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Rheinberg
Die geheimen Kräfte der Kräuter

Rheinberg: Die geheimen Kräfte der Kräuter
Lou Geldermann (rechts) erklärt den Teilnehmerinnen der Kräuterwanderung, welche Wirkungen die Hopfen-Ranke hat. FOTO: Armin Fischer
Rheinberg. Lou Geldermann lud zu einer Naturwanderung rund um Orsoy ein. Teilnehmer lernten eine Menge. Von Sabine Hannemann

Sommerkräuter wachsen in Mengen rund um Orsoy, und Lou Geldermann weiß, wo sie zu finden sind. Zu einer Kräuterreise lud sie am Samstag ein. Trotz der Hitze, "einfach, weil mich Wildkräuter interessieren", meint Teilnehmerin Christa Radtke. Nach den Frühjahrskräutern legt die Volkshochschule mit einem sommerlichen Pendant nach. "Wer mit offenen Augen auf Entdeckungstour geht, wird vieles am Wegesrand entdecken. Ich möchte mein Wissen, welche Kräuter essbar sind, an Naturbegeisterte weitergeben", meint Geldermann. "Ich glaube, dass solche Spaziergänge etwas auf die Schiene bringen, von dem ganz viel hängenbleibt."

Von Demut vor den Pflanzen spricht sie. Ihr Wissen hat sie von ihrer Oma Gretel bekommen, die mit Kräutern umzugehen wusste. Für beinahe alles ist ein Kraut gewachsen, "So hab ich damals die Pflanzenwelt verstanden." Die VHS-Teilnehmer erfahren etwas über den hochrankenden Hopfen. Die jungen Triebe und Blätter sind noch frei von bitteren Inhaltsstoffen und schmecken "überbrüht wie Grünspargel", schwärmt Lou Geldermann. Dass sich schnell der Begriff Hopfenspargel daraus entwickelte, versteht sich.

Am Bahndamm steht der Schachtelhalm im Mittelpunkt als unkaputtbares Gewächs aus der Millionen alten Erdgeschichte. Vom lebenden Fossil spricht Geldermann und erklärt gesundheitsfördernde Eigenschaften des Halms, beispielsweise mit der Teezubereitung. Weitere Eigenart: die Pflanze einhält Kieselsäure - gut für Haare, Haut, Nägel und Bindegewebe. Der Breitwegerich ist weiteres Studienobjekt, der sich zur Zeit der Einwanderer als "Des weißen Mannes Fuß" in Amerika einen Namen als Siedlergeschenk machte. Zerquetscht man die Blätter, entfalten sie gegen juckende Mückenstichen als "Indianerpflaster" heilende wie antiseptische Kräfte.

Weitere Wildkräuter sorgen für Gesprächsstoff, wie das klettenartige Labkraut, früher als Säuerungsmittel bei der Käseherstellung verwendet. Beinahe mythisch dagegen der Beifuß, der als Gewürz den Gänsebraten bekömmlicher macht. Früher wurden auch Ställe damit ausgeräuchert, um böse Geister zu vertreiben.

Der Spaziergang führt über die Wälle bis an den Rhein. "Mir geht es darum, verschiedene Unkräuter, die schmecken, riechen und heilen, bekannter zu machen", sagt Lou Geldermann. Mit von der Partie der Giersch, der mittlerweile Held im Wildkräutersalat ist. Oder Melde, die als Spinatersatz dient. "Wenn Teilnehmer nun im Garten Wildkräuter erkennen, dann wissen sie mit dem Geschenk aus der Natur sicherlich besser umzugehen." Nach über zwei Stunden endete der Spaziergang. "Trotz der Hitze habe ich bis zum Schluss aufmerksame Begleiter gehabt", freute sich Lou Geldermann.

Quelle: RP
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