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Rheinberg
Die englische Brieffreundin

Rheinberg: Die englische Brieffreundin
Union-Jack-Fähnchen auf dem Tisch und den ersten Brief aus dem Erinnerungskarton gefischt: Ingrid Tatzel (2.v.l.) und Jane Pendlebury sind seit 34 Jahren Brieffreundinnen. Mit dabei: Frank Tatzel (li.) und Alan Pendlebury. Auch die beiden Herren verstehen sich gut. FOTO: Armin Fischer
Rheinberg. Ingrid Tatzel, die Ehefrau des Rheinberger Bürgermeisters, schreibt sich seit 34 Jahren mit Jane Pendlebury. Jetzt sind die 51-jährige Britin aus Manchester und ihr Mann Alan zu Gast bei den deutschen Freunden in Wallach. Von Uwe Plien

"Dear Ingrid! My name is Jane." Das sind die ersten Worte in einem Brief, den Jane Pendlebury am 21. Oktober 1982, also vor 34 Jahren, an Ingrid Tatzel aus Wallach schickte. Sie hat diesen Brief bis heute gut aufbewahrt. Er war der Beginn einer - die Älteren werden sich erinnern - Brieffreundschaft, die bis heute währt. Seit gestern nun sind die inzwischen 51-jährige Jane und ihr Ehemann Alan Pendlebury zu Gast bei Familie Tatzel in Wallach.

Frank Tatzel, ganz Bürgermeister, hatte eine kleine Tischflagge mit dem Union-Jack-Symbol auf den Terrassentisch gestellt. Schließlich sollen sich die Gäste aus Chester bei Manchester im Norden Englands am Niederrhein wohlfühlen. Und das tun sie ganz offensichtlich: "Wir freuen uns sehr, unsere Freunde zu sehen, wir genießen das schöne Wetter und die Umgebung", sagt Jane Pendlebury, die gesteht: "Ich hatte zwar Deutsch in der Schule, aber viel kann ich nicht mehr."

Sei's drum. Bei den Tatzels spricht man Englisch. Die beiden erwachsenen Kinder sowieso, und Ingrid Tatzel, Rheinbergs "First Lady", erzählt, dass sie durch die lange Freundschaft mit Jane die Sprache gut gelernt habe.

Und der Bürgermeister? "Ich habe eine Zwei auf dem Abschlusszeugnis der Realschule", berichtet er und fügt mit einem Schmunzeln hinzu: "Das kann ich Ihnen gerne zeigen." Dennoch sei Englisch in der Schule alles andere als sein Lieblingsfach gewesen - "Naturwissenschaften lagen mir eher". Sehr wohl hat er jedoch das Lob der Freundin von der Insel registriert: "Your English is very good, Frank!"

So ist die Stimmung bestens an diesem Nachmittag im Garten an der Hochfeldstraße. Ein Tässchen Kaffee und natürlich Tee für Alan, den Briten und überzeugten ManU-Fan. Serviert in einer Tasse, die Ingrid Tatzel vor Jahren als Souvenir aus York mitgebracht hat. Dort war die britische Freundin zu Hause, als sie noch bei ihren Eltern lebte. Auch leckerer Pflaumenkuchen kommt auf den Tisch. Am Samstag reisen die Pendleburys wieder ab. Bis dahin wollen die beiden Ehepaare die Gegend erkunden. Xanten, Kleve, den Landschaftspark Nord in Duisburg, was sich so ergibt.

Zurück zur Brieffreundschaft der beiden Damen. Anfangs habe man sich vier-, fünfmal pro Jahr geschrieben. Stets auf Englisch. 1984 flog Ingrid Tatzel dann erstmals nach England. Sie blieb zwei Wochen. "Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden", erinnert sie sich. Der Gegenbesuch folgte, man blieb in Kontakt. Als dann aber die Kinder kamen, schrieb man sich zwar weiterhin, sah sich aber nur noch selten. 21 Jahre dauerte es, bis es wieder zu einer deutsch-britischen Begegnung kam. Die beiden Frauen schreiben sich nach wie vor: "Meistens E-Mails, aber zwischendurch auch immer wieder mal Briefe. Den Anstoß zum internationalen Austausch gab damals übrigens ein Englischlehrer an der Rheinberger Realschule.

Beim Gespräch auf Tatzels Terrasse wurde gestern ein politisches Thema natürlich nicht ausgespart: der Brexit. Jane und Alan Pendlebury geben zu, wie viele andere schockiert über das Ergebnis der Volksabstimmung gewesen zu sein. "Keine gute Entscheidung", sagen die beiden.

Quelle: RP
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