-Kurse gegeben, jetzt hört er auf. Von Erwin Kohl

"Karl-Heinz Gaßling ist im positiven Sinne ein Dinosaurier. Er ist der einzige Kursleiter, der seit Bestehen der Volkshochschule für uns tätig ist", erklärt Jens Korfkamp, Leiter des heutigen VHS-Zweckverbandes Alpen-Rheinberg-Sonsbeck-Xanten. Den gab es im Oktober 1976 noch nicht, als Gaßling seinen ersten Lichtbilder-Vortrag mit dem Titel "Wintervögel am Niederrhein" anbot, weshalb der Gründer der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft seine Kurse damals in den anderen Ortschaften wiederholen musste.

"Seine Spezialität waren Exkursionen durch Rheinberg und Umgebung. Die erfreuten sich in den 41 Jahren stetig steigender Beliebtheit und haben gezeigt, dass die Qualität stimmt", so Korfkamp. Auf die Idee, den Menschen die Vogelwelt näherzubringen, kam der pensionierte Grundschul-Rektor bei der Arbeit: "Die Kinder kann man mit der Vogelkunde regelrecht begeistern, ich habe das unheimlich gerne gemacht. Sie durften mich löchern, keine Frage war zuviel."

Für Korfkamp liegt genau darin das Erfolgsgeheimnis: "Mit seinem pädagogischen Hintergrund wusste er immer genau, wie er die Menschen mitnehmen konnte. Außerdem trifft man so viel Fachkenntnis und Engagement zusammen selten an."

Dass Gaßling nun im Alter von 84 Jahren in den endgültigen Ruhestand geht, kann Korfkamp nur zu gut verstehen. Zumal der Hobby-Ornithologe mit Johannes Schwerdt bereits einen fähigen Nachfolger vorgestellt hat. Sein gesamtes Wissen hat Gaßling mit seiner Frau Gerda in zwei dicken Büchern niedergeschrieben. Mit einem Grußwort von Bürgermeister Frank Tatzel versehen liegen die jetzt im Stadtarchiv zur Einsicht bereit. Gaßlings Lieblingsvogel ist übrigens die Uferschwalbe. "Obwohl sie von der Farbe nicht viel her gibt. Davon habe ich schon 10. 000 in der Hand gehabt, 30.000 davon beringt. Dadurch wissen wir, dass die Uferschwalbe im westafrikanischen Mali überwintert", so Gaßling. Der faszinierendste Vogel aber ist für den Experten der Mauersegler: "Er ist ein Phänomen, verbringt sein gesamtes Leben in der Luft. Am Abend steigt er in eine Höhe von 2000 Metern und in der Nacht segelt er die ab."

Mit Sorge beobachtet Karl-Heinz Gaßling, dass immer mehr Arten wie etwa der Haussperling bedroht sind und die Menschen nicht verstehen, warum das so ist. "Viele glauben, es sei genug Lebensraum für die Tiere vorhanden. Aber Lebensraum alleine reicht nicht. Es muss dort auch was zu holen sein und das ist schwierig, wenn es zunehmend glatt gemähte Rasen und immer weniger Wildkräuterbeete gibt, in denen sich Insekten wohlfühlen." Auch der Mauersegler findet sich kaum noch in heimischen Gefilden. Dabei war Rheinberg mal so etwas wie die Hauptstadt dieser Vögel. "Der Underberg-Turm war das Hotel der Mauersegler, in jedem Spalt befand sich ein Nest. Heutzutage wird alles zugemauert und abgedichtet, damit nimmt man ihnen den Lebensraum."

Zum Abschied überreichte Jens Korfkamp seinem treuesten Lehrer einen Blumenstrauß. Ganz aufgeben möchte Karl-Heinz Gaßling sein Hobby allerdings nicht: "Meine Sonntagsexkursionen werde ich ohne Rücksicht auf die Wetterlage beibehalten."

Quelle: RP
 
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