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Rheinberg
Der Schützenpräsident zieht sich zurück

Rheinberg: Der Schützenpräsident zieht sich zurück
17 Jahre Präsident, 40 Jahre im Vorstand: Karl Hoffmeyer freut sich auf das letzte Orsoyer Schützenfest unter seiner Führung. FOTO: Armin Fischer
Rheinberg. Karl Hoffmeyer ist das Gesicht und der Macher des Orsoyer Bürgerschützenvereins. Jetzt ist er 70 und gibt sein Amt in jüngere Hände. Von Uwe Plien

Wenn man Karl Hoffmeyer fragt, was ihm der Bürgerschützenverein Orsoy bedeutet, zögert er nicht eine Sekunde. "Mein erstes, mein zweites und mein drittes Hobby", sagt er wie aus der Pistole geschossen und voller Überzeugung. Wer Hoffmeyer kennt, der weiß: Die 1551 gegründete Schützen-Gilde war nicht selten ein Full-Time-Job für den Präsidenten. Dieses Amt bekleidet der Ehrenamtler seit nunmehr 17 Jahren. Vor 40 Jahren wurde er erstmals - als Hauptkassierer - in den Vorstand gewählt. Seit einem halben Jahrhundert gehört er dem einzigen Orsoyer Schützenverein an. "Früher war das Usus: Mit 18 ging man in den Verein."

Doch nun soll Schluss sein - nach dem Schützenfest. Jedenfalls als Präsident. "Ich bin im Mai 70 geworden", sagt Karl Hoffmeyer. "Noch bin ich fit und nicht senil und kann selbst entscheiden, wann ich gehe. Ich möchte Platz machen für die nächste Generation." Leicht fällt ihm das nicht, das räumt er gerne ein, "aber ich werde konsequent sein und mich nicht mehr einmischen. Aber selbstverständlich halte ich dem Verein die Treue und stehe immer zur Verfügung, wenn mein Nachfolger Fragen hat."

Dieser Nachfolger, das könnte Andreas Blumenstängel sein. Der ist Anfang 40, also im richtigen Präsidenten-Alter, ist als Geschäftsführer bereits Mitglied des Vorstands, und er hat schon signalisiert, bei der Mitgliederversammlung im November kandidieren zu wollen.

Karl Hoffmeyer ist in Orsoy fest verwurzelt. Die Mutter stammt aus dem Festungsstädtchen, der Vater zog aus dem Ostwestfälischen dorthin, weil er in der Zigarrenfabrik Kirking an der Kommandanturstraße (dort wurde noch bis 1950 produziert) Arbeit fand.

Hoffmeyer, seit 44 Jahren mit seiner Frau Waltraud verheiratet und Vater einer erwachsenen Tochter sowie Opa eines Enkels, wohnt heute am Orsoyerberg. In Orsoy geboren, in Orsoy zur Schule gegangen - einmal Orsoyer, immer Orsoyer. Er lernte Bankkaufmann und arbeitete später in der Stahlbranche in führender Position. 2007 ging er in den Vorruhestand. "Ich hatte wahnsinniges Glück mit meinen Arbeitgebern", so der Noch-Vorsitzende. "Ich hatte lange ein Home-Office und meine Vorgesetzten hatten nichts dagegen, wenn ich mich um den Verein kümmerte. Solange ich meine Arbeit vernünftig erledigte, natürlich."

So stand er den Bürgerschützen stets zur Verfügung. Und daher weiß er auch: Vorstandsarbeit heißt vor allem Arbeit. "Man wird an dem gemessen, was man tut. Aber wenn man etwas tut, bekommt man auch unglaublich viel Resonanz. Das ist schön."

Allerdings gibt es Dinge, die auch der fleißigste Präsident nicht ändern kann. "Die Mitgliederentwicklung macht mir Sorgen", so Hoffmeyer. "Momentan haben wir 390 Schützen im Verein, es waren aber schon mal über 500." Die Zeiten haben sich geändert. Früher sei niemand in Urlaub gefahren, wenn das Schützenfest stattfand. Heute hingegen werde es schwieriger, Männer zu finden, die bereit seien, sich im Verein zu engagieren. "Unsere Veranstaltungen werden gut besucht, aber binden will sich kaum noch jemand." Zeit für Urlaube und die Familie sei oftmals wichtiger als der Schützenclub.

Karl Hoffmeyer hat in seiner Amtszeit einige Dinge in Bewegung gebracht. Das Schützenblatt etwa mit Rätsel und Fragen zum alten Orsoy sei zu einer beliebten Institution geworden. Das Ostereiersuchen ist hinzugekommen, und die jährliche Kirmes haben die Schützen in Eigenregie fortgeführt, als die Stadt dieses Angebot aufgab. Zu tun gab und gibt es genug: das Schützenfest alle zwei Jahre, einmal im Jahr das Oktoberfest, die Rheintorpflege. "Wichtig ist, dass man immer das Ohr bei den Menschen hat", so der 70-Jährige. "Man muss bürgernah sein und bereit sein, Dinge aufzugreifen und zu ändern. Man muss einsehen, dass sich die Zeiten ändern. Gleichzeitig muss man die Tradition beibehalten. Das ist schon eine schwierige Gratwanderung."

Wenn Karl Hoffmeyer geht, geht er nicht allein. Auch sein Stellvertreter Peter Dirk hört auf, ebenso Hauptkassierer Martin Strohscheidt, der Hauptmann der 2. Kompanie, Jürgen Schade, und die Beisitzer Jürgen Sander und Dietmar Bruckmann.

Doch jetzt wird erst einmal das Schützenfest gefeiert. Am Montag soll sich entscheiden, wer neuer König in Orsoy wird. Wenn dann jemand neuer König wird: "Bis jetzt hat sich noch kein Aspirant gemeldet", so der Präsident, der selbst auf keinen Fall vortreten will: "Ich bin zwar überzeugter Schützen, aber Schießen ist nicht meine Sache. Ich mache den Eröffnungsschuss - mehr nicht."

Quelle: RP
 
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