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Rheinberg
Der Wunderpianist

Rheinberg: Der Wunderpianist
Pianist Zhi Chao Julian Jia am Bösendorfer-Flügel in der Stadthalle. Der junge Musiker begeisterte die Zuhörer. FOTO: Herbert Mertens
Rheinberg. Der aus China stammende Zhi Chao Julian Jia faszinierte zum zweiten Mal das Publikum in der Rheinberger Stadthalle. Die Musikalische Gesellschaft hatte den 24-Jährigen eingeladen. Von Udo Spelleken

In der Stadthalle gastierte der aus China stammende Zhi Chao Julian Jia in einem abwechslungsreichen und virtuosen Klavierkonzert. Bereits im Jahr 2010 war der damals 19-Jährige zu Gast der Musikalischen Gesellschaft. In den letzten Jahren hat der Pianist, der bereits mit fünf Jahren in seiner Heimat als Wunderkind galt, internationale Förderpreise und Auszeichnungen erhalten.

Mit schulterlangem schwarzen Haar, hochgewachsen und schlank, fast zierlich, setzte sich der 24-Jährige an den Bösendorfer-Flügel und eröffnete unvermittelt mit geschmackvollen Verzierungen, fein ausgehörten dynamischen Kontrasten, perlendem Klang die Sonaten G-Dur und f-Moll von Domenico Scarlatti und ließ eigentlich keine Wünsche offen. Scarlatti auf einem modernen Konzertflügel? Historisch korrekt mag das nicht sein, aber erfreulich anzuhören war es durchaus. Interpretatorisch überzeugte Zhi Chao Julian Jia aufgrund seines erfrischend lebhaften, sehr expressiven Temperaments.

Mit der Sonate K 433 gelang ihm ein hervorragender Einstieg. Das feinfühlige Gespür für den besonderen musikalischen Ausdruck neapolitanischer Kompositionen, feurig, energiegeladen, aber dennoch gleichermaßen sehr gefühlvoll und sensibel, scheint sich im Spiel des jungen Pianisten fortzusetzen. Als Meister der leisen Töne interpretierte er die "Drei Klavierstücke" D 946 von Franz Schubert. Besonders fiel hier die extreme Agogik auf. Ruhig und poetisch wirkte das erste Stück in es-Moll, die Melodie war stets klar artikuliert. Der Mittelteil des zweiten Stückes in Es-Dur war, nach ruhigem Beginn, plötzlich sehr schnell, was den Kontrast zu den Rahmenteilen betonte. In diesem und dem zweiten Mittelteil in es-Moll wählte Julian Jia ein moderates Tempo, das jedoch stark schwankte. Insgesamt bildete diese Interpretation einen extremen Gegensatz zu den Deutungen, die in diesen Stücken besonders die virtuose Geläufigkeit hervorhob. Der "Walzer As-Dur" von Frédéric Chopin wirkte melodie- und klangbetont. Er vermittelte ein Bild der Zeit, der Stimmung der Pariser Salons. Geistreich und gefühlsbetont spielte Julian Jia diesen Walzer, wobei das Spektrum von Melancholie bis zum feinsinnigen Humor reichte. Die instrumentalen Klangfarben, hervorgerufen durch Ravels vertrackte Harmonik, wurden in Maurice Ravels "Sonatine" überzeugend umgesetzt. In einer schieren Klangfarbenpracht setzte Julian Jia in der filigranen Sonatine sachte betonte Bässe gegen die glockenhellen Oberstimmen. Mit untrüglichem Farbgefühl offerierte er zum Abschluss Chopins "Barcarolle Fis-Dur" mit beträchtlicher Sensibilität und nuancenreicher Leuchtkraft.

Quelle: RP
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