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Alpen
Der Tausendsassa von der Bönninghardt

Alpen: Der Tausendsassa von der Bönninghardt
Herbert Oymann hat bereits viele Ämter, Positionen und Posten innegehabt - nun wurde er vom Alpener Rat zum Ortsvorsteher von Bönninghardt verpflichtet. FOTO: Armin Fischer
Alpen. Herbert Oymann ist der neue Ortsvorsteher des 1698-Seelen-Dorfs. Seiner Frau gefällt das allerdings gar nicht. Dennoch will der 68-Jährige sein Amt mit Leidenschaft und Elan ausüben. Von Heidrun Jasper

Er ist 68 Jahre jung, macht eigenen Angaben zufolge die besten Putenrouladen der Welt, sitzt seit 18 Jahren für die CDU im Gemeinderat, ist 28 mal den Marathon gelaufen, trinkt gerne mal ein frisch gezapftes Bier, zieht dreimal die Woche im Alpener Hallenbad seine Bahnen und steigt erst nach 1700 Metern aus dem Wasser - und er hat seit dem 10. April, 18.05 Uhr (wir berichteten) einen neuen "Job": Herbert Oymann wurde in der Ratssitzung am Dienstag als neuer Ortsvorsteher von Bönninghardt verpflichtet und tritt damit die Nachfolge des im Dezember verstorbenen Rüdiger Kootz an.

Etwas mulmig dürfte ihm schon gewesen sein, als er zu später Stunde heimkehrte zur Ehefrau ins schmucke Haus neben dem Waldspielplatz, in dem sie seit 1979 leben. Denn seine Frau, mit der er seit fast 45 Jahren verheiratet ist und zwei Töchter hat, "ist dagegen", dass er Ortsvorsteher wird, erzählt der Mann, der außer im Mütter- und Taubenverein eigentlich schon in jedem Verein war oder noch ist. "Ich möchte nicht die Hillary Clinton von der Bönninghardt werden", soll sie gesagt haben. Davon unbeeindruckt nahm Herbert Oymann das Amt trotzdem an, im Gegenzug gab er eine Stunde später nach 16 Jahren den Vorsitz bei der Leichtathletikgemeinschaft Alpen ab, die er mitbegründet hatte und bei der er 20 Jahre Geschäftsführer war. Ach ja: In zwei Jahren will der Mann, der früher beim Fußball der einzige war, "der die Ecke schießen konnte und den Ball dann selber reingeköpft hat", auch sein Ratsmandat abgeben.

Wer Herbert Oymann nicht kennt, hat vielleicht nicht gerade die Welt verpennt. Aber es dürfte kaum jemanden auf der Bönninghardt und im weiteren Umkreis geben, der mit dem Namen nichts anzufangen weiß. Von Haus aus Industriekaufmann (seine Lehre hat er bei Reichel gemacht), hat Herbert Oymann 19 Jahre und drei Monate bei Aumund in Rheinberg gearbeitet, zuletzt als Personalleiter. Im April 1990 wechselte er zur Firma Lemken in Alpen, war dort bis zu seinem Ruhestand am 30. Juni 2009 Personalchef und hat 25 Jahre im Prüfungsausschuss der IHK gesessen.

"Ich habe viel Glück im Leben gehabt, das will ich zurückgeben", begründet Herbert Oymann sein Engagement für Bönninghardt. Und er hat auch schon Visionen, kann sich eine Tankstelle mit Imbiss und Bäckerei an der Bönninghardter Straße gut vorstellen. "Hier fahren jeden Tag 8000 bis 10.000 Autos lang, das rechnet sich doch für einen Investor." Außerdem brauche der Ort einen Radweg von der Gaststätte Thiesen zur Winnenthaler Straße. Und man müsse junge Menschen nach Bönninghardt holen, ihnen Baugrundstücke anbieten, zum Beispiel am Heideweg. "Mensch, wo kann man denn hier bauen?", werde er öfter angesprochen, wenn er mal wieder unterwegs ist im 1698-Seelen-Ort mit den zwei Kirchen und je 50 Prozent Katholiken und Protestanten.

Feste Daten gibt es auch im Leben von Herbert Oymann. Einer ist das Heidefest, das am 25. August zum fünften Mal gefeiert wird und bei der diesmal eine Band aus den Niederlanden Musik macht, die er zufällig beim Weinfest in Boppard kennengelernt hat. Ein zweiter ist der Freitag nach dem 3. November, der Todestag seines Vaters. Den halten sich Herbert Oymann und seine sechs Brüder und zwei Schwestern und die inzwischen 94-jährige Mutter frei. Jedes Jahr. "Das ist der Tag der deutschen Oymanns - das schreiben Sie jetzt aber nicht, oder?", sagt er und lacht.

Doch, das schreiben wir. Und könnten noch viel mehr schreiben über den Tausendsassa von der Bönninghardt. Der seit rund 50 Jahren beim Karneval in der Bütt steht, absolut textsicher "Highway to Hell" von AC/DC singt, Musik der Rolling Stones und gute Schlager sowie Stiere und Schweine mag und auch schon mal den Räuber Brinkhoff bei einer Theateraufführung gegeben hat.

Quelle: RP
 
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