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Alpen
Der Wunsch nach Wohnlichkeit

Alpen: Der Wunsch nach Wohnlichkeit
FOTO: felixx
Alpen. Das Büro Felixx aus Rotterdam hat in der Dorfwerkstatt seine Pläne zur Umgestaltung des Dorfkerns in Alpen erstmals öffentlich vorgestellt. Die Reaktion war kritisch-konstruktiv. Beim Spargelmarkt sollen die Möbel präsentiert werden. Von Bernfried Paus

"Komm lasst uns Dorfwerkstatt machen!" Dem freundlichen Appell von Viktor Illenseer sind rund 30 Leute im Foyer des Ratsaales, darunter weniger als ein Drittel Politiker, bereitwillig gefolgt. Und die Werkstatt in Alpen ist ihrem Anspruch, Sichtweisen zu verändern und auch mal den Blick von außen aufs Dorf gelten zu lassen, ohne Abstriche gerecht geworden. Männer und Frauen hörten und sahen aufmerksam zu, was die Landschaftsarchitekten vom Siegerbüro Felixx aus Rotterdam ihnen vorschlugen - das kleine "Wohnzimmer Alpen" neu zu möblieren, um es den Alpenern und ihren Besuchern behaglicher zu machen. Dabei gab's manche Überraschung mit weiter gewöhnungsbedürftigen Ideen.

Aber die schroffe Abwehr, die die neuen Möbel seinerzeit in der Politik hervorgerufen hat, scheint verflogen. Das Unerwartete hat sich gesetzt, die Bereitschaft, sich jenseits von Geschmacksvorstellungen von der Stange zu bewegen, scheint deutlich größer geworden zu sein. Der Spaß am Einrichten, das war spürbar, ist zurück. Doch es bleibt spannungsreich. Zumal verhaltenen formulierte Kritik daran erkennbar bleibt, dass bürgerschaftliche Beteiligung auf die Bereitschaft beschränkt bleibt, sich auf die vorgeschlagenen Möbel einzulassen. Eine Auseinandersetzung und (Aus)Wahl wird es nicht geben. Es blieb bei dem gut gemeinten Rat, es bei den nächsten Schritten "dialogischer anzugehen", um Konflikte zu minimieren und die Leute mehr mitzunehmen.

Felixx-Landschaftsarchitekt Michiel van Driessche erläuterte auf Englisch, dass es sich bei der Umsetzung seines Siegerentwurfs zum Stadtumbau nicht um eine radikale Operation handeln würde, sondern um den Versuch, das Gute zu bewahren und gestalterisch so aufzuwerten, dass die Aufenthaltsqualität im Ort steigt - "ein zentraler Ort mit starkem Charakter, wo man sich gerne trifft und einkaufen geht". Seine Kollegin, die Österreicherin Ulrike Jägert, übersetzte seine Ausführungen, damit auch jeder genau verstand, was gemeint war.

Erster Baustein von insgesamt neun Maßnahmen des Gesamtentwurfs soll die Ausgestaltung des Rathausplatzes sein, der mit der danach geschaffenen und entlang der frei gelegten Alpschen Ley angebundenen Neuen Mitte auf der Burgstraße eine Einheit bilden soll. Michiel van Driessche erläuterte das Leitbild, das sein Büro mit "sehr viel Liebe zum Detail und zu unserem Ort ausgestaltet", wie Walter Adams voller Wertschutzung sagt. Man gehe es an, Alpens gute Stube, so van Driessche "wie ein Wohnzimmer" wohnlich zu machen: "Zeitlos, klassisch, nicht extravagant hipp, sondern so, dass es lange gefällt und ein starkes Ortsgefühl erzeugt". So weit die Philosophie. Während die Möbel - Bänke, Laternen, Fahrradständer, Papierkörbe, Blumenkübel - zumindest zeichnerisch weitgehend bekannt sind, sorgt der favorisierte "Teppich" ganz sicher für Erstaunen. Das Wegepflaster nimmt zwar heute Vorhandenes auf, bringt es aber, "in einer Sprache bleibend", in einen ganz neuen Zusammenhang.

Die Farben schwanken von Rot nach Gelb und zeichnen den Weg für Autos (Rot) und Fußgänger (Gelb) vor - allerdings nicht säuberlich abgetrennt, sondern auf sich teils überlappenden Schnittmengen. Die Optik wird nach außen hin "immer gelber". So entsteht ein rechts pixeliges Bild, das exakt programmiert und vorproduziert, nicht teurer werden soll als herkömmliches Straßenpflaster. Die Belastbarkeit für die nächsten 25 Jahre sei sichergestellt, zumal der Autoverkehr - so ist der Plan - nur noch in Schrittgeschwindigkeit durch den Ort rollen soll.

Bilder von guten Beispielen - wie in Amsterdam - sollen bei der Überzeugungsarbeit helfen. Vielleicht wird beim Blumenfest eine Probefläche gepflastert, um das Bild runder zu machen. Die neuen Möbel sollen beim Blume- und Spargelfest am Sonntag, 29. April, begreifbar präsentiert und ausprobiert werden können. Das Risiko, dass die 10.000 Euro, die die Schauobjekte kosten, in den Sand gesetzt sind, schätzt Fachbereichsleiter Walter Adams als "überschaubar gering" ein. Die Modelle könnten übernommen werden - wenn sie denn nicht durchfallen.

Für die Pflanztröge, die als Hingucker dem Rathausplatz die öde Wucht nehmen, zugleich aber dessen Mulitifunktionalität bewahren sollen, gibt es ein überarbeitetes Konzept.

Sie sind nur noch 1,20 Meter hoch und wiegen bei einem Durchmesser von 1,60 Metern mit zwei Tonnen nur noch die Hälfte der Ursprungsvariante. Ein Gabelstapler kann sie bei Bedarf versetzen, ohne Schaden anzurichten. Zum Programm beim Spargelfest gehören auch geführte Wanderungen zu den anderen Schauplätzen, wo Alpen künftig attraktiver werden soll. Hier wollen die Planer genau hinhören, um ein noch besseres Gespür für das zu bekommen, was sich die Alpener vorstellen. Und Gewinner soll's geben beim Blumenfest: für die besten Vorschläge für ein identitätsstiftende s Logo und einen Schriftzug für den Stadtumbau.

Die Gewinner sollen beim Abschlussfest gefeiert werden. Die Aufbruchstimmung ist zurück. Die exklusive Möblierung ist durchdacht und fein abgestimmt. Die Leitidee: Die Felixx-Planer wollen nicht einfach einen Ortskern umbauen, sondern ihn wie ein Wohnzimmer behaglich machen.

Quelle: RP
 
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