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Rheinberg
Die ganze Palette der Niederrhein-Natur

Rheinberg. Vogelstimmen-, Imker-, und Kräuterführungen beim Orsoyer Streuobstwiesen-Jubiläum. Der Nabu bot eine Menge. Von Sabine Hannemann

Früh trieb es die Teilnehmer der Orsoyer Vogelstimmenführung aus den Federn. Pünktlich um 9 Uhr startete der Naturfreund und Hobbyornithologe Wilfried Ingensiep, um die befiederten Bewohnern der Streuobstwiese zu belauschen. "Amsel, Kohlmeise und Buchfink sind wegen der Viruserkrankung im Bestand zurückgegangen. Sie werden sich erholen", so Ingensiep. Zu entdecken gab es auf dem Areal mit Steinkauz, Gartenrotschwanz, Heckenbraunelle oder Dorngrasmücke genug. "Wir haben das Glück rund um Orsoy rund 50 verschiedene Arten zu erleben. Das hängt mit dem alten Baumbestand zusammen", erklärt Ingensiep.

Mit dem Fernglas ließen sich manche der verschiedenen Singvögel bestimmen und vor allem hören. "Die beste Zeit für eine Vogelstimmenexkursion ist allerdings morgens zwischen sechs und sieben", so der Borther. Das Interesse an naturnahem Erleben ist groß. Seine Vhs-Kurse zum Obstbaumschnitt sind gut besucht, bei dem neben der Praxis auch Wissenswertes zu alten Obstbaumarten vermittelt werden kann. Auch die Streuobstwiese mit seinen Steinobstarten wie Apfel, Birne, Kirsche und Zwetschge punktet enorm. "Alte Apfelsorten wie Sternrenette, Schöner von Boskoop oder Schweizer Glockenapfel haben wir auf der Wiese stehen."

Sabine Engler, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Biologischen Station Wesel, hat für die Besucher ein anderes Thema vorbereitet. Ihr geht es um die Ansiedlung alter heimischer Wiesenpflanzen. "Die Kleine Wiesenraute und der Kleine Wiesenknopf stehen mittlerweile auf der Roten Liste", erklärt sie die Notwendigkeit einer solchen Aktion. Und dann gibt es da noch solche Pflanzen, die einfach "Klappertopf" heißen. "Nach der Blüte liegen die Samen in einer Kapsel. Schüttelt man sie, klappert es eben so laut wie in einem Topf", so die Biologin. Der Info-Stand informiert über die Möglichkeiten, brachliegende landwirtschaftlichen Flächen in blühende Wiesen zu verwandeln, um so seltene Pflanzenarten zu vermehren. Förderprogramme stehen bereit. "Der Boden muss vorbereitet werden. Über die Bodenanalyse erfahren wir, was überhaupt wachsen kann", sagt Engler. Wie sehr die Projekte zur Renaturierung gefragt sind und inspirieren, zeigen städtische Initiativen wie "Rheinberg summt", die demnächst auf die Schiene gehoben werden soll. Am Nabu-Stand von Sylvia Oelinger geht es um den Bau von Insektenhotels. Mit der Bohrmaschine werden in trockene Baumabschnitte Löcher gebohrt. An Ideen hat die Nabu-Ortsgruppe genug zu bieten, wie Oelinger erzählt. Sie weist auf das "Grüne Klassenzimmer" hin, ein Ort auf der Streuobstwiese, der regelmäßig für Naturbeobachtungen von Orsoyer Grundschul- und Kindergartenkinder genutzt wird. "Rund 20.000 verschiedene Arten können wir beobachten", sagt Oelinger. Hinzu kommen dabei die Bienen der Orsoyer Bienenstände, die von den Imkern betreut werden. Honig, Honiglikör, Salatsoßen und kosmetische Produkte bot Ulrike Reimann an. Weitere Pläne hat die Gruppe zur Genüge. "Wir feiern im Herbst zur Obsternte den nächsten Aktionstag", sagt Oelinger. Zu den weiteren Projekten gehört, entlang der Bendstege eine Obstbaumallee mit alten Obstsorten anzulegen. "Wir werden dann für den Wanderpfad Baumpaten suchen und zusammen mit dem Nabu Grundstückseigentümer für die Idee begeistern", so ihre Pläne.

Quelle: RP
 
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